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24.10.2014

23:30 Uhr

Ukraine-Konflikt

Putin sieht in den USA einen „Raffke“

Das Säbelrasseln geht weiter: Wladimir Putin sieht im „Vormachtstreben“ der USA eine Gefahr für den Frieden. Das Land würde immer mehr „Zentren des Bösen“ ausmachen. Washington weist die Vorwürfe zurück.

Die Aggression im Osten der Ukraine gehe von der Regierung in Kiew aus, kritisierte Wladimir Putin in seiner Rede. ap

Die Aggression im Osten der Ukraine gehe von der Regierung in Kiew aus, kritisierte Wladimir Putin in seiner Rede.

LauraKremlchef Wladimir Putin hat ein „Vormachtstreben“ der USA als Gefahr für den Weltfrieden kritisiert. Das „einseitige Diktat“ Washingtons führe zu einer Verschärfung von Konflikten und zur Entwicklung radikaler Regime, sagte Putin am Freitag bei einem Expertenforum in der Schwarzmeerstadt Sotschi. „Statt einer Lösung von Konflikten gibt es eine Eskalation, statt souveränen Staaten eine wachsende Sphäre des Chaos, statt Demokratie eine Unterstützung zweifelhafter Gruppen – von offenen Neonazis bis zu islamistischen Radikalen“, sagte Putin auf der im russischen Staatsfernsehen übertragenen Konferenz.

Die USA lässt nicht lange auf Antwort warten. Am Freitagabend (Ortszeit) weist Washington die scharfe Kritik von Kremlchef Wladimir Putin zurück: „Die Vereinigten Staaten suchen keine Konfrontation mit Russland“, sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki. Aber man werde nicht zurückweichen, wenn es „um die Prinzipien geht, auf denen die Sicherheit in Europa und in Nordamerika ruht“. Man werde an der Souveränität und an der territorialen Integrität der Ukraine festhalten.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Heute ist die Wahrscheinlichkeit einer ganzen Kette schwerer Konflikte stark gestiegen – samt einer wenn nicht direkten, dann doch indirekten Teilnahme von Großmächten“, sagte Putin. Die USA hätten als selbst ernannte Sieger des Kalten Krieges einen Führungsanspruch in der Welt. Putin verglich das Land mit einem „Raffke“, der sich immer mehr einverleiben wolle.

Als Beispiel für die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Landes nannte Putin die krisengeschüttelte Ukraine. Er warnte erneut vor Versuchen, den Konflikt im Osten des Landes mit militärischen Mitteln zu lösen. Russland habe Interesse an Stabilität in seinem Nachbarland. Der Staatschef betonte, sein Land werde sich nicht dem Druck von Sanktionen des Westen beugen.

Putin wies bei dem jährlich organisierten Waldai-Diskussionsforum Befürchtungen zurück, Russland strebe mehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion den Wiederaufbau des Imperiums an. „Russland verlangt für sich keinen besonderen, außergewöhnlichen Platz in der Welt (...). Wir wollen nur, dass unsere Interessen berücksichtigt werden“, betonte er.

Russland setze sich auch künftig für atomare Abrüstung ein, sagte der Präsident. „Wir sind bereit zu ernsthaftesten und sachlichen Gesprächen über die Atomarsenale“, sagte Putin. „Je weniger Kernwaffen es in der Welt gibt, desto besser ist es.“ Es sei eine gefährliche Tendenz, dass immer mehr Staaten keine andere Möglichkeit sähen, als ihre Sicherheit mit Massenvernichtungswaffen zu gewährleisten.

Das System der globalen Sicherheit sei „ernsthaft geschwächt“, meinte Putin. Es gebe keine Garantie für Frieden. Putin warf den USA vor, immer neue „Zentren des Bösen“ in der Welt auszumachen. „Wir sehen heute Versuche, die Welt zu zertrümmern, Teilungslinien zu ziehen und Koalitionen zu schmieden nach dem Prinzip: nicht „dafür“, also „dagegen“ und erneut ein Feindbild zu schaffen wie es in den Zeiten des Kalten Krieges war“, sagte der Kremlchef.

Der russischen Wirtschaft geht es schlecht, sie droht im kommenden Jahr zu schrumpfen. Es gebe beträchtliche ökonomische Risiken, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew laut der Nachrichtenagentur Interfax unter Verweis auf den deutlich gefallenen Ölpreis.

Kommentare (2)

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Drittes Auge

24.10.2014, 19:38 Uhr

"Die USA wollten die Weltordnung gemäß ihren eigenen Interessen neu gestalten und erhöhten damit das Risiko internationaler Konflikte, sagte Putin am Freitag in einer Rede"

Habe den Artikel aus dem "Ministerium für Wahrheit" (diesmal Büro Reuters) nicht zu Ende gelesen, weil mir meine Zeit zu schade ist, den propagandistisch aufgeblasenen Blödsinn von der ggfls. irgendwo versteckt enthaltenen Information zu trennen, aber ich finde Putins Hinweis ziemlich sachlich und angesichts der gewaltsamen Ausbreitung des Lebensraums der US-Hegemonie Richtung Osten angemessen und konstruktiv.

Herr C. Falk

24.10.2014, 19:41 Uhr

Eines ist klar Frau Merkel vertritt spätestens seit dem Natogipfel in Wales keine deutschen Interessen mehr sondern die Interessen der NATO, die einen kalten Krieg mit Russland will und dessen internationale Isolierung gemäß den Doktrien des US-amerikanischen Strategen Brzeszinski.

Russlandkann es sich allerdings nicht leisten sich erpressen zu lassen schon allein in Hinblick auf China seinen neuen Partner, der eine solche Schwäche wohl auf seine Weise interpretieren würde.

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