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21.05.2014

08:05 Uhr

Ukraine-Krise

Bürger spenden per SMS an Schwarzmeerflotte

Von Kiews Seestreitmacht ist nach dem Verlust der Krim nicht mehr viel übrig geblieben. Die Ausrüstung stammt oft noch aus früheren Sowjetzeiten. Die Führung setzt nun auf Freiwillige.

Schiffe der ukrainische Schwarzmeerflotte: Die Ukrainer wollen die Schlagkraft ihrer Marine mit einer Spendenaktion sichern. dpa

Schiffe der ukrainische Schwarzmeerflotte: Die Ukrainer wollen die Schlagkraft ihrer Marine mit einer Spendenaktion sichern.

OdessaDie ukrainische Kriegsflotte ist geschrumpft. Zwei Dutzend Boote, versteckt hinter Vorratstanks und riesigen Handelsschiffen im Hafen von Odessa - das ist alles, was von der Seestreitmacht des Landes übrig geblieben ist, seit Russland sich im März die Krim einverleibt hat. Mit der Halbinsel hat die Ukraine auch das Hauptquartier ihrer Flotte an den großen Bruder verloren. Flottenchef Admiral Denis Beresowski lief zu den Russen über.

„Es ist nicht die beste Zeit für die Flotte“, räumt der Sprecher der Kriegsmarine, Oleh Tschubuk, ein. Das ist eine eher optimistische Einschätzung. Der Osten der Ukraine wird von Unruhen erschüttert. Separatisten drohen, die für Sonntag geplante Präsidentenwahl zu verhindern. Und durch den Anschluss der Krim an Russland verlor das Land zwei Drittel seiner Kriegsschiffe - nämlich alle, die auf der umstrittenen Halbinsel stationiert waren.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

Kiews westliche Unterstützer zögern, der Ukraine beim Ersatz der Verluste zu helfen. Sie fürchten, Russland könne die Lieferung von Rüstungsgütern als Provokation werten und die Krise verschärfen. Die ukrainische Restflotte hat deshalb kaum noch Möglichkeiten, die lange Schwarzmeerküste des Landes zu schützen. Ihr fehlt selbst die nötigste Ausrüstung. Die Regierung muss bei der Bevölkerung um Spenden betteln, damit sie ihre Rechnungen bezahlen kann.

In Odessa, wo die Kriegsmarine inzwischen ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat, fühlen sich viele Menschen von Russland verraten. Beim Zerfall der Sowjetunion 1991 habe die Ukraine nicht geglaubt, eine große Flotte nötig zu haben, sagt der pensionierte U-Boot-Kapitän Ewgenii Liwschiz. Russland hatte ja seine große Schwarzmeerflotte auf der Krim stationiert und zahlte der Ukraine Pacht für seine Stützpunkte dort. Kiew habe geglaubt, Russland werde die Ukraine schützen. „Unsere Einstellung war: Wir brauchen nicht viel. Wir glauben dir, großer Bruder“, erinnert sich Liwschiz.

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