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18.07.2014

16:08 Uhr

Ukraine-Konflikt

Der Wendepunkt

VonHelmut Steuer

Der Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 und der Tod der 298 Insassen markiert eine Wende im Ukraine-Konflikt. Es gibt Zeichen für eine friedliche Annäherung – aber auch die Gefahr einer Eskalation.

dpa

DnipropetrowskRauch, Feuer, Asche. Beißender Geruch und überall Leichenteile. Zwischen den Sonnenblumenfeldern bei Hrabowe unweit der Grenze zu Russland bietet sich ein Bild des Grauens, als ukrainische Helfer am Freitagmorgen den Absturzort der Malaysia Airlines MH17 erreichen. Mittlerweile sind mehr als 15 Stunden vergangen. Das ukrainische Fernsehen berichtet nahezu ununterbrochen von der Katastrophe, die der niederländische Regierungschef Mark Rutte bereits am Donnerstag als "das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte unseres Landes" bezeichnet hatte.

298 Menschen, unter ihnen über 170 Niederländer und vier Deutsche, kamen ums Leben, als die Boeing 777 der malaysischen Fluggesellschaft Malaysia Airlines vermutlich von einer Boden-Luft-Rakete über der seit Monaten umkämpften Ostukraine abgeschossen wurde. Einen Tag nach der Katastrophe und viele Stunden mit gegenseitigen Schuldzuweisungen später haben Kiew, Moskau und auch die von Russland unterstützten Separatisten erste Signale einer rationalen Aufarbeitung der MH17-Katastrophe gesendet. Ein Vertreter der prorussischen Rebellen, die das Gebiet um den Absturzort kontrolliert, hat eine dreitägige Waffenpause angekündigt, damit Rettungseinheiten zu den über ein rund zehn Quadratkilometer großes Gebiet verteilten  Wrackteile vorstoßen können. Auch wollen sie OSZE-Experten den Zugang zur Absturzstelle ermöglichen. Außerdem konnten in den Morgenstunden erstmals auch ukrainische Hilfskräfte bis zum Flugzeugwrack vorstoßen.

Abschüsse von Passagierflugzeugen

Seit dem zweiten Weltkrieg

In der Geschichte der zivilen Luftfahrt sind seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Abschüsse von Passagierflugzeugen bekannt geworden. Zu ihnen gehören:

21. Februar 1973

Am 21. Februar 1973 wird über dem Sinai ein libyscher Passagierjet von einem israelischen Kampfflugzeug abgeschossen. Dabei kommen 108 der 113 Insassen der Boeing 727 des Flugs 114 ums Leben.

1. September 1983

Am 1. September 1983 wird ein Jumbo-Jet der Korean Airlines wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfflugzeug über internationalen Gewässern westlich der Insel Sachalin abgeschossen. Alle 269 Menschen an Bord von Flug KAL 007 kommen ums Leben.

3. Juli 1988

Am 3. Juli 1988 wird eine iranische Linienmaschine auf einem Kurzstreckenflug nach Dubai über dem Persischen Golf vom US-Kriegsschiff USS Vincennes mit einer Rakete abgeschossen. Alle 290 Menschen an Bord der Maschine des Flugs 655 kommen ums Leben.

4. Oktober 2001

Am 4. Oktober 2001 wird eine Tupolew Tu-154 der russischen Fluggesellschaft Sibir auf dem Weg von Tel Aviv nach Nowosibirsk in der Nähe von Sotschi von einer Flugabwehrrakete getroffen. Untersuchungen ergeben, dass die Maschine von einer ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen worden war, die sich bei einem Übungsschießen auf der Krim selbstständig gemacht hatte. Alle 78 Insassen des Flugzeugs sterben.

"Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte ein sichtlich angeschlagener ukrainischer Helfer im Fernsehen. Er war den Tränen nahe als er von Leichenteilen berichtete, die er und seine Mithelfer inmitten der blühenden Sonnenblumenfelder gefunden hatten. "Es waren viele Kinder an Bord", schluchzste der gestandene Mittvierziger. Kleine, fast unversehrte Bilderbücher in einem Meer von verkohlten Wrackteilen bestätigen seine Befürchtung.

Während die Bergungs- und Aufklärungsarbeiten am Absturzort in Gang gekommen sind, wird nicht nur in der Ukraine an diesem Freitag über die Konsequenzen der MH17-Katastrophe diskutiert. Denn es scheint sich immer mehr abzuzeichnen, dass der Passagierjet von einer Boden-Luft-Rakete aus mehr als 10 000 Meter Höhe auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen worden ist. Wer allerdings den tragischen Befehl dafür gab, ist weiterhin unklar.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Absturzes der malayischen Passagiermaschine, erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, es sei „weder ein Unfall, noch eine Katastrophe, es ist eine Terrorattacke“. Auch der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk sagte noch am Abend, dass man nicht ausschließen könne, „dass die Maschine abgeschossen worden ist“.

Kommentare (20)

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Herr Andre Steinert

18.07.2014, 16:22 Uhr

es ist schon entstaunlich was da passiert ist. Der Flugzeug wird in 10km Höhe mit einer Rakete abgeschossen und neben allen Wrackteilen, die aus irgendeinem Grund alle zusammen liegen, findet man zwar keine Überlebenden, aber dafür alles Personalausweise.

Und jetzt sagt noch der Supergeheimdienst aller Zeiten, dass es der böse Russe ist. Man sollte sich doch fragen wem das alles vom Nutzen ist, den Rebellen oder der USA, die ständig die halbe Welt mit Saktionen bedroht und jetzt wegen Syrien auf Russland böse ist. Russland hat die Bombardierung Syriens gestopt, mit BRICS eine alternative Bank zu IWF gegründet und daran wird es auch liegen, warum die Amis so böse auf Russland sind. Die BRICS-Länder wollen den Dollar hinschicken, wo er auch hingehört = ins Klo, als Toilettenpapier.

Herr Mmnews De

18.07.2014, 16:34 Uhr

Malaysian-Airlines-Absturz MH 17: Ist das Sarajevo 2.0?

Vor 100 Jahren löste das Attentat von Sarajevo den Ersten Weltkrieg aus.
Auch damals standen die Schuldigen gleich fest: Die Serben und ihre nationalistischen Untergrundorganisationen. Und nun, 100 Jahre später, stehen die Schuldigen auch schon wieder fest: Die Russen oder die prorussischen Separatisten in der Ukraine. Sie sollen für den Absturz von Flug MH 17 der Malaysian Airlines am 17. Juli 2014 verantwortlich sein.

Die Chancen für eine Aufklärung des angeblichen Crashs stehen schlecht, denn die Absturzstelle befindet sich de facto auf NATO-Gebiet.

Schuldspruch ohne Beweise!

Nur für unsere NATO-Medien ist klar, obwohl noch nicht einmal feststeht, was eigentlich passiert ist, dass Flug MH 17 der Malaysian Airlines abgeschossen wurde. Außerdem wollen sie den Typ der Rakete kennen und denjenigen, der sie abgeschossen haben soll: entweder Russland oder die prorussischen Separatisten der Ukraine.

Schon die sofortige Behauptung, das Flugzeug sei abgeschossen worden, erinnert an die schnellen Schuldzuweisungen nach dem 11.9.2001. Obwohl auch damals noch gar keine kriminalistische Untersuchung stattgefunden haben konnte, stand auch seinerzeit sofort fest, dass islamistische Terroristen für die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich gewesen sein sollen.

Die "Beweise" oder Hinweise stellen wie immer die USA zur Verfügung: "USA haben Hinweise auf gezielten Abschuss der Boeing", titeln NATO-Medien wie Spiegel Online. Und natürlich: "Erste Spuren führen zu den Separatisten". Wieder einmal können wir live miterleben, wie Spuren in die gewünschte Richtung gelegt und die Weichen auf Krieg gestellt werden. Die USA sind keine glaubwürdige Quelle, weil sie selbst Bürgerkriegspartei in der Ukraine sind.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/gerhard-wisnewski/malaysian-airlines-absturz-mh-17-ist-dassarajevo-2-.html;jsessionid=F4ED1A94B190B29343283889943C099B

Herr Peter Aue

18.07.2014, 16:34 Uhr

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