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18.09.2014

18:46 Uhr

Ukraine-Konflikt

Russen ziehen Truppen auf der Krim zusammen

Russland hatte angekündigt, die Truppen auf der Krim zu stärken. Nun melden ukrainische Geheimdienste, dass die Einheiten an die ukrainische Grenze verlagert werden. Die herrschende Feuerpause scheint labil.

Russische Soldaten in der Krim-Stadt Sevastopol: Laut ukrainischen Informationen bewegen sich viele von ihnen auffällig in Richtung Landesgrenze. Reuters

Russische Soldaten in der Krim-Stadt Sevastopol: Laut ukrainischen Informationen bewegen sich viele von ihnen auffällig in Richtung Landesgrenze.

KiewRund 4000 auf der annektierten Krim stationierte russische Soldaten sind nach Angaben aus Kiew an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen worden. „Nach unseren Informationen wurden fast alle russischen Militäreinheiten, die im Norden der besetzten Krim stationiert waren (...), mit ihrer kompletten Ausrüstung und Munition an der administrativen Grenze zusammengezogen“, erklärte der ukrainische Armeesprecher Andrej Lyssenko am Donnerstag. Russland hatte die Schwarzmeerhalbinsel im März offiziell seinem Staatsgebiet einverleibt. Die Annexion wurde von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt.

Am Dienstag hatte Moskau angekündigt, seine Militärpräsenz auf der Krim zu verstärken. „Die Situation in der Ukraine hat sich gravierend verschärft, und die ausländische Truppenpräsenz in der unmittelbaren Nähe unserer Grenze hat zugenommen“, sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Im Osten der Ukraine gilt seit dem 5. September eine Feuerpause. Allerdings wurden bei Gefechten seit Sonntag nach offiziellen Angaben etwa zehn Zivilisten getötet. Nach Uno-Angaben flohen seit dem Beginn der Kämpfe vor fünf Monaten 367.000 Menschen in Nachbarländer, die meisten davon nach Russland. Weitere 260.000 Menschen seien in der Ukraine auf der Flucht.

Zwei Wochen nach Beginn dieser brüchigen Waffenruhesetzt die internationale Kontaktgruppe in Minsk an diesem Freitag ihre Gespräche über eine Lösung des Konflikts fort. Er rechne mit schwierigen Verhandlungen in der weißrussischen Hauptstadt, sagte der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma am Donnerstag in Kiew.

Eine von den prorussischen Separatisten geforderte Unabhängigkeit der selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk stehe weiter nicht zur Debatte, betont er. Kutschma vertritt die Ukraine im Auftrag des prowestlichen Präsidenten Petro Poroschenko.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Die prorussischen Kräfte äußerten vor ihrer Teilnahme an den Gesprächen den Wunsch, in Minsk den zuletzt vereinbarten Sonderstatus der Ostukraine zu konkretisieren. Vor zwei Wochen waren eine Waffenruhe und Gespräche über einen Sonderstatus vereinbart worden. In Kiew hatte das Parlament in dieser Woche ein Gesetz über den Sonderstatus der Ostukraine erlassen, das den Separatistengebieten mehr Selbstverwaltungsrechte zuerkennt.

Die internationale Kontaktgruppe wird von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geführt. Zu ihr gehört auch ein Vertreter Russlands.

Krise in der Ukraine

Erneute Kämpfe trotz Waffenruhe

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Kommentare (18)

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Herr Paul Müller

18.09.2014, 14:06 Uhr

"...Nun melden ukrainische Geheimdienste, ..."
Dafür haben die Geld...
Warum fragt man eigentlich den Bock, wenn man etwas über den Garten wissen will? Da könnte man gleich den Pinoccio aus Hollywood fragen. Der scheint aber mit den Claims in Syrien beschäftigt zu sein.

Herr Klaus - Peter Schrön

18.09.2014, 14:19 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Klaus - Peter Schrön

18.09.2014, 14:27 Uhr

Wenn diese Truppe sich ständig verläuft wie will sie den die NATO Soldaten überhaupt finden?
Ich denke sie werden im Osten der Ukraine in Richtung Donezk suchen und laufen.

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