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16.11.2014

08:13 Uhr

Ukraine-Krise

Angst vor dem Winter und dem Krieg

VonHelmut Steuer

Die Menschen im Osten der Ukraine leiden - unter Inflation, Korruption und Mangelwirtschaft. Und sie fürchten die kalte Jahreszeit und eine Ausweitung der Kämpfe. Eindrücke von unserem Korrespondenten im Kriegsgebiet.

Krieg im Osten der Ukraine. Viele denken: „Ohne die Hilfe des Westens ist unser Land verloren.“ dpa

Krieg im Osten der Ukraine. Viele denken: „Ohne die Hilfe des Westens ist unser Land verloren.“

Kurakhove/DnipropetrowskEs ist kalt geworden in der Ukraine. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Borispol in Kiew mustert die Grenzschützerin den Besucher mit kühlem Blick. „Was wollen Sie hier?“, fragt die Mittvierzigerin und lässt keinen Zweifel daran, dass Argwohn und Misstrauen bei ihr mittlerweile an erster Stelle der Dienstanweisungen steht.

Weiterflug nach Dnipropetrowsk. Die Millionenstadt in der Ostukraine ist nur gut 200 Kilometer von den schweren Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und Verbänden der ukrainischen Armee in und um Donezk herum entfernt. Auch hier ein ähnliches Bild: ein eiskalter Blick der Sicherheitskräfte. Das Gepäck muss erneutet durchleuchtet werden, obwohl das bereits zweimal in Kiew gemacht wurde.

Die Ukraine befindet sich im Krieg, und mehr noch als nur vor einem Monat ist das überall zu spüren. Fast genau ein Jahr nach Beginn der Proteste auf dem Maidan in Kiew hat sich die Situation in Europas größtem Flächenstaat dramatisch verschlechtert.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Die prorussischen Separatisten haben in den vergangenen Wochen erneut massiv militärische Unterstützung aus Russland erhalten. Nicht nur die Nato und die OSZE haben mehrfach große Militärkonvois beim Überqueren der löcherigen Grenze zwischen Russland und der Ukraine beobachtet.

Auch unabhängige Journalisten berichteten über die mit modernen Waffensystemen beladenen LKW, die von Russland in Richtung Donezk fuhren. Allein in den vergangenen 30 Stunden kamen nach bislang unbestätigten Angaben wieder mindestens zehn ukrainische Soldaten bei den Kämpfen ums Leben.

Moskau hat bisher eine Beteiligung an den Kämpfen im Osten des Landes stets zurückgewiesen. Allerdings, und das trägt zu einer weiteren Zuspitzung der Lage bei, erklärte der russische Präsident Wladimir Putin in einem Interview mit der ARD, in den Gebieten der Aufständischen versuche die ukrainische Armee, alles zu vernichten.

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