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23.02.2014

12:51 Uhr

Ukraine

Geldproblem holt die Revolution ein

Am Tag eins nach dem Umsturz ist die Lage in Kiew ruhig. Umso hektischer wird über eine Lösung für die akute Finanznot des Landes debattiert. Russland dreht den Geldhahn zu – jetzt sind der IWF, USA und die EU am Zug.

Revolutionär auf dem Golfplatz: Ein Protestler hält auf dem Anwesen des abgesetzten Präsidenten Janukowitsch eine alternative ukrainische Flagge in den Wind. dpa

Revolutionär auf dem Golfplatz: Ein Protestler hält auf dem Anwesen des abgesetzten Präsidenten Janukowitsch eine alternative ukrainische Flagge in den Wind.

Kiew/SydneyNach der Freilassung der ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko aus zweieinhalbjähriger Haft haben die Regierungsgegner den Tag in Kiew ruhig begonnen. Mit Patrouillen bewachte die Opposition am Sonntag weiter die Barrikaden am zentralen Unabhängigkeitsplatz – dem Maidan.

Dort hatte am Vorabend Ex-Regierungschefin Timoschenko in einer emotionalen Rede an mehr als 100.000 Menschen appelliert, mit ihrem Kampf nicht nachzulassen. Erst Neuwahlen, die für den 25. Mai angesetzt sind, könnten den Machtwechsel abschließen. Wo sich Staatschef Viktor Janukowitsch aufhält, war weiter unklar.

Das Parlament will noch am Sonntag einen neuen Regierungschef wählen. Eine Kandidatin hierfür ist Timoschenko, die das Amt bereits zweimal innehatte. Auch ihr Parteigenosse Arseni Jazenjuk stehe zur Wahl, sagte Nikolai Tomenko von Timoschenkos Partei örtlichen Medien zufolge. Dritter prominenter Kandidat war der Unternehmer Pjotr Poroschenko.

Während sich die Lage in Kiew beruhigt, wird international an einer Lösung für die Finanzprobleme des Landes gearbeitet. Die USA und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben der Ukraine am Sonntag Hilfe zum Wiederaufbau der am Boden liegenden Wirtschaft in Aussicht gestellt. In Zusammenarbeit mit anderen Ländern stehe Washington bereit, „die Ukraine bei der Rückkehr zu Demokratie, Stabilität und Wachstum zu unterstützen“, sagte US-Finanzminister Jacob Lew am Sonntag beim G-20-Finanzministertreffen im australischen Sydney. IWF-Chefin Christine Lagarde äußerte sich ähnlich.

US-Finanzminister Lew hatte in Sydney mit seinem russischen Kollegen Anton Siluanow über die Folgen des Umbruchs in Kiew beraten. Dabei habe Lew gegenüber Siluanow „die Notwendigkeit zu Stabilität und wirtschaftlichen Reformen“ in der Ukraine hervorgehoben, sagte ein US-Regierungsbeamter. Beide Minister seien sich einig, dass bei der finanziellen Unterstützung für Kiew auch der IWF einbezogen werden könne. „Der IWF ist in der besten Position, Staaten wie der Ukraine bei den wirtschaftlichen Herausforderungen zu helfen“, sagte Lew.

IWF-Chefin Lagarde sagte in Sydney, wenn es eine Anfrage aus Kiew gebe, „stehen wir natürlich bereit“. Dabei könne es sowohl um politische Beratung, finanzielle Unterstützung als auch Diskussionen über die notwendigen Reformen gehen. „Wir werden bereit sein, uns zu engagieren.“

Nach den monatelangen Massenprotesten, die am Samstag in der Absetzung von Präsident Viktor Janukowitsch durch das Parlament gipfelten, ist die Ukraine in akuter Finanznot. Russland hatte Kiew zwar Notkredite von 15 Milliarden Dollar (knapp 11 Milliarden Euro) zugesagt. Doch nach einer ersten Auszahlung von drei Milliarden Dollar legte Moskau die weiteren Tranchen angesichts der dramatischen Entwicklungen in der Ukraine auf Eis.

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