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25.10.2014

03:23 Uhr

Ukraine

Die Wahlen in einem gespaltenen Land

Am Sonntag wählen die Ukrainer ein neues Parlament. Doch in dem angeschlagenen Land ist die Hoffnung auf einen ernstzunehmenden Wandel abgeflaut. Die Begeisterung der Revolution ist der Alltagsrealität gewichen.

Passanten laufen an einem Wahlkampf-Poster von Arseniy Yatsenyuk von der Partei Volksfront vorbei: Am Sonntag wählen die Ukrainer eine neues Parlament. AFP

Passanten laufen an einem Wahlkampf-Poster von Arseniy Yatsenyuk von der Partei Volksfront vorbei: Am Sonntag wählen die Ukrainer eine neues Parlament.

KiewEwelina Martirosjan blickt über den Maidan und erinnert sich an die Begeisterung, mit der sie an den Protesten teilnahm. Seit der Revolution, die im Frühjahr zum Sturz eines verhassten Präsidenten führte, ist ihr Traum von einer besseren Zukunft für die Ukraine verblasst, durch Krieg und einen Beinahe-Kollaps der Wirtschaft.

Martirosjan ist kein Einzelfall. Die Parlamentswahlen am Sonntag verheißen zwar frische Gesichter in der politischen Szene, aber Millionen Ukrainer versprechen sich vom Wandel keine Verbesserungen für ihr Land. Hurrapatriotismus hat soziale Spaltungen übertüncht, die mit jedem Tag größer zu werden scheinen, die Wirtschaft bricht unter dem Gewicht des ruinösen Krieges gegen prorussische Separatisten im Osten immer mehr zusammen.

„Vielleicht kommen neue Leute, aber alles wird genauso bleiben wie vorher“, sagt Martirosjan. „Es ist nur so, dass sich Leute jetzt in diese Slogans ,Ich liebe die Ukraine' einhüllen.“

Martirosjan ist 25 Jahre alt, zu jung also, um Erinnerungen an die sowjetische Vergangenheit des Landes zu haben. Zorn über die Abwendung des - später gestürzten - Präsidenten Viktor Janukowitsch von der Europäischen Union brachte sie dazu, sich der Protestbewegung anzuschließen.

Eine Abkehr der Ukraine vom Westen, möglicherweise unumkehrbar, das konnten die Tausenden von Aktivisten ihres Alters schlicht nicht akzeptieren. Und als Janukowitsch dann im Februar floh, war Begeisterung über die Aussicht auf eine neue Ära des Landes im westlichen Schoß spürbar. „Es herrschte wirklich eine Überzeugung, dass sich etwas nach vorn bewegen wird“, schildert die junge Frau. „Sie mussten mit uns rechnen, es gab ja so viele von uns.“

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