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06.08.2014

19:55 Uhr

Ukraine-Krise

Eine Stadt im Belagerungszustand

In der Ostukraine flüchten immer mehr Menschen vor den Kämpfen zwischen der Armee und den pro-russischen Kämpfern. Besonders heftig sind die Kämpfe in Donezk – die Millionenmetropole gleicht zunehmend einer Geisterstadt.

Zerstörte Straßen in Donezk: Die Stadt gleicht zunehmend einer Geisterstadt. dpa

Zerstörte Straßen in Donezk: Die Stadt gleicht zunehmend einer Geisterstadt.

DonezkWährend das Militär seinen Belagerungsring um die Millionenstadt Donezk im Osten der Ukraine immer enger zieht, wirkt das Zentrum des Kohlereviers Donbass wie ausgestorben. Die meisten Ladeninhaber haben ihre Schaufenster für den Fall von Explosionen verbarrikadiert oder mit Klebeband gesichert, und auf den Straßen fahren kaum Autos. Immer wieder sind Detonationen zu hören. Am Mittwoch gibt es Artilleriefeuer in den westlichen Vororten Petrowski und Kirowski sowie einen Luftangriff in einem Wohngebiet nahe des Stadtzentrums.

„Die Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag“, sagt Olga, Angestellte in einem Reisebüro. Die 32-Jährige geht mit ihrem zweijährigen Sohn auf dem von Bäumen gesäumten Puschkin-Boulevard spazieren. Die sonst bei Jung und Alt beliebte Allee ist an diesem sonnigen Sommermorgen fast menschenleer.

Olga ist ohne Arbeit, seitdem ihr Chef den Laden dicht gemacht hat. Früher wohnte sie in der Nähe des Flughafens am Rande der Stadt. Doch im Mai bombardierte die Armee den Flughafen, um die bewaffneten Gegner der Übergangsregierung in Kiew von dort zu vertreiben.

Die Krise in der Ostukraine (Teil2)

Die Abspaltung

Donezk und Lugansk spalten sich nach einem Referendum von Kiew am 12. Mai ab und nennen sich „Volksrepubliken“. Die „Volksrepublik Donezk“ bittet Moskau um Anschluss an Russland. Der Westen betrachtet ebenso wie die Regierung in Kiew das Referendum als illegal.

Runder Tisch

Der erste „Runde Tisch“ zur Krisenbewältigung endet am 14. Mai in Kiew ohne greifbares Ergebnis. Weitere Runde Tische folgen.

„Neurussland“

Donezk und Lugansk vereinigen sich am Tag vor der Wahl am 24. Mai von Petro Poroschenko zum neuem Präsidenten der Ukraine zu „Neurussland“.

Die OSZE

Die OSZE verliert im Gebiet Donezk am 26. Mai den Kontakt zu vier Beobachtern.

Die Geiselnahme

Die Verbindung zu vier weiteren OSZE-Beobachtern bricht am 29. Mai bei Lugansk ab. Separatisten erklären, sie seien bei ihnen „zu Gast“.

Das erste Flugzeug

Im Osten schießen Aufständische ein Militärflugzeug am 14. Juni ab und töten dabei alle 49 Soldaten an Bord.

Feuerpause

Poroschenko ordnet am 20. Juni eine einseitige, einwöchige Feuerpause an. Später schließen sich die Separatisten der Kampfpause an.

Waffenstillstand

Aufständische lassen am 27. Juni ein OSZE-Beobachterteam frei. Die EU schließt mit der Ukraine ein Partnerschaftsabkommen. Kurz danach verlängert Poroschenko die Waffenruhe um drei Tage. Am 28. Juni wird die zweite Gruppe von OSZE-Beobachtern ist wieder freigelassen. Am 30. Juni vereinbaren Russland, Deutschland, Frankreich und die Ukraine einen Plan für einen Waffenstillstand.

