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30.07.2014

12:01 Uhr

Ukraine-Konflikt

Sanktionen alleine reichen Steinmeier nicht

Schärfere Wirtschaftssanktionen haben Russland isoliert, doch Außenminister Steinmeier setzt weiterhin auf Gespräch mit Moskau. Der ukrainische Präsident Poroschenko bittet das autoritär regierte Weißrussland um Hilfe.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier trägt die Sanktionen gegen Russland mit, will aber weiter Gespräche mit Moskau führen. dpa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier trägt die Sanktionen gegen Russland mit, will aber weiter Gespräche mit Moskau führen.

BerlinBundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier dringt darauf, den Gesprächsfaden im Ukraine-Konflikt trotz der nun verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland nicht abreißen zu lassen. „Sanktionen alleine sind noch keine Politik“, erklärte er am Mittwoch in Berlin. „Deshalb muss weiterhin nach Möglichkeiten zur politischen Entschärfung des Konflikts gesucht werden.“

Ein für diese Woche geplantes Treffen zwischen der internationalen Kontaktgruppe und Vertretern der Ostukraine in Minsk müsse Schritte auf dem Weg zu einer Waffenruhe vereinbaren. „Ein Waffenstillstand und ein glaubwürdiger Stopp von Waffenlieferungen an die Separatisten eröffnet die Rückkehr in politische Gespräche zur Lösung des Konflikts.“

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Vermutlich am Donnerstag soll die Ukraine-Kontaktgruppe in Weißrussland zusammenkommen. Das Büro des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko teilte am Mittwoch mit, sein Land komme damit einer Bitte des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko nach. Ein genauer Termin wurde nicht genannt. Poroschenko habe aber um ein Treffen am Donnerstag gebeten, bei dem es vornehmlich um den Zugang zum Trümmerfeld gehen solle. Zudem solle über die Freilassung von „Geiseln“ der prorussischen Rebellen gesprochen werden, hieß es auf der Facebook-Seite des ukrainischen Präsidenten.

Der Kontaktgruppe gehören der ehemalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma, Russlands Gesandter in Kiew und ein hochrangiger Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an. Es gab keine Hinweise darauf, dass auch Vertreter der Separatisten teilnehmen werden. In der Erklärung des weißrussischen Präsidialamtes hieß es lediglich, alle interessierten Parteien seien eingeladen.

Kommentare (11)

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Herr Chris Hettix

30.07.2014, 12:16 Uhr

Wer hört Steinmeier überhaupt noch zu? Wer nimmt ihn noch ernst? Ich nicht! Er hat in den letzten Monaten absolut nichts hinbekommen: Totalausfall! Total Versagen! Er jettet auf Kosten des Steuerzahlers sinnlos jeder Krise in der Welt hinterher und hält dann seine "Visage" in jede Kamera- mit den immergleichen Phrasen die null Substanz haben. TOLL! So einen Außenminister braucht KEIN Land!

Herr peter Spirat

30.07.2014, 12:20 Uhr

Der Völkermörder ermordet nun auch schon wieder Kinder
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Israel beschießt Uno-Schule in Gaza: 20 Tote




Beim Beschuss einer Schule der UN-Hilfsorganisation UNRWA im Gazastreifen, in der Flüchtlinge untergebracht waren, sind nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden in der Nacht auf Mittwoch mindestens 20 Palästinenser ums Leben gekommen.

„Dutzende Bürger wurden getötet beziehungsweise verletzt und befinden sich derzeit nach einem weiteren zionistischen Blutbad im Krankenhaus ‚Kamal Eduan‘ in der Stadt Dschebaliya, wohin Dutzende Flüchtlinge aus Dschebaliya und anderen Gebieten eingeliefert wurden

Account gelöscht!

30.07.2014, 12:25 Uhr

Da sind ja die Mafiagrößen dann unter sich...Ukraine, Weissrussland und die EU-USA.

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