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02.09.2014

03:48 Uhr

Ukraine-Konflikt

Nato stellt Hilfstruppe für Osteuropa zusammen

Überraschung im Ukraine-Konflikt: Die Rebellen rücken von Plänen einer vollen Unabhängigkeit ab. Putins Drohungen lassen die Nato aber über eine schnelle Eingreiftruppe nachdenken. Und Obama reist nach Ost-Mitteleuropa.

Heftige Kämpfe in Ukraine

Ukrainische Soldaten geben Flughafen von Lugansk auf

Heftige Kämpfe in Ukraine: Ukrainische Soldaten geben Flughafen von Lugansk auf

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MoskauDie prorussischen Rebellen in der Ostukraine haben Abstand von ihrer Forderung nach einer vollen Unabhängigkeit genommen. Sie respektierten die Souveränität der Ukraine, forderten aber mehr Autonomie für die mehrheitlich russischsprachige Region um die Städte Lugansk und Donezk, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti ein am Montag in Minsk zu Beginn einer neuen Verhandlungsrunde zum Ukraine-Konflikt vorgelegtes Positionspapier.

Nach Meinung von Experten deutet dies auf den Wunsch von Russlands Präsidenten Wladimir Putin hin, in dieser neuen Verhandlungsrunde eine Einigung zu erzielen. Sein Interesse dürfte es unter anderem sein, weitere Sanktionen des Westens zu vermeiden, hieß es. Die Gespräche sollen am Freitag weitergehen. Dabei soll es um einen Waffenstillstand sowie einen Austausch von Gefangenen gehen, wie Separatistenführer Andrej Purgin Ria Novosti sagte.

Obama reist nach Tallinn

US-Präsident Barack Obama an unterdessen angekündigt, an diesem Dienstag nach Ost-Mitteleuropa zu reisen. Unmittelbar vor dem Nato-Gipfel in Wales trifft er in der estnischen Hauptstadt Tallinn am Mittwoch die drei baltischen Präsidenten sowie Estlands Regierungschef Taavi Rõivas, um den Nato-Bündnispartnern die Unterstützung Amerikas zu garantieren. Lettland, Litauen und Estland, aber auch Polen und Rumänien fordern seit Beginn der russischen militärischen Einmischung in der Ukraine mehr Nato-Präsenz in ihren Staaten - aus Sorge um ihre eigenen Grenzen.

Anschließend fliegt Obama zum Nato-Gipfel nach Newport in Wales, wo ab Donnerstag die Ukraine-Krise ebenfalls ganz oben auf der Agenda steht. Dort wird die Schaffung einer „Speerspitze“ der bestehenden Schnellen Eingreiftruppe NRF beschlossen, wie Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ankündigte.

Die Nato will angesichts des Ukraine-Konflikts ihre Mitglieder in Osteuropa mit einer schnellen Eingreiftruppe vor möglichen Aggressionen seitens Russland schützen. Auf dem Nato-Gipfel solle die Bildung einer solchen, mehrere tausend Soldaten umfassenden Einheit beschlossen werden, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Montag in Brüssel.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Zudem soll in Osteuropa Waffenmaterial gelagert werden. Auch könnten Flughäfen und Häfen mit der Erlaubnis ausgestattet werden, von Nato-Kräften benutzt zu werden. Rasmussen betonte zugleich, die Nato wolle niemanden angreifen, sondern ihre Verbündeten schützen.

Zu den Anwesenden bei der jüngsten Verhandlungsrunde im Ukraine-Konflikt gehören der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma, Russlands Botschafter in der Ukraine, ein Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie Vertreter der Rebellen. Die Verhandlungen drehen sich nur um die Ostukraine, eine Rückgabe der von Russland im März annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim wird nicht diskutiert.

Kommentare (29)

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Herr Fred Meisenkaiser

02.09.2014, 07:48 Uhr

Die USA haben ständig irgendwelche Länder überfallen, dort geputscht. Wo gab es denn da Sanktionen? Israel annektiert wieder 400 Hektar fremdes Land, wo bleiben da Sanktionen?

Rußland hat auf der Krim Blutvergiessen vermieden, dem Wunsch der dortigen Bevölkerung entsprochen - das wird bestraft! Wie es der Westen wünscht sehen wir gerade in der Ostukraine.

Zum Thema Provokation: Gauck provoziert wohl nicht?

Sergio Puntila

02.09.2014, 07:54 Uhr

... "Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, appelliert an in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung an die Bundesregierung, die ukrainische Armee mit militärischer Ausrüstung zu beliefern. "...
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Wer A gesagt hat...

Nach dem gestrigen Friedensauftritt auf der Westerplatte dürfte das doch kein Problem sein.
Und morgen die ganze Welt, wie damals.



Frau Ulla F.

02.09.2014, 08:07 Uhr

Die Lage spitzt sich weiterhin zu. Putin wohl nicht (mehr) zu bremsen. Sieht alles nach einer verteufelten Situation aus, die Westeuropa mehr und mehr bedroht. 3. Weltkrieg? gut möglich. Provokationen an Putin sollte man tunlichst unterlassen.

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