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25.03.2014

18:11 Uhr

Ukraine-Konflikt

Schlachtfeld Youtube

VonMaike Freund, Tina Halberschmidt, Jan Mallien

Ein Youtube-Video bringt die ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko in Bedrängnis. Nicht zum ersten Mal tauchen pikante Gespräche zum Ukraine-Konflikt dort auf. Bei Youtube tobt der Kampf um die Meinungshoheit.

Ein neuer Youtube-Hit: Das Telefongespräch der ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko mit ihrem Vertrauten Nestor Schufritsch.

Ein neuer Youtube-Hit: Das Telefongespräch der ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko mit ihrem Vertrauten Nestor Schufritsch.

DüsseldorfEs ist nur ein kurzer Ausschnitt, aber er reicht aus um Zweifel am Geisteszustand der wichtigsten ukrainischen Politikerin zu wecken. In einem offensichtlich abgehörten Telefonat droht die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Tod. „Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen“, sagt Timoschenko über Putin einem  bei Youtube veröffentlichten Telefonat mit Nestor Schufritsch, dem früheren Vizesekretär des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine.

Seit sich der Konflikt in der Ukraine zugespitzt hat, sind gleich mehrere solcher Youtube-Videos mit pikantem Inhalt aufgetaucht. Dabei gibt es eine auffällige Gemeinsamkeiten: Stets sind es westliche und ukrainische Politiker, die in Fettnäpfchen tappen. Etwa die amerikanische Europaberaterin Victoria Nuland. Sie lässt sich in einem abgehörten Telefonat zu der Aussage „Fuck the EU“ hinreißen. In einem anderen Gespräch kritisiert die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die neue ukrainische Regierung.  Der Konflikt in der Ukraine ist ein Kampf um die öffentliche Meinung. In diesem Kampf ist die Plattform Youtube zu einem wichtigen Schlachtfeld geworden. Das zeigen vier Youtube-Fettnäpfchen aus den vergangenen Wochen.

Fettnäpfchen 1: „Ich werde die ganze Welt gegen Russland erheben“

Der aktuellste Fall betrifft Julia Timoschenko. Sie hat inzwischen bei Twitter die Echtheit des Mitschnitts in Teilen bestätigt. Gleichzeitig widersprach sie aber Angaben, wonach sie in dem Gespräch vom 18. März den Einsatz von Atomwaffen gegen die russische Minderheit in der Ukraine gefordert habe. An dem Tag hatte Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim in die Russische Föderation unterzeichnet.

In der Aufnahme sagt eine Stimme, die angeblich Timoschenkos sein soll: „Ich werde die ganze Welt (gegen Russland) erheben, sobald ich es kann, damit – verdammt – von Russland nicht einmal ein verbranntes Feld übrig bleibt.“ Eine Serie von Flüchen gipfelt am Ende des Telefonats in der Aussage, dass die acht Millionen Russen, die auf dem Territorium der Ukraine leben, mit Atomwaffen zu erschießen seien. Diesen Teil des Gesprächs hat Timoschenko via Twitter dementiert. Die Aussage über die acht Millionen Russen sei „eine Montage“. Tatsächlich habe sie gesagt: „Die Russen in der Ukraine sind auch Ukrainer."

Putins Sprecher Dmitri Peskow wollte den Vorfall zunächst nicht kommentieren. Es sei unklar, welcher Teil des Telefonats nach Timoschenkos Darstellung wahr und welcher unwahr sei, sagte Peskow. Eines Kommentars bedurften Timoschenkos Aussagen auch gar nicht. Ihrem Ansehen haben sie so oder so geschadet.

Die Halbinsel Krim - bald wieder russisch?

Besteht die Gefahr eines Krieges oder einer Ausweitung des Konflikts auf andere Regionen?

Der Russland-Experte Ewald Böhlke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sagt ja. „Niemand soll sich Illusionen machen und glauben, er hat das im Griff. Denn solche Prozesse sind irrational zum Teil, sie sind spontan, sie sind nicht planbar, und wir haben ja auf dem Maidan und anderswo gesehen, es reicht manchmal ein kleiner Funke, und schon gibt es eine Riesenflamme.“ Es sei davon auszugehen, dass in der Ost- und Südukraine andere Gebiete zumindest „in den Sog“ des Krim-Referendums kommen. Zudem hätten etwa in der Republik Moldau viele Menschen Angst vor einem ähnlichen Szenario.

Wie geht es jetzt weiter?

Die EU und die USA erkennen das Referendum - ebenso wie Kiew - nicht an, weil es aus ihrer Sicht gegen das Völkerrecht und die Verfassung der Ukraine verstößt. Sie weiteten am Montag ihre Sanktionen aus, um Putin zu bestrafen und zur Rückkehr zum Dialog zu zwingen. Russland treibt unterdessen die Eingliederung der Krim voran.

Wie ging die Volksabstimmung aus?

Nach Angaben der Wahlkommission stimmten rund 97 Prozent für die Angliederung an Russland.

Was war Gegenstand des Referendums?

Die rund 1,8 Millionen Wahlberechtigten konnten wählen zwischen einer Vereinigung der Krim mit Russland oder der Wiederherstellung der Gültigkeit der Krim-Verfassung von 1992 und für einen Status der Krim als Teil der Ukraine. Anders als im aktuellen Text der Verfassung der Ukraine steht im Grundgesetz von 1992 nicht, dass die Krim ein unveräußerlicher Teil der Ukraine sei.

Wie kam es zum Referendum?

Im Zuge der zunehmenden politischen Instabilität in der Ukraine bereitete Kremlchef Wladimir Putin - da sind sich ukrainische Nationalisten und Kreml-Gegner einig - die Übernahme der Krim generalstabsmäßig vor. Nach dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und der Bildung einer prowestlichen Übergangsregierung in Kiew beraumten prorussische Kräfte im Eiltempo ein Referendum an. Putin erkennt die neue Regierung in Kiew nicht an und behauptet, sie bedrohe die russische Minderheit in der Ukraine.

Warum will Russland die Krim?

Für Russland ist sie geostrategisch und militärisch von großer Bedeutung. Denn in der Hafenstadt Sewastopol befindet sich die Basis der russischen Schwarzmeerflotte. Die Eingliederung der Krim in der Ukraine durch Chruschtschow wurde als historischer Fehler bewertet. Viele ethnische Russen auf der Halbinsel - aber auch Ukrainer - sind enttäuscht von der politischen Klasse im fernen Kiew und der schlechten wirtschaftlichen Lage, sie wünschen sich schon länger eine Heimkehr zu „Mütterchen Russland“.

Was passierte nach dem Fall der Sowjetunion?

Die Ukraine wurde ein unabhängiger Staat mit der Krim als Bestandteil. 1992 gewährte Kiew der Halbinsel einen begrenzten Autonomiestatus.

Wem gehört die Krim?

Im Verlauf der Geschichte hatte sie viele Herren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte sie zu Russland. Kremlchef Nikita Chruschtschow, der in der Ukraine aufwuchs, schenkte die Halbinsel 1954 der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik, was in der Sowjetunion zunächst kaum praktische Auswirkungen hatte.

Wie setzt sich die Bevölkerung zusammen?

Von den mehr als zwei Millionen Einwohnern sind etwa 25 Prozent Ukrainer und knapp 60 Prozent Russen. Zudem siedelten sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR rund 250.000 Krimtataren wieder dort an, die Stalin in den 1940er Jahren nach Zentralasien deportieren ließ.

Was ist die Krim?

Die Krim ist die größte Halbinsel im Schwarzen Meer und umfasst rund 26.000 Quadratkilometer. Sie ist damit in etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg.

Fettnäpfchen 2: „Fuck the EU“

„Fuck the EU.“ Zu Deutsch: „Scheiß' auf die EU.“ Viel deutlicher hätte Victoria Nuland nicht mehr sein können. Peinlich nur, dass sie die Europabeauftragt von US-Außenminister John Kerry ist. Vielleicht hätte die Welt von dieser unpassenden Äußerung niemals etwas erfahren. Wenn nicht auch dieses vertrauliche Telefonat abgehört, mitgeschnitten und ins Netzt gestellt worden wäre– von Unbekannt.

Mister Unbekannt soll Wladimir Putin sein, wenigstens wenn es nach der Meinung der USA geht. Denn Russland habe ein Interesse daran, die damals noch andauernden Vermittlungen des Westens und der Ukraine – vor der Eskalation auf der Krim – zu torpedieren. Ausgeschlossen ist das nicht, doch auch nicht bewiesen. Sympathie in der Ukraine und im Westen haben Nuland diese Worte wohl eher nicht eingebracht.

So oder so, der Mitschnitt des Gesprächs zwischen Nuland und dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, zeigt deutlich die amerikanische Haltung. Offen sprechen sie über den mittlerweile gescheiterten Versuch von Präsident Viktor Janukowitsch, die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko in die Regierung zu holen. Der frühere Boxweltmeister im Kabinett? „Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist“, sagt Nuland.

Kommentare (16)

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25.03.2014, 18:37 Uhr

@ goldener Storch

Nicht schlecht, Herr Specht
Ganz Deutschland ist ein Irrenhaus und in Berlin ist die Zentrale.
Freue mich über jeden in diesem Lande, dessen IQ über dem eines Knäckebrotes liegt -und das soll bei 2 liegen.

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25.03.2014, 19:03 Uhr

danke :-)

Account gelöscht!

25.03.2014, 19:06 Uhr

Tja Kleinebrise,
deswegen kommentiere ich hier nur noch sehr selten.
Pisa-Katastrophen, wohin das Auge blickt. Wie soll man dieses radebrechende Geseiere noch ernst nehmen ?
Und bitte: Nicht das Knäckebrot beleidigen !!!! ;-)

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