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31.07.2014

12:41 Uhr

Ukraine führt Kriegssteuer ein

Zahlen für Kanonen

Die Ukrainer müssen für die Offensive im Osten des Landes zahlen: Das Parlament führt eine Kriegssteuer von 1,5 Prozent ein. Zudem lehnten die Abgeordneten den Rücktritt von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ab.

Ukrainischer Ministerpräsident Arseni Jazenjuk: Der Regierungschef hatte vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt, weil die Abgeordneten den Nachtragshaushalt für das laufende Jahr in einer ersten Abstimmung nicht angenommen hatten. dpa

Ukrainischer Ministerpräsident Arseni Jazenjuk: Der Regierungschef hatte vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt, weil die Abgeordneten den Nachtragshaushalt für das laufende Jahr in einer ersten Abstimmung nicht angenommen hatten.

KiewDie Ukraine hat eine Kriegsabgabe von 1,5 Prozent auf alle steuerpflichtigen Privateinkommen im Land eingeführt, die bis zum 1. Januar 2015 gelten soll. Das beschloss am Donnerstag das Parlament in Kiew mit großer Mehrheit.
Ebenfalls am Donnerstag lehnte das Parlament mit großer Mehrheit den Rücktritt von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ab. Damit scheint die Regierungskrise mitten in der Offensive gegen die prorussischen Rebellen im Osten abgewendet zu sein. Die Abgeordneten hätten auch mehr Mitteln für den Militäreinsatz gegen die Separatisten zugestimmt, sagte Parlamentspräsident Alexander Turtschinow.

Jazenjuk hatte vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt, weil die Abgeordneten den Nachtragshaushalt für das laufende Jahr in einer ersten Abstimmung nicht angenommen hatten.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Präsident Petro Poroschenko hatte die Abgeordneten unmittelbar vor ihrem Votum eindringlich aufgefordert, dem Haushalt doch noch zuzustimmen.

Das ukrainische Parlament stimmt überdies auch der Entsendung bewaffneter Ermittler aus den Niederlanden und Australien an den Absturzort des malaysischen Passagierflugzeugs im Osten des Landes zu.

Auf Drängen der Vereinten Nationen kündigte die ukrainische Führung derweil eine eintägige Waffenruhe für den umkämpften Osten der Ex-Sowjetrepublik an. Ziel sei es, internationalen Experten den Zugang zum Absturzort des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 zu ermöglichen, teilte das Pressezentrum der „Anti-Terror-Operation“ in Kiew am Donnerstag mit.

Kommentare (4)

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Herr Josef Schmidt

31.07.2014, 13:12 Uhr

Und die Kanonen kommen aus ... ? Na ...? Richtig, USA.

Auch die Gaskontrolle in der Ukraine kommt in die Hände der USA. So langsam lichtet sich der Nebel um die Ukraine.

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Hubich

31.07.2014, 13:27 Uhr

und plötzlich ist Krieg in Europa und breitet sich in der Welt aus:
" Konflikt mit Russland: Renommierte Sicherheitspolitiker warnen vor Krieg aus Versehen. "Eine Gefahr für ganz Europa": Ein Netzwerk prominenter Sicherheitspolitiker hält eine militärische Eskalation zwischen Russland und dem Westen für möglich - selbst wenn ein Krieg gar nicht gewollt sei."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-konflikt-sicherheitsexperten-warnen-vor-eskalation-a-983744.html
Dass die ukrainische Regierung an einem Frieden interessiert ist, wage ich zu bezweifeln.

Werner Roeder

31.07.2014, 13:43 Uhr

Angesichts des erheblichen Interesses, das unsere Bundesregierung an einer Ausweitung des Ukraine-Konflikts zeigt, schlage ich vor, dass Herr Schäuble zugunsten der Regierung in Kiew Kriegsanleihen emittiert. Damit hätten wir in Zeiten der Geldschwemmer und schindender Renditepapiere endlich eine neue und vielversprechende Anlageklasse. Wie bei den systemrelevanten Banken haftet der deutsche Steuerzahler und die USA dürfen sich über umfangreiche Waffenbestellungen aus Kiew freuen, deren Bezahlung sichergestellt sein wird.

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