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05.06.2014

12:51 Uhr

Ukip-Kandidat siegessicher

„Ich würde ein paar Pfund auf mich setzen“

VonMatthias Thibaut

Im Wahlkreis Newark steht die Nachwahl eines Parlamentsabgeordneten für das britische Unterhaus an. Die Ukip hat gute Chancen auf den Sitz in London. Versetzt die Anti-EU Partei Premier Cameron den nächsten Nackenschlag?

Wahlkampf in Newark: Ukip-Chef Nigel Farage (r.) und Kandidat Roger Helmer trommeln für den Sieg. AFP

Wahlkampf in Newark: Ukip-Chef Nigel Farage (r.) und Kandidat Roger Helmer trommeln für den Sieg.

Roger Helmer, Dandy mit Upper Class Akzent und Schnauzer, exzentrischen Sakkos und noch extravaganteren Meinungen, hält die Wettquoten für lächerlich. „Wenn es erlaubt wäre, würde ich ein paar Pfund auf mich selber setzen“, meint der Ukip Kandidat zu dem 3 zu 1 Kurs, der für seinen Sieg bei der Nachwahl an diesem Donnerstag im englischen Newark angeboten wird.

Aber die Zuversicht ist gespielt. Der höchste Betrag, der bei dem Wettbüro William Hill auf seinen Sieg gesetzt wurde, ist 200 Pfund. Mag ihn trösten, dass Labour nur 100 Pfund als Höchstwette angelockt hat und auf die Liberaldemokraten überhaupt nur zwei Wetten gesetzt wurden – die höhere mit 93 Pence.

Die Tories von Premier David Cameron sind, nach Wochen erbitterten Wahlkampfs, wieder Favorit. Ein unbekannter Wetter aus dem Wahlkreis war so zuversichtlich, dass er auf den Tory Kandidaten Robert Jenrick 8000 Pfund setzte. Bekommt er recht, streicht er 2000 Pfund Gewinn ein.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Zwei Wochen nach der Europawahl soll Newark heute die zweite Welle des „Ukip Erdbebens“ der britischen Politik auslösen. Helmer, frisch gewählter Ukip-Europaparlamentarier, war 2012 als Tory-Abgeordneter in Brüssel von den Tories zu Ukip übergelaufen. Ukip-Sympathisant ist er schon lange, seit 2006 gehört er zu der „Better off out“-Gruppe von Tories an, die den EU-Austritt Großbritanniens für die beste Lösung halten.

Nun soll er als erster Ukip-Parlamentarier ins Unterhaus einziehen und damit beweisen, dass Ukip nicht nur eine Protestpartei ist, die bei den Europawahlen gewinnen kann, die ohnehin in Großbritannien niemand ernst nimmt. Ein Ukip-Sieg wäre eine Sensation, denn Newark gilt als absolut sicherer Tory-Sitz. Der bisherige Wahlkreisabgeordnete, der wegen einer Schmieraffäre zurücktreten musste, hatte eine Mehrheit von 16.000 Stimmen.

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