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30.06.2015

23:32 Uhr

Ukraine

Kiew kauft kein Gas mehr in Russland

Seit mehr als einem Jahr streiten Russland und die Ukraine über Zahlungen für Erdgaskäufe. Nun scheitern Verhandlungen - und die Ukraine zieht Konsequenzen. Davon sollen andere europäische Kunden unberührt bleiben.

Ukrainische Arbeiter bei der Reparatur einer von Beschuss beschädigten Gas-Pipeline in der Region Donezk. AFP

Gas-Pipeline in der Ukraine

Ukrainische Arbeiter bei der Reparatur einer von Beschuss beschädigten Gas-Pipeline in der Region Donezk.

Kiew/WienDie Ukraine hat am Dienstag die Aussetzung sämtlicher Erdgaskäufe in Russland mit sofortiger Wirkung angekündigt. Damit reagierte Kiew auf das Scheitern der Preisverhandlungen am selben Tag in Wien, von denen sich die ukrainische Regierung eine Fortsetzung der Gaslieferungen für die kommenden drei bis sechs Monate erhofft hatte. Das ukrainische Unternehmen Naftogaz erklärte unterdessen, dass es das russische Erdgas weiterhin durch die Ukraine an europäische Kunden leiten werde.

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Die ukrainische Seite habe den von Russland angebotenen Rabatt für das kommende Quartal als zu niedrig abgelehnt, erklärte Russlands Energieminister Alexander Nowak nach den Gesprächen in Wien. „Die Parteien sind weiter weit voneinander entfernt“, erklärte der als Vermittler fungierende EU-Kommissar Maros Sefcovic. Er werde nun mit neuen Ideen weitere Gespräche vorbereiten.

Bei den Verhandlungen geht es um eine langfristige Lösung für den Gasstreit zwischen Kiew und Moskau. Die Regierung der Ukraine fordert einen neuen Gasvertrag mit niedrigen Preisen. Russland lehnt dies ab und verweist auf ein noch bis 2019 laufendes Abkommen.

Russland hatte nach dem Amtsantritt der prowestlichen Regierung in Kiew Anfang 2014 den Gaspreis für die Ukraine erhöht. Im Juni unterbrach Gazprom dann die Lieferungen in das Nachbarland und rief den internationalen Schiedshof in Stockholm an, da sich die Ukraine weigerte, Schulden aus Gasgeschäften zu bezahlen.

Die Lieferungen wurden erst nach der Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens zwischen beiden Ländern Ende des Jahres wieder aufgenommen. Das Abkommen hatte eine Laufzeit bis zum 30. Juni. Mit einem Urteil aus Stockholm in dieser Angelegenheit wird nicht vor Ende 2016 gerechnet.

Gazprom bezifferte die ukrainischen Gasschulden kürzlich auf insgesamt 29,5 Milliarden Dollar. Der Gasstreit zwischen den beiden Staaten hatte in der Vergangenheit mehrfach Lieferunterbrechungen Richtung Westeuropa zur Folge. Die Ukraine ist als Transitland für russisches Erdgas für die Europäische Union wichtig.

Kommentare (15)

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Herr Peter Spiegel

01.07.2015, 07:33 Uhr

29,5 Milliarden Dollar"
Ein Fall für die EU-Peanuts-Kasse.

Herr Holger Narrog

01.07.2015, 07:43 Uhr

Der Winter ist in der Ukraine kälter als in D. Die eigene Förderung deckt den Verbrauch gem. meiner Kenntnis nicht. Es stellt sich mir dann die Frage womit die Ukrainer kommenden Winter zu heizen gedenken.

Herr Thomas Melber

01.07.2015, 08:05 Uhr

"Kauf" ist doch ein Tausch Ware gegen Geld. Rußland hat die Ware (Gas), aber hat die Ukraine Geld? Und wenn ja: von wem?

In Deutschland wird Familien bei Zahlungsrückständen Strom und Gas abgesperrt, wenn wir dann für die Ukraine zahlen kommt unsere Regierung in ziemliche Erklärungsnot, warum ihr das eigene Volk im Vergleich zum Ausland so wenig bedeutet.

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