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12.02.2015

14:34 Uhr

Ukraine-Konflikt in Daten

Wie die Krise eskalierte

VonLaura Waßermann

Noch kein Frieden, aber vielleicht ein erster Schritt: Der Minsker Gipfel könnte den Ukraine-Konflikt entspannen. Wissen Sie noch, wie er überhaupt eskalierte? Handelsblatt Online zeichnet den Weg in die Krise nach.

Skepsis nach Ukraine-Gipfel

Merkels Presseerklärung: "Mache mir keine Illusionen"

Skepsis nach Ukraine-Gipfel: Merkels Presseerklärung: "Mache mir keine Illusionen"

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Kiew/Moskau/DüsseldorfDie Ukraine-Krise gipfelt in Minsk: Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ringen mit Kremlchef Wladimir Putin um ein Ende des Blutvergießens und einen Fahrplan zum Frieden. Der Weg bis dahin war lang. Doch wie genau hat der Konflikt mit bisher mehr als 5300 Toten – Sicherheitskreise vermuten sogar bis zu 50.000 Tote – angefangen? Und wie war das noch mal mit der Maidan-Revolution und der Entmachtung des damaligen ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch? Eine Chronologie des neuen Ost-West-Konflikts – von der ukrainischen Regierungskrise bis zum Krieg.

21. November 2013
Weil Wiktor Janukowitsch, Ukraines Ex-Präsident das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union ablehnte, kamen tausende Ukrainer auf dem Maidan in Kiew zu Proteste zusammen, die im späteren Verlauf der Krise Maidan-Revolution genannt werden. Vor allem junge Menschen wollten die Entscheidung Janukowitschs nicht hinnehmen. Sie demonstrierten für eine freie, westliche Ukraine.

22. Februar 2014
Nach monatelangen Aufständen in Kiew und dem Rest der Ukraine wurde Janukowitsch gestürzt. Die Regierung bildete sich zunächst um den bis heute amtierenden Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk.

27. Februar 2014
Moskau stürmt die Krim, in der Lesart des Westens der Beginn der Annexion der Halbinsel. Pro-russische Milizen besetzten innerhalb kürzester Zeit wichtige Teile der Krim. Russen in Uniform übernahmen die Verwaltung des Flughafens und anderer nationaler Behörden.

Friedensgipfel Minsk 2 erfolgreich

Putins Presseerklärung: "Waffenruhe in der Ostukraine"

Friedensgipfel Minsk 2 erfolgreich: Putins Presseerklärung: "Waffenruhe in der Ostukraine"

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16. März 2014

Das Referendum der Krim fiel deutlich aus: 95 Prozent stimmten für eine Anbindung an Russland. Viele Krim-Bewohner hätten sich nach eigenen Angaben schon immer russisch gefühlt. Sie wollten die Abspaltung von der Ukraine. Putin gilt auf der einen Seite als Interessenvertreter seines Landes, auf der anderen Seite als die Inkarnation des Bösen. Die Halbinsel ist für Putin nicht nur von symbolischer Natur, sie ist ihm auch aus anderen Gründen wichtig: Vor der Halbinsel liegen bisher noch nicht erschlossene Quellen von Öl und Gas. Ab 2017 sollen jährlich rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden.

Ukraine-Krise: Gewalt in Ostukraine eskaliert vor Minsker Gipfel

Ukraine-Krise

Gewalt in Ostukraine eskaliert vor Minsker Gipfel

Einen Tag vor dem Gipfel in Minsk steigt die Gewalt in der Ukraine erneut. Kiew startete im Süden eine Offensive gegen die Separatisten. Das militärische Hauptquartier der Regierungstruppen geriet unter Raketenbeschuss.

17. März 2014
Die erste Reaktion seitens der USA und der EU: Die Regierungen verhängen Einreiseverbote und lassen Konten von Putin-nahen Oligarchen sperren. Mit einer Reihe von härteren Sanktionen wollen Angela Merkel und Co. Putin zur Raison bringen.

Die „Krise“ spitzt sich zu

6. April 2014
Die Krise erreicht die Ostukraine. Pro-russische Separatisten besetzen Verwaltungsgebäude. Russland fordert, dass die Ostukraine eine „unabhängige Volksrepublik“ wird. Militärische Auseinandersetzungen sind zu diesen Zeitpunkt nicht abzusehen, zumindest keine dramatischen.

13. April 2014
Kiew schlägt zurück. Die Regierung um Jazenjuk startet einen „Anti-Terror-Einsatz“ und schickt militärische Truppen in Richtung Osten. Es sterben zehn Menschen ins Slawajansk.

13. Mai 2014
Ein neuer Präsident, eine neue Hoffnung? Drei Monate nach Sturz Janukowitschs gewinnt Petro Poroschenko die Präsidentschaftswahl. Der pro-europäische Politiker soll die Ukraine wieder auf Kurs bringen und eine Lösung mit Russland finden. Westliche Politiker, wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei „einigermaßen zufrieden“ mit dem Wahlergebnis. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach Poroschenko sofort Unterstützung bei Reformen des Sicherheitssektors zu. Die 28 Nato-Staaten, zu denen die Ukraine nicht gehört, seien „entschlossen in ihrer Unterstützung der Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Ukraine“ gewesen.

Die OSZE-Beschlüsse zur Ostukraine

1. Beschluss

Die unverzügliche beiderseitige Unterbrechung der Anwendung von Waffengewalt zu gewährleisten.

2. Beschluss

Das Monitoring und die Überprüfung der Waffenruhe durch die OSZE zu gewährleisten.

3. Beschluss

Die Dezentralisierung der Macht in der Ukraine zu verwirklichen, darunter durch die Annahme des Gesetzes „Über die vorübergehende Ordnung der lokalen Selbstverwaltung in den gesonderten Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete“ (Gesetz über den Sonderstatus).

4. Beschluss

Das ständige Monitoring an der russisch-ukrainischen Staatsgrenze und die Überprüfung seitens der OSZE zu gewährleisten, mit der Bildung einer Sicherheitszone in den Grenzkreisen der Ukraine und der Russischen Föderation.

5. Beschluss

Sofort alle Geiseln und ungesetzlich festgehaltenen Personen zu befreien.

6. Beschluss

Das Gesetz über die Nichtzulassung der Verfolgung und der Bestrafung von Personen in Zusammenhang mit den Ereignissen zu übernehmen, die in einzelnen Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete der Ukraine geschehen sind.

7. Beschluss

Den inklusiven nationalen Dialog fortsetzen.

8. Beschluss

Maßnahmen zur Verbesserung der humanitären Situation im Donbass zu ergreifen.

9. Beschluss

Die Durchführung vorgezogener Kommunalwahlen zu gewährleisten, entsprechend dem ukrainischen Gesetz „Über die vorübergehende Ordnung der lokalen Selbstverwaltung in den gesonderten Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete“ (Gesetz über den Sonderstatus).

10. Beschluss

Die ungesetzlichen bewaffneten Formationen, die Militärtechnik sowie die Freischärler und Söldner aus der Ukraine herauszuführen.

11. Beschluss

Ein Programm des wirtschaftlichen Wiederaufbaus des Donbass und der Wiederherstellung der Lebensfunktionen der Region zu beschließen.

12. Beschluss

Die Garantie der persönlichen Sicherheit der Teilnehmer der Konsultationen zu gewähren.

Erste Eskalationen

17. Juli 2014
Versehentlicher“ Abschuss von MH17 – einer Maschine der Fluglinie Malaysia Airlines, bei dem 298 Menschen starben. Das Flugzeug flog über Feindgebiet, wie Rakete in die Luft jagte, konnte bis heute nicht endgültig geklärt werden. Eine detaillierte Reproduktion der Ereignisse sehen Sie in dem Multimedia-Special von „Spiegel Online“.

