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29.02.2012

08:34 Uhr

Uiguren-Minderheit

Zwölf Tote bei Unruhen in Nordwestchina

VonFinn Mayer-Kuckuk

Im Nordwesten Chinas herrschen Spannungen zwischen muslimischen Uiguren und Chinesen. Bei einem Zwischenfall gab es Tote und Verletzte. Peking sieht Aufrührer am Werk, während Exiluiguren die Unterdrückung anprangern.

Archiv: Chinesische Sicherheitskräfte gehen in Xinjiang gegen uigurischen Protestler vor. AFP

Archiv: Chinesische Sicherheitskräfte gehen in Xinjiang gegen uigurischen Protestler vor.

PekingEin aufgebrachter Mob hat am Dienstag in der westchinesischen Stadt Yecheng mindestens zehn Menschen umgebracht, wie jetzt erst bekannt wurde. Die Polizei habe ihrerseits zwei Verdächtige erschossen, berichten chinesische Staatsmedien am Mittwoch. Yecheng in der Präfektur Kaschgar gilt als Keimzelle des Widerstands gegen die chinesische Herrschaft über Xinjiang. Vor dem Gewaltausbruch hätten drei Chinesen einen uigurischen Jugendlichen beleidigt, berichtet der unabhängige Sender "Radio Free Asia". Eine Gruppe von uigurischen Jugendlichen habe daraufhin die Han-Chinesen angegriffen. Die Polizei habe daraufhin die Uighuren getötet.

Vergangene Woche hatte Chinas Vizepräsident Xi Jinping bei einem Besuch in der Türkei einen harten Schlag gegen Separatisten gefordert. „China hofft, dass die Türkei weiterhin wirksam gegen antichinesische Kräfte vorgeht“, sagte Xi im Gespräch mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan in Istanbul.

Xi bezog sich dabei auf die Unterstützung, die die Rebellen in Xinjiang aus anderen muslimischen Ländern erhalten. Die Großregion heißt dort oft „Ost-Turkestan“ – eine brisante Ortsbezeichnung, weil damit auch zumindest ein Teil Xinjiangs gemeint ist. Damit weist sie auf einen potentiell unabhängigen Status der Präfektur hin. Als Vielvölkerstaat mit zahlreichen umstrittenen Territorien wie Tibet oder Taiwan ist china die nationale Einheit besonders wichtig.

Experten rechnen wegen der verfahrenen Lage damit, dass sich die Probleme fortsetzen.  „Solche Unruhen lassen sich nicht vermeiden, wenn die Konflikte so tief sitzen“, sagte der Chinaexperte Johnny Lau der „South China Morning Post“. „Viele der Täter haben im Grenzgebiet zu Pakistan eine Terroristenausbildung erhalten.“

Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele 2008 waren 16 Polizeibeamte in Kashgar bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen. Ein Jahr später starben 197 Zivilisten bei Ausschreitungen gegen Han-Chinesen in der Präfekturhauptstadt Urumtschi.

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