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25.05.2012

13:29 Uhr

Ukraine

Der Fall Timoschenko belastet die EM

VonMathias Brüggmann

Seit dem Skandal um den Fall Timoschenko steht die Ukraine in der Kritik. Die wirtschaftliche Lage allerdings sehen ausländische Investoren durchaus positiv. Die Fußball-EM soll zusätzliche Impulse bringen.

Ein Boxsack mit dem Portrait des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Reuters

Ein Boxsack mit dem Portrait des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

KiewZweigeteilt ist die Ukraine politisch seit langem: in den "blauen" Teil der russischsprachigen Bevölkerung der Kohle- und Stahlreviere des Donbass im Osten und in den "orangenen" Teil der prowestlichen, ukrainisch sprechenden Bevölkerung. Inzwischen aber hat der größte Flächenstaat Europas sogar die EU gespalten: Denn seit den skandalumwitterten Prozessen gegen die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko steht die Ukraine im Fokus Europas.

Während östliche EU-Länder die Ukraine enger an Europa binden wollen, wurde vor allem auf Drängen Deutschlands die Unterzeichnung eines EU-Assoziierungsabkommens mit Kiew gestoppt. Die EU-Kommission hat Reisen zu den Spielen der ab 8. Juni stattfindenden Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine abgesagt, besucht werden nur die beim Co-Gastgeber Polen stattfindenden Begegnungen. Das soll den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch politisch isolieren.

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Unter Janukowitsch werde die Ukraine zu einem "zunehmend autoritär und schlecht regierten Land", werfen ihm Experten wie Steffen Halling und Susan Stewart von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) vor. "Die Grundeinstellung der ukrainischen Elite ist vor allem, sich zu bereichern." Ukrainische Ökonomen und Unternehmer verweisen aber darauf, dass dies unter Frau Timoschenkos orangener Regierung kaum anders gewesen sei: "Damals bekamen wir ständig neue Teilhaber, die bei uns abkassieren wollten. Heute kommt einer aus dem Janukowitsch-Lager, verlangt die Hälfte unseres Unternehmens, aber hält uns dafür dauerhaft Ärger vom Leib", sagt ein ukrainischer Bauunternehmer in Kiew.

Ausländische Investoren indes, von denen gerade Chevron und Shell sich an der Erkundung der reichen Schiefergasvorkommen beteiligt haben, sehen die Sache positiver: Tobias Baumann hält "die Lage der Ukraine für positiver, als man sie für gewöhnlich erwartet", sagt der Ost-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Deutsche Firmen, die in der Ukraine tätig seien, "wachsen noch schneller als der sich dort insgesamt gut entwickelnde Markt".

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Zwei Drittel der deutschen Firmen zwischen Karpaten, Schwarzem Meer und Donbass "verzeichnen gute oder sehr gute Umsatzzuwächse", sagt Baumann. Die EM bringe zusätzliche Impulse. Das mit der Ukraine geplante Assoziierungsabkommen solle "dem Fall Timoschenko nicht geopfert werden", sagt Baumann. "Es ist extrem wichtig, um die ukrainisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen langfristig mit einer soliden Perspektive auszustatten."

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