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03.03.2014

13:48 Uhr

Ukraine-Konflikt

Machtfaktor Gas

VonDietmar Neuerer

ExklusivDurch die Ukraine verlaufen die Hauptpipelines für russisches Erdgas nach Europa. Experten warnen: Weitet sich die Krim-Krise zu einem Flächenbrand aus, könnte die Versorgungssicherheit Westeuropas gefährdet werden.

Pipeline: 70 Prozent aller Erdgaslieferungen von Russland nach Europa werden durch die Ukraine transportiert.

Pipeline: 70 Prozent aller Erdgaslieferungen von Russland nach Europa werden durch die Ukraine transportiert.

BerlinÖkonomen sehen die Energieversorgung Westeuropas gefährdet, sollte die Ukraine wegen der aktuellen Krise als Transitland für Erdgas ausfallen. 70 Prozent aller Erdgaslieferungen von Russland nach Europa würden durch die Ukraine transportiert, sagte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, Handelsblatt Online. „Sollte es zu längeren Lieferausfällen durch die Ukraine kommen, könnte in der Tat die Energieversorgungssicherheit mit Erdgas gefährdet werden“.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Wenn die Ukraine als Transitland ausfiele, könnte nur die Hälfte des Gases über andere Länder geliefert werden, was ein Risiko für die Energieversorgung Westeuropa darstellt“, sagte Krämer Handelsblatt Online.

Die Bundesregierung weist demgegenüber darauf hin, dass die Gasspeicher in Deutschland gut gefüllt seien. Es gebe keinen Anlass zur Sorge, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Kemfert ergänzte, dass es auch alternative Transportrouten durch Polen, durch die Ostseepipeline oder auch durch den Transport von Flüssiggas gebe. Zudem sei die Nachfrage nach Gas aufgrund des milden Winters gering. „Dennoch wird Gas als wichtige Energiequelle auch gerade in Deutschland benötigt“, betonte die DIW-Expertin. Umso wichtiger sei es daher, „das man verstärkt auf eine Diversifikation der Gaslieferungen setzt“, fügte die Energieexpertin hinzu.

Die wichtigsten Daten der Krise in der Ukraine – Teil 1

21. November 2013

Die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch kündigt an, ein nahezu unterschriftsreifes Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Union auf Eis zu legen. Stattdessen sucht die Staatsführung den Schulterschluss mit Russland.

30. November

Die Kiewer Polizei geht mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor. 35 Menschen werden festgenommen. Die Bilder von blutüberströmten Menschen heizen die Wut auf die Regierung an. Am 1. Dezember gehen rund 300.000 Menschen auf die Straßen. Es ist die größte Demonstration seit der Orangenen Revolution 2004.

17. Dezember

Russlands Präsident Wladimir Putin kündigt den Kauf von ukrainischen Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Dollar an und bietet Kiew überdies einen Preisnachlass für russisches Gas. Sowohl Putin als auch Janukowitsch beteuern, dass keine Bedingungen an das Angebot geknüpft seien. Zuvor hatte Russland die Ukraine umworben, einer von Moskau geführten Zollunion beizutreten.

16. Januar 2014

Das Demonstrationsrecht wird verschärft.

22. Januar

Mindestens drei Demonstranten sterben bei Zusammenstößen mit der Polizei. Zwei von ihnen werden erschossen, einer stirbt nach einem Sturz.

25. Januar

Die Opposition lehnt eine von Janukowitsch angebotene Regierungsbeteiligung ab. Am Folgetag weiten sich die Proteste in den Regionen aus.

28. Januar 2014

Opposition und Regierung einigen sich auf die Abschaffung der umstrittenen repressiven Gesetze vom 16. Januar und auf eine Amnestie für Demonstranten. 361 von insgesamt 412 registrierten Abgeordneten stimmten dafür. Außerdem reicht Regierungschef Nikolai Asarow seinen Rücktritt ein. Laut Artikel 115 der ukrainischen Verfassung zieht die Demission des Ministerpräsidenten den Rücktritt der gesamten Regierung in Kiew nach sich.

2. Februar

Mehr als 60.000 Menschen protestieren in Kiew. Die Opposition fordert eine internationale Vermittlung in dem Konflikt sowie westliche Finanzhilfen.

3. Februar

Der Westen prüft wirtschaftliche Hilfen für die Ukraine, knüpft diese aber an Reformen.

4. Februar

Die ukrainische Opposition fordert von Janukowitsch ein „Ende der Diktatur“.