Die Kämpfe gehen weiter

Poroschenko erklärt am 1. Juli die Waffenruhe für beendet. Medien berichten von schweren Gefechten nahe Slawjansk und Kramatorsk. Ungeachtet internationaler Friedensbemühungen beginnt Russland am 4. Juli ein Großmanöver in unmittelbarer Nähe der Krisenregion. 6. Juli: Die ukrainische Armee erobert nach wochenlangen Gefechten die Separatisten-Hochburgen Slawjansk und Kramatorsk zurück. 10. Juli: Die Kämpfe werden heftiger und verlustreicher. Insgesamt wurden nach Angaben aus Kiew in der Ostukraine seit Mitte April rund 200 Militärangehörige getötet.

Luftangriffe

Bei neuen Luftangriffen am 12. Juli töten die Streitkräfte nach eigenen Angaben in den Regionen Donezk und Lugansk rund 1000 Separatisten. Die Aufständischen weisen das zurück. Russische Behörden berichten von einer „humanitären Katastrophe“ auf ihrem Staatsgebiet. Mehr als 22.000 Flüchtlinge hielten sich in 321 Übergangslagern auf. Erstmals stirbt am 13. Juli nach Moskauer Angaben ein Mann in Russland durch ein Geschoss von ukrainischer Seite. Moskaus Außenministerium droht Kiew mit einer scharfen Reaktion. Putin trifft Merkel am Rand des Fußball-WM-Finales und beklagt eine „deutliche Verschlechterung“ der Lage.

Der Abschuss

Mit schweren Waffen schießen die Aufständischen am 4. Juli zwei Militärflugzeuge ab. Kiew macht Moskau dafür mitverantwortlich. 16. Juli: Die Rebellen berichten, erneut zwei Kampfjets der Luftwaffe abgeschossen zu haben. Die USA und die EU verschärfen die Sanktionen gegen Russland. 17. Juli: Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines stürzt im Osten der Ukraine ab. Es gibt 295 Tote. Kiew und die Separatisten werfen sich gegenseitig einen Abschuss des Flugzeugs vor

„Ich bin mit meinen Kindern unter den Kugeln geflohen. Es war wie im Film“, erzählt Olga. Ihr kleiner Sohn gibt zu verstehen, dass ihm das „Bangbang“ des Krieges Angst macht. Jetzt wohnt Olga mit ihrer Familie bei Freunden in der Stadtmitte.

Oleg, mit seinem Sohn auf dem Fahrrad unterwegs, findet die Lage „beschissen“. Seinen Job hat er verloren, weil seine Firma mangels Aufträgen geschlossen hat. Aber deswegen abhauen, kommt für ihn nicht in Frage. „Ich wohne hier seit 50 Jahren. Wohin soll ich denn gehen?“ Die Zahl der Flüchtlinge aus den umkämpften Regionen Donezk und Lugansk ist nach UN-Angaben seit Anfang Juni deutlich angestiegen.

Kommentare (2)

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Herr peter Spirat

06.08.2014, 20:23 Uhr

Ich werde auch weiterhin meine Aktien sehr eng absichern, denn ich vermute, dass urplötzlich der Russe seien Hand schützend über alle Russen in der Ukraine hält (Einmarsch).

Das russische Volk erwartet von ihm, dass er alle Russen schützt, auch wenn sie noch in der Ukraine leben. Es ist Quatsch zu denken, dass Russen nicht bereit sind, sich etwas einzuschränken wegen möglicher Sanktionen.

aber Putim MUSS die Sicherheit ALLER Russen sicherstellen und sie nicht im Stich lassen, nur weil der Ami mit seinen Söldnern Russen ermordet.


Kaiser Wilhelm

06.08.2014, 21:19 Uhr

Was ist denn das für ein Kurswechsel auf einmal? Ist der Zeitpunkt gekommen die Amerikaner zu verraten? Diese Scheinheiligkteit ist zum kotzen. Die Fakten lagen alle längst vor, aber es wird nur gestreut was der Lobby passt.

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