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03.06.2015

16:08 Uhr

Ukraine

Im Donbass wird wieder gekämpft

Vier Monate ist es her, dass die Ukraine, Russland und die Separatisten im Donbass einen Friedensplan ausgehandelt haben. Doch der Waffenstillstand wird immer brüchiger. Jetzt kommt es zu neuen Gefechten.

Bei den jüngsten Gefechten sei Artillerie vom Hinterland wieder in Frontnähe verschoben worden, teilte Kiew mit. dpa

Schwere Geschütze an der Front

Bei den jüngsten Gefechten sei Artillerie vom Hinterland wieder in Frontnähe verschoben worden, teilte Kiew mit.

DonezkFast vier Monate nach den Friedensverhandlungen im weißrussischen Minsk kommt es wieder zu schweren Gefechten in der Ostukraine. Die prorussischen Aufständischen in Donezk berichteten am Mittwoch von mindestens 15 Toten und 60 Verletzten bei Beschuss durch die ukrainische Armee. Die Militärführung in Kiew warf ihrerseits den Separatisten eine große Offensive vor und räumte ein, schwere Waffen wieder an die Front gebracht zu haben.

Das Militär habe Artillerie eingesetzt, „die sich bis dahin nach den Minsker Vereinbarungen im Hinterland befand“, teilte der Generalstab in Kiew am Mittwoch mit. Die Ukraine habe ihre internationalen Partner vorher informiert. Die prorussischen Separatisten hätten beim Ort Marjinka mit rund 1000 Kämpfern angegriffen, hieß es. Bei den Friedensgesprächen im weißrussischen Minsk Mitte Februar hatten sich die Konfliktparteien geeinigt, schweres Kriegsgerät abzuziehen.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Im umkämpften Osten der Ukraine sitzen nach Rebellenangaben zudem Hunderte Bergleute unter Tage in zwei Minen fest. In beiden Anlagen fiel nach Agenturberichten der Strom nach Schusswechseln aus. Allein im Bergwerk Sasjadko müssten 576 Arbeiter in Dunkelheit ausharren, sagte ein Kommandeur der prorussischen Separatisten am Mittwoch dem Nachrichtendienst der Aufständischen. Rettungskräfte bemühten sich derweil, die nahe gelegenen Mine Skotschinski zu evakuieren. Dort waren nach einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA 350 Bergleute eingeschlossen. Formell herrscht im Osten der Ukraine ein Waffenstillstand. Es kommt jedoch immer wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

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dpa

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