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26.02.2014

16:57 Uhr

Ukraine

Der Schatz der Oligarchen

Osteuropa in Aufruhr: Putin rasselt mit dem Säbel, Janukowitsch taucht ab und der Ukraine geht das Geld aus. Dabei haben die alten Machthaber Milliarden ins Ausland geschafft. Doch wo steckt ihr Vermögen?

Internationale Fahndung

Alle jagen Janukowitsch

Internationale Fahndung: Alle jagen Janukowitsch

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Zürich/Wien/AthenEs fehlt Geld. Und zwar in schwindelerregender Höhe. Längerfristig braucht die Ukraine wohl 25 Milliarden Euro. Noch dramatischer wird das akute Geldproblem des Landes, weil es Vorwürfe gegen Ex-Präsident Viktor Janukowitsch gibt: Milliarden sollen er und seine Familie Jahr für Jahr aus dem Land geschafft haben. Der CDU-Politiker und Chef des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlaments, Elmar Brok, spricht im Deutschlandradio sogar von acht bis zehn Milliarden. „Ausgeräubert“ habe Janukowitsch das Land. Ein Vorwurf, denn auch die Opposition in der Ukraine erhebt.

Deshalb hatte die Opposition auch die Deutsche Bank ins Visier genommen. Der Vorwurf: Das Geldhaus soll dubiose Finanzgeschäfte für den Clan von Ex-Präsident Viktor Janukowitsch abgewickelt haben. Bei einer Aktion vor einer Filiale in Kiew Anfang Februar hatten Demonstranten deshalb Geldscheine in eine mit roter Farbe gefüllte Badewanne gelegt. Die Vorwürfe der Aktivisten sind von unabhängiger Seite nur schwer zu prüfen.

So flüchtete Viktor Janukowitsch

Freitag, 21.2., abends

Janukowitsch und enge Vertraute, darunter Präsidialamtschef Andrej Kljujew, fliegen mit Hubschraubern in die ostukrainische Millionenstadt Charkow. Dort wollen sie am Samstag an einem Kongress von regierungstreuen Gouverneuren, Bürgermeistern und Abgeordneten aus dem prorussischen Osten und Süden teilnehmen.

Samstag, 22.02., tagsüber

Janukowitsch hält sich in einer Staatsresidenz in Charkow auf. Eine Teilnahme am Kongress lehnt er nun ab. Der abgesetzte Präsident gibt ein Interview und betont, er werde weder zurücktreten noch das Land verlassen. Später fliegt er per Hubschrauber in die Stadt Donezk.

Samstag, 22.02., abends

Gemeinsam mit bewaffneten Leibwächtern will Janukowitsch am Flughafen Donezk in zwei VIP-Maschinen vom Typ „Falcon“ umsteigen. Der Grenzschutz verweigert die Abfertigung – wegen angeblich fehlender Dokumente. Janukowitsch wird in einer gepanzerten Limousine in eine Residenz gefahren. Nach mehreren Stunden bricht er in Richtung der Halbinsel Krim auf.

Sonntag, 23.02., tagsüber

Janukowitsch trifft auf der Krim ein, er sucht Zuflucht in einem privaten Erholungsheim. Staatliche Gebäude meidet er. Als er erfährt, dass die kommissarischen Chefs von Innenministerium und Geheimdienst auf dem Weg zur Krim sind, fährt Janukowitsch in Richtung des internationalen Flughafens Sewastopol – doch dort landen bereits die neuen Machthaber.

Sonntag, 23.02., abends

Der gestürzte Präsident bricht die Fahrt ab und lässt sich zu einer Privatresidenz bei Balaklawa bringen. Er bietet seinen Leibwächtern an, zurückzubleiben und verzichtet schriftlich auf staatlichen Schutz. Ein Teil der Sicherheitskräfte zieht daraufhin ab. Die übrigen Wachen und Präsidialamtschef Kljujew besteigen gemeinsam mit Janukowitsch insgesamt drei Fahrzeuge und fahren in unbekannte Richtung davon.

Montag, 24.02., vormittags

Das Innenministerium teilt mit, dass Janukowitsch wegen „Massenmordes“ zur Fahndung ausgeschrieben sei. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet.

Hinter den Kulissen beschäftigt sich die Oppositionsbewegung schon länger mit den Geschäften des mittlerweile gestürzten Präsidenten Janukowitsch und dessen Umfeld. Der Klüngel soll sich in den vergangenen Jahren massiv bereichert haben. Die Vorwürfe: Korruption. Und der Verdacht, dass die Mächtigen der Ukraine illegal verdiente Gelder in großem Stil an ausländischen Finanzplätzen reinwaschen. Demonstrant Viktor Andrusiw bringt es auf den Punkt: „Sie stehlen Geld aus dem Staatshaushalt und legen es in Europa an.“

Es gibt einige Beispiele für Ukrainer, die ihr Vermögen ins Ausland geschafft haben. Begehrte Ziele waren die Schweiz, Österreich und Zypern.

Kommentare (20)

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Notar

26.02.2014, 17:47 Uhr

Zitat : „Ausgeräubert“ habe Janukowitsch das Land. Ein Vorwurf, denn auch die Opposition in der Ukraine erhebt.

- nun sollte man fairerweise auch der Opposition...vor allem der früheren Regierung Juschjenko/Timoschenko den gleichen Vorwurf erheben !
Die Gas-Prinzessin Timoschenko ist da sehr geübt....Staatsgelder zu veruntreuen und auf eigenen Konten in Offshore-Banken zu bunkern !

Und auch die nächste Regierung der Ukraine wird alle Hilfsgelder ( die sie als Kredite vom IWF, der EU, etc. erhält ) veruntreuen und dem Staat klauen !

Heile Welt des Postkommunismus ! Und der Europäische Steuerzahler wird die Rechnung begleichen !

so-isses

26.02.2014, 17:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Gerechtigkeit

26.02.2014, 18:10 Uhr

Ein guter Ansatz, dieser Artikel. Nur so kann man diesen korrupten, menschenrechtsverachtenden Oligarchensumpf austrocknen, indem man die Konten sperrt und ein mit einem Haftbefehl gekoppeltes Einreiseverbot verhängt. Und man muss herausfinden, wohin die hektisch mit großen Koffern aus der Ukraine geflüchteten Wasserstoffblondinen sind. Müsste man doch über die registrierungspflichtigen Heli- und Privatjetflüge rauskriegen können.

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