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07.01.2015

20:31 Uhr

Ukraine-Krise

EU bereitet neue Finanzspritze vor

Die pleitebedrohte Ukraine will von der EU weitere zwei Milliarden Euro an Finanzhilfen. Bislang gaben sich Staats- und Regierungschefs eher zurückhaltend. Laut einem Bericht könnte es nun eine Einigung geben.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker appelliert an die Mitgliedsstaaten: Sie sollen mehr Geld für die Ukraine berappen. AFP

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker appelliert an die Mitgliedsstaaten: Sie sollen mehr Geld für die Ukraine berappen.

Riga/BrüsselDie Europäische Union bereitet nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur neue Finanzhilfen für die Ukraine vor. Die EU-Kommission wolle an diesem Donnerstag am Rande einer Reise von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Lettland entsprechende Ankündigungen machen, hieß es am Mittwoch aus EU-Kreisen. Details wurden zunächst nicht bekannt. Die Ukraine steht wegen des Bürgerkriegs zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Osten des Landes am Rande eines Staatsbankrotts.

Juncker hatte die EU-Staaten Mitte Dezember dazu aufgerufen, frisches Geld für die Unterstützung der Ukraine bereitzustellen. Die Regierung in Kiew brauche aus Europa weitere zwei Milliarden Euro, sagte er vor dem Europaparlament. Die Mittel im Gemeinschaftshaushalt reichten nicht aus, um diese Summe aufzubringen.

Staats- und Regierungschefs äußerten sich damals zurückhaltend. Sie verlangten als Voraussetzung für neue Finanzhilfen größere Reformanstrengungen der Regierung in Kiew und Erfolge im Kampf gegen die weit verbreitete Korruption.

So leidet die russische Wirtschaft unter der Ukraine-Krise

Wachstum

Die russische Wirtschaft wuchs offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr noch um 1,3 Prozent - das war, gemessen an den Raten in Präsident Wladimir Putins ersten zwei Amtszeiten, schon nicht viel. Dieses Jahr allerdings rechnet die Regierung mit nur 0,5 Prozent Wachstum. Die Zentralbank sagt sogar nur 0,3 Prozent voraus und null Prozent für das kommende Jahr. Schuld seien vor allem die „geopolitischen Probleme“.

Inflation

Die Preissteigerung wird nach Schätzung der Notenbank in diesem Jahr acht Prozent erreichen. Allein 3,5 Prozent Inflation sind demnach den Sanktionen des Westens gegen Russland geschuldet – und dem im Gegenzug verhängten Importstopp für viele Lebensmittel aus der EU und anderen westlichen Ländern. Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte aus diesen Staaten dürfen seit August nicht mehr eingeführt werden; entsprechend ist auch die Auswahl für die Verbraucher geschrumpft.

Währung

Die Landeswährung Rubel fällt und fällