Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2015

02:41 Uhr

Ukraine-Konflikt

Steinmeier lädt zu neuem Krisentreffen in Berlin ein

Nachdem sich jüngst die Lage im Osten der Ukraine verschlechtert hat, lädt Außenminister Steinmeier für Mittwochabend zu einem weiteren Krisengespräch ein. Es gelte nun vor allem, eine neue Eskalation zu verhindern.

Ein Mann steht neben einem Einschlagkrater auf der Hauptstraße der ukrainischen Stadt Debaltsevo. In der Region um sie Stadt Donezk waren in den vergangenen Tagen erneut Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten ausgebrochen. dpa

Ein Mann steht neben einem Einschlagkrater auf der Hauptstraße der ukrainischen Stadt Debaltsevo. In der Region um sie Stadt Donezk waren in den vergangenen Tagen erneut Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten ausgebrochen.

Berlin/Donezk/KiewNach der Eskalation der Kämpfe im Osten der Ukraine soll ein neues Krisentreffen in Berlin bei der Suche nach einem Ausweg aus dem Konflikt helfen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier lud seine Kollegen aus Russland, der Ukraine und Frankreich für den heutigen Mittwochabend zu Gesprächen ein.

Ein erstes Treffen der vier Politiker vor gut einer Woche war noch ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Seither hat sich die Lage in der umkämpften Ostukraine verschlechtert.

Bei den Gefechten um die ostukrainische Stadt Donezk sind am Dienstag mindestens sechs Zivilisten ums Leben gekommen. AP-Reporter vor Ort sahen die Leichen von zwei Menschen, die an einer Bushaltestelle von einem Artilleriegeschoss getroffen worden waren. Die Separatisten meldeten den Tod eines weiteren Zivilisten in einem anderen Teil der Stadt. Regierungstreue Behörden in der Region berichteten, insgesamt seien im Verlauf des Tages sechs Menschen ums Leben gekommen, darunter die drei in Donezk.

„Es geht jetzt vor allem darum, eine weitere Verschärfung der militärischen Auseinandersetzungen und dann auch eine erneute politische Eskalation zwischen Kiew und Moskau zu verhindern“, erklärte Steinmeier. Auf Bitten seines russischen Kollegen Sergej Lawrow und des ukrainischen Außenministers Pawlo Klimkin habe er daher erneut zu Gesprächen nach Berlin geladen.

Weitere Kämpfe um Flughafen

Gewaltspirale bei Donezk dreht sich weiter

Weitere Kämpfe um Flughafen: Gewaltspirale bei Donezk dreht sich weiter

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko berichtete von Geheimdienstinformationen, wonach rund 2000 Truppen das Hoheitsgebiet der Ukraine betreten und dort an Kampfhandlungen teilgenommen hätten. „Mit dieser Art von Vorgehen werden wir niemals eine Deeskalierung erreichen“, sagte er.

Poroschenko verkürzt angesichts der Lage im Land seinen Besuch beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Wegen der "Verschlechterung" der Situation im Osten des Landes werde Poroschenko bereits am Mittwoch wieder in die Ukraine zurückkehren, kündigte sein Sprecher am Dienstagabend im Netzwerk Facebook an. Das Weltwirtschaftsforum in Davos beginnt am Mittwoch. Dazu werden mehr als 2500 Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft erwartet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident François Hollande.

Dass die Truppen explizit aus Russland gekommen seien, sagte Poroschenko nicht. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, dementierte, dass Soldaten aus seinem Land in die Ukraine entsandt worden seien. Dies sei „absoluter Unsinn“.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge kamen seit Beginn des Aufstandes prorussischer Separatisten im vergangenen April 4700 Menschen ums Leben. Zwei Anläufe für eine Waffenruhe scheiterten in den vergangenen Monaten.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte am Dienstag in einer Erklärung eine sofortige, neue Waffenruhe und eine vollständige Umsetzung des vorher erzielten Abkommens.

Sollten Steinmeier und seine Amtskollegen bei dem Treffen am Mittwoch Fortschritte erzielen, könnte dies auch den Weg für den seit langem angestrebten Gipfel der Staats- und Regierungschefs der vier Länder - Angela Merkel, Wladimir Putin, Francois Hollande und Petro Poroschenko - ebnen.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Woifi Fischer

21.01.2015, 07:30 Uhr

Ukraine-Konflikt Steinmeier lädt zu neuem Krisentreffen in Berlin ein!

Warum in drei Teufels Namen will dieser BRD-Friedensfürst schon wieder über die Ukraine plaudern? Wo er vor einer Woche nichts erreicht hat.

In wessen Auftrag handelt er überhaupt?

Warum immer die BRD und ihre Marionetten sich in den Vordergrund spielen müssen, zum Nachteil der BRD?

Für mich ist dies eine innere Angelegenheit der Ukraine und Russlands. Die USA haben sich aus diesem Konflikt heraus zu halten. Die BRD-Vasallen der USA, sollen sich um deutsche Interessen kümmern, und die Finger von solchen Sachen lassen wovon sie nichts verstehen.

Steinmaier, ein unehrlicher Friedensengel.
Zuerst Probleme schaffen, um sie anschließend nicht mehr in den Griff zu bekommen, das sind die Berliner Marionetten.
Basta.

Herr Walter Gerhartz

21.01.2015, 10:20 Uhr

Die in Paris von vielen Politikern iniziierte und auf einer Nebenstraße gekonnt in Szene gesetzte Trauerbekundung soll ihr eigenes unmoralisches, menschenverachtendes Handeln im politischen Alltag vernebeln. "Die Politiker marschierten nicht an der Spitze des Volkes, sondern in einer abgesperrten Seitenstraße um die Place Léon Blum. Das “Volk” hinter den Politikern waren nicht die Pariser Bürger, sondern Sicherheitskräfte. Die Straße hinter der kleinen Gruppe der Politiker blieb leer. Die Aufnahmen spielen in der Nähe der Metro-Station Voltaire, bestätigt auch Le Monde". (Zitat aus DWN)

Herr Walter Gerhartz

21.01.2015, 10:27 Uhr



Wenn das so weiter geht und keiner von beiden (Nato & Rus.) nachgiebt werden wir bald einen Krieg in Europa enfesseln. Dagegen wird der 2. WK wie ein Fliegenschiß aussehen. Was danach kommt wissen die Alten 70+ Hunger Armut -> Enteigung.

Wer glaubt das Herr Putin sich von Herrn Steinmeier oder Frau Merkel Handlungen diktieren lässt der irrt sich gewaltig! Der Konflikt kann nur durch Kommpromisslösungen beider Seiten erfolgen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×