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30.04.2014

06:56 Uhr

Ukraine-Konflikt

Kerry fordert weitere Isolation Russlands

Der US-Außenminister wirft Putin eine „Forcierung“ des Ukraine-Konflikts vor. Europa fordert er dazu auf, Russland zu isolieren. Dafür müssten die EU-Staaten ihre Abhängigkeit von russischen Rohstoffen reduzieren.

US-Außenminister John Kerry vor dem Atlantic Council in Washington. dpa

US-Außenminister John Kerry vor dem Atlantic Council in Washington.

WashingtonUS-Außenminister John Kerry hat Moskau wegen seines Vorgehens im Ukraine-Konflikt erneut scharf attackiert. Statt sich an den Genfer Friedensplan zur Entspannung der Lage zu halten, forciere Russland die Krise, sagte Kerry am Dienstag in einer Rede bei der Denkfabrik Atlantic Council in Washington.

Zudem rief er Europa auf, Russland weiter zu isolieren. Eine der besten Strategien wäre ein Ende der Abhängigkeit von russischen Rohstoffen. So müsse Europa seine Infrastruktur für den Transport von Öl und Gas ausweiten sowie seine Energiespeicherkapazitäten erhöhen. Wie das zu bewerkstelligen sein könnte, sagte Kerry allerdings nicht.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

Kremltreue Separatisten fordern im Osten der Ukraine seit Wochen größere Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Kiew oder den Anschluss an Russland nach dem Vorbild der Krim. Befürchtet wird, dass Moskau die angespannte Lage als Vorwand für eine Invasion nutzen könnte. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sicherte dem Pentagon zuletzt jedoch militärisch Zurückhaltung zu. Ein Einmarsch in die Ukraine sei nicht geplant.

Die EU und die USA vermuten Moskau als Drahtzieher des prorussischen Aufstands in der Ostukraine und belegten Vertraute von Präsident Wladimir Putin deshalb mit einer zweiten Sanktionsrunde.

Von

ap

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 08:04 Uhr

Herr Kerry, kehren Sie erst mal vor der eigenen Tür. Schicken Sie Herrn Bush sen. und jun. nach Denhaag und alle Mitschuldigen für die Irak-Kriege. Warum dürfen Massenmörder frei rumlaufen, nur weil sie einen amerikanischen Pass haben? Schickt den Dalia Lama als schlichter aber nicht die Nato, die zuviel eigenes Unrecht aufzuarbeiten hat.

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30.04.2014, 08:11 Uhr

Drahtzieher: ein dehnbarer wie weiter interpretierbarerer Begriff als Kerry vlt lieb sein könnte.

Daher steht kaum anzunehmen, dass Kerry den Begriff Drahtzieher selbst verwendet haben dürfte.

Account gelöscht!

30.04.2014, 08:11 Uhr

Rußland hat nicht das geringste Interesse an einer Eskalation der Lage in der Ukraine, da dies seinen Handel mit Europa gefährdet. Kerry Behauptung ist nicht nur frech, sondern auch geradezu dumm. Die Fakten 180° zu verdrehen, ist einfach nur lächerlich. Wir alle wissen welche Nation diese Konflikt schürt, wie auch Dutzende andere weltweit in den letzten Jahren.

Mit der Frage „wer profitiert?“ stößt der denkende Leser schnell auf die Amerikaner. Was wollen diese?

a) die politische und wirtschaftliche Spaltung Europas in zwei Teile: den EU-Teil und Rußland. Die Integration der Ukraine in EU/NATO ist dabei zweitrangig - es geht um die Isolation Rußlands und Desintegration eines eurasischen Wirtschaftsraumes, den die Amis nicht kontrollieren können. Dies folgt der uralten angloamerikanischen Hearthland-Theorie und die Strategie, die hier verfolgt wird, ist ganz primitiv das bekannte "Teile und Herrsche" bzw. die britische Version davon, "Balance of Power" in (Kontinental)Europa. Die Amerikaner werden also alles tun, um die Russen zu provozieren und zu einer militärischen Aktion zu veranlassen. Die ganz offensichtliche Kriegshetze der US-gesteuerten deutschen und internationalen Presse spricht Bände.
Geradezu primitiv mutet es an, wenn Kerry offenbar ganz direkt von Europa fordert, (entgegen seinen eigenen vitalen Interessen) Rußland zu isolieren und sich handelspolitisch selbst ins Bein zu schießen. Deutlicher kann man seine üblen Absichten nicht bloßstellen! Danke auch!

b) Neben dieser Spaltung ist das zweite Interesse die Beherrschung Rest-Europas (den EU-Teil), was nach Kissinger am besten durch die Kontrolle des Öls (Energierohstoffe) zu erreichen ist. Hierzu wurde Europa durch den "arabischen Frühling" und die Finanzangriffe auf Griechenland und Zypern von den Gasfeldern des östlichen Mittelsmeers und Pipeline-Projekten (Syrien) abgeschnitten - das wird solange der Fall sein, bis die Geld- und Ölbarone sich diese Resourcen komplett unter den Nagel gerissen hab

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