19. Juli 2014
Unter den Toten, die im Flugzeug gesessen haben, waren knapp 200 Holländer. Ein pietätloser Umgang mit den Leichen war die Folge: Tagelang bewachten pro-russische Rebellen das Absturzfeld, weshalb weder die holländische noch die ukrainische Regierung die Körper der Verstorbenen hätten bergen können, Soldaten liefen über die toten Körper. Damit wurde der Ruf des Westens nach Sanktionen für Putin und Russland lauter. Ein Kommentar des holländischen Schriftstellers Leon de Winter.

7. August 2014
Zunächst aber handelte Putin selbst. Mit Importverboten von westlichen Lebensmitteln trifft er auch die deutsche Landwirtschaft hart, wie sich zeigen sollte. Bauern, Ökonomen und Experten fragten sich: Wohin mit den Pfirsichen?

22. August 2014
Die russische Invasion, wie Poroschenko die Hilfskonvois für die Ostukraine nannte, geht weiter. Putin schickte ohne Genehmigung zwölf Lastwagen mit Hilfsgütern ins Nachbarland.

5. September 2014
Minsk: Ein wichtiger Schritt hinein in der Krise. Dem (ersten) Minsker Abkommen sollte einen Waffenstillstand folgen, der jedoch immer wieder gebrochen wurde. Das Protokoll beinhaltete mehrere Punkte, unter anderem die Kontrolle der Vereinbarungen durch OSZE-Beobachter und die Freilassung aller Geiseln. Viele der Abmachungen wurden eingehalten.

16. September 2014
Sonderstatus Osten: Die ukrainische Regierung erkennt der Ostukraine mehr Selbstständigkeit zu.

Minsker Abkommen

20. September 2014
Minsk, die Zweite: Dem Friedensabkommen wird ergänzt, eine Pufferzone soll an der Frontlinie geschaffen werden.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

12.02.2015, 14:49 Uhr

Die Poltiik hat mit Hilfe der Medien diesen Putsch in der Ukraine betrieben. Und die Politik zusammen mit den Medien wird weiterhin dafür sorgen, dass dieser Ukraine Konflikt ein Konflikt bleibt. Politik und Medien leben von Krieg und Konflikten besser als von Friedenszeiten. War schon immer so.

Account gelöscht!

12.02.2015, 14:51 Uhr

Daß Janukowitsch am 22. Februar 2014 gestürzt wurde, schreiben Sie mit Recht. Sie vergaßen aber dabei zu erwähnen, daß niemand anders als die USA selbst diesen Sturz einer demokratisch gewählten Regierung organisiert haben.

Siehe Obamas eigene Erläuterung dazu:

http://cnnpressroom.blogs.cnn.com/2015/02/01/pres-obama-on-fareed-zakaria-gps-cnn-exclusive/

"Das eben ist der Fluch der bösen Tat", läßt Schiller Octavio in seinem "Die Picolomini" (V,1) sagen, "daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären."

Die böse Tat der USA, daß sie einen demokratischen Staatchef gestürzt hat, war der Anfang von allen bösen Taten, die dann folgten.

Und man täusche sich nicht. Es ist keineswegs sicher, daß die USA es zulassen werden, daß die Europäier ohne sie einen Weg zu finden versuchen, aus diesem scheinbar unentrinnbaren Teufelskreis der bösen Taten, die immerzu aufeinander folgen, auszubrechen, wie sie es jetzt in Minsk versucht haben.

Herr Herbert Maier

12.02.2015, 15:22 Uhr

Eine interessante Zusammenstellung! Ich denke, die Krim hat nicht nur wirtschaftliche, sondern vor allem auch eine strategische Bedeutung, und Putin wollte vermeiden, dass er dort eine NATO Basis vor die Nase gesetzt bekommt. Zu den Vorkommnissen auf dem Maidan ist das abgehörte Telefonat des estnischen Außenministers Paet mit der EU-Außenbeauftragten interessant.

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