Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2017

11:53 Uhr

Ugarn

Russische Geheimdienste haben freie Bahn

Der Ex-Geheimdienstler Ferenc Katrein ist der Meinung, dass Ungarn nichts gegen die Aktivitäten russischer Geheimdienste im eigenen Land unternehme. Die Russen könnten so schlussfolgern, dass sie freie Bahn hätten.

Im Vorjahr wurde bekannt, dass Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Wehrsport-Übungen der Neonazi-Miliz Ungarische Nationale Front (MNA) teilgenommen hatten. AFP; Files; Francois Guillot

Viktor Orban

Im Vorjahr wurde bekannt, dass Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Wehrsport-Übungen der Neonazi-Miliz Ungarische Nationale Front (MNA) teilgenommen hatten.

BudapestDie ungarische Spionageabwehr tut nach Ansicht eines ehemaligen Mitarbeiters des Amtes für Verfassungsschutz (AH) nichts gegen die Aktivitäten russischer Geheimdienste in Ungarn. „Fachlich begründete aktive Operationen durften wir nicht einleiten“, sagte der Ex-Geheimdienstler Ferenc Katrein am Dienstag in einem Interview des Nachrichtenportals index.hu. Dies sei so von der Politik angeordnet worden.

Ungarn ist seit 1999 Nato- und seit 2004 EU-Mitglied. Unter dem seit 2010 amtierenden rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban ist es auf einen russlandfreundlichen Kurs eingeschwenkt. Die Staatsmedien übernehmen häufig die russische Sicht auf die Weltpolitik. Im Vorjahr wurde bekannt, dass Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Wehrsport-Übungen der Neonazi-Miliz Ungarische Nationale Front (MNA) teilgenommen hatten.

Treffen mit Putin: Orban kritisiert EU-Sanktionen gegen Russland

Treffen mit Putin

Orban kritisiert EU-Sanktionen gegen Russland

Gastgeber Viktor Orban empfängt Wladimir Putin wie einen engen Verbündeten. Beide reiben sich an den EU-Sanktionen gegen Russland. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hoffen sie auf deren Aufweichung.

„Nach all dem (...) können die Russen schlussfolgern, dass sie freie Bahn haben“, sagte Katrein weiter. „Dass sie sich ruhig ausbreiten können, denn viel wird ihnen nicht passieren. Ihr Spielraum ist in Ungarn größer als in Gegenden, wo die (Spionage-)Abwehr viel aggressiver agiert.“

Katrein war von 2000 bis 2013 bei den Inlandsgeheimdiensten NBH und AH tätig, zuletzt als Operativ-Direktor. Wie er sagte, schied er aus dem Dienst aus, weil er die Passivität gegenüber den russischen Geheimdienst-Aktivitäten nicht mehr mit seinem professionellen Anspruch vereinbaren konnte. Er lebt heute nicht mehr in Ungarn und übt einen Zivilberuf aus.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×