5.-6. Februar

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und die US-Europabeauftragte Victoria Nuland sind zu Vermittlungsbemühungen in Kiew.

7. Februar

Janukowitsch trifft sich am Rande der Olympischen Spiele in Sotschi mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Die Massenproteste in Kiew dauern an.

14. Februar

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass alle 234 seit Dezember festgenommenen Demonstranten wieder frei sind.

16. Februar

Erneut versammeln sich Zehntausende zu Protesten auf dem Maidan. Die Opposition räumt nach wochenlanger Besetzung das Rathaus in Kiew und Verwaltungsgebäude in mehreren Provinzen.

17. Februar

Moskau kündigt an, noch in dieser Woche zwei Milliarden Dollar aus dem Hilfspaket an die Ukraine zu überweisen, nachdem es die Zahlungen nach Asarows Rücktritt eingestellt hatte.

18. Februar

Die Gewalt eskaliert erneut, es kommt zu tödlichen Zusammenstößen in Kiew. Die Regierung setzt den Demonstranten ein Ultimatum, bis zum frühen Abend ihre Proteste zu beenden. Die Oppositionellen besetzen erneut das Rathaus. Am Abend beginnen Sicherheitskräfte mit der gewaltsamen Räumung des Maidan.

19. Februar

Das Gesundheitsministerium in Kiew spricht von 25 Toten bei den jüngsten Zusammenstößen. Die EU erwägt Sanktionen gegen die Führung in Kiew.

Es gebe ein Überangebot an Gas auf den internationalen Märkten, gab Kemfert zu bedenken. „Wenn Deutschland die Möglichkeit besäße, auch Flüssiggas nach Deutschland transportieren zu können, wäre die Versorgungssicherheit weniger stark gefährdet“, sagte die Energieökonomin. „Dazu müsste endlich ein Flüssiggasterminal gebaut werden.“

Dessen ungeachtet wies Kemfert darauf hin, dass die Abhängigkeit von russischem Gas in den vergangen Jahren zurückgegangen sei. Im Jahr 2006 habe Europa noch 41 Prozent seiner Gasimporte aus Russland bezogen, vier Jahre später seien es nur noch 32 Prozent gewesen. Dennoch, unterstrich die DIW-Expertin, sei Russland ein „wichtiger Energielieferant“, nicht nur für Gas, sondern auch für Öl und Steinkohle.

Kommentare (15)

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03.03.2014, 13:50 Uhr

Ohh und jetzt wacht Europa auf und sieht was für ein Müll gemacht wurde einfach blind der politischen Linie Amerikas zu folgen. Nach all den Kriegen die, die USA angezettelt haben, stehen wir Europäer immer noch auf dem Schlauch! Traurig! Jeder Krieg der Neuzeit geht um Energielieferungen und dem Bau von Pipelines. Afgahnistan-Krieg verhinderte den Bau einer Pipeline von Iran nach China. Syrien und Irak verhindern den Bau einer Ölpipeline nach Europa Selbst Georgien ist ein strategischer Punkt bezüglich Pipeline. Dazu die Kriege in Nrdafrika, die ebenfalls Versorgungsstrategisch sind. Außerdem mischt der Army auch bei der Versorgung von Lateinamerika mit, siehe Venezuela aktuell. Die USA will die Energieversorgungen kontrollieren. Leider ohne Chane den Eurasien ist ein Kontinent und Russland liegt direkt bei China. Nordkorea wäre dabei Interessant für die USA, da Sie dadurch wenigstens auf dem Fleckchen Erde mehr Einfluß hätten. Millionen Tote auf dem Konto der Kriegstreiber USA nur wegen Machtspiel der Energieversorgung. Wiederlich

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03.03.2014, 13:59 Uhr

Putin "spielt" Schach und ist seinem Gegener immer zwei, drei Züge voraus. Ein Remis wäre für den Westen (incl. Ukraine) die denkbar beste Spielentwicklung - ansonsten ist ein Matt unumgänglich.

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03.03.2014, 14:06 Uhr

Sicherheitshalber sollte man aber für einen Krieg die Kampfzeiten festlegen um die Bundeswehr nicht zu überfordern.

Mo - Fr 9 - 12 Uhr

Donnerstag zusätzlich 14 bis 16 Uhr

Was da Putin am Wochenende Veranstaltet hat ist frech.

Fast wie Krieg und keiner geht hin....ist ja auch keiner da :-)

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