Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2016

12:02 Uhr

Ukraine-Konflikt

Die Kriegsgefangenen auf der Krim

Das Minsker Abkommen hatte die Sache geregelt – eigentlich. Alle Kriegsgefangenen des Ukraine-Konflikts sollten freigelassen werden. Noch immer werden auf beiden Seiten Menschen festgehalten – und als Faustpfand genutzt.

Im Südosten der Ukraine sterben immer mehr Menschen bei Kämpfen regierungstreuer Soldaten mit prorussischen Kräften. In Slawjansk, dem Zentrum des Widerstandes gegen die Regierung in Kiew, leiden die Bürger besonders. dpa

Der Südosten hofft auf Frieden

Im Südosten der Ukraine sterben immer mehr Menschen bei Kämpfen regierungstreuer Soldaten mit prorussischen Kräften. In Slawjansk, dem Zentrum des Widerstandes gegen die Regierung in Kiew, leiden die Bürger besonders.

KiewDrei Tage nachdem der ukrainische Soldat Oleksandr Lasarenko im Osten des Landes in Kriegsgefangenschaft geraten war, wurde das Friedensabkommen von Minsk unterzeichnet. Darin stimmten die Konfliktparteien einem Austausch jeweils aller Gefangenen zu. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen, und Lasarenkos Frau wartet noch immer auf seine Rückkehr.

Die Umsetzung des Minsker Abkommens, das die Gefechte zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Truppen beenden sollte, ist in vielen Bereichen ins Stocken geraten. Doch der Gefangenenaustausch scheint zu den heikelsten Themen zu zählen. Amnesty International und Human Rights Watch werfen beiden Seiten vor, willkürlich Zivilisten gefangen genommen zu haben. Teilweise würden diese monatelang in Gefängnissen isoliert, deren Existenz die Behörden nicht einmal einräumten.

Beide Seiten machen weit unterschiedliche Angaben über die Zahl ihrer Gefangenen. Sie scheinen die Frage nutzen zu wollen, um vom Gegner Zugeständnisse in anderen Bereichen zu erzwingen. „Unsere Erwartungen sind von den Plänen der Politiker durchkreuzt worden“, sagt Lasarenkos Frau Natalja der Nachrichtenagentur AP. „Nach Minsk wurden die Gefangenen zu einem Instrument des politischen Schacherns, sie werden als politische Handelsware gesehen.“

Gefechte im Donbass eskalieren: Die Ukraine steht wieder vor dem Krieg

Gefechte im Donbass eskalieren

Die Ukraine steht wieder vor dem Krieg

Trotz des offiziellen Waffenstillstandes zwischen der Ukraine und den Rebellen der Donezker Volksrepublik eskalieren die Gefechte im Donbass. Die Menschen haben das Vertrauen in beide Seiten fast völlig verloren.

Doch selbst dieses Gefühl der Frustration ist fast schon ein Fortschritt: Drei Monate lang wusste die Frau nicht einmal, ob ihr Mann noch lebte. Lasarenko wurde von einer Kosaken-Formation gefangen genommen, die nicht unter der Kontrolle der Separatisten stand. Schließlich wurden er und zwölf weitere Personen vom Komitee für Kriegsgefangene der Separatistenregierung gefunden und in eine Haftanstalt in der ostukrainischen Stadt Donezk gebracht, der Hochburg der Separatisten.

Als Lasarenko endlich seine Frau anrufen durfte, sagte er ihr, die Kosaken hätten ihn in einem fensterlosen Kellerraum festgehalten. Er konnte sich darin lediglich auf Kartoffelsäcke legen. Er und die anderen Gefangenen seien geschlagen worden. Sie hätten sich von Essensresten ernähren müssen, erzählte er ihr. „Sascha hat einfach aufgehört zu existieren“, sagt seine Frau.

Zwar ist die Zahl der Gefangenen strittig, doch ist klar, dass das Tempo der Freilassung gefangener Ukrainer sich deutlich verlangsamt hat. Seit der Unterzeichnung des Minsker Abkommens im Februar 2015 kamen insgesamt 83 Ukrainer frei, doch nur zwölf davon in diesem Jahr. Und vor dem Abkommen wurden deutlich mehr Gefangene übergeben. Juri Tandyt, ein Berater des nationalen Sicherheitsdienstes, sagte ukrainischen Medien im August, seit Beginn der Kämpfe im April 2014 seien insgesamt 3080 ukrainische Gefangene ausfindig gemacht oder von den Separatisten freigelassen worden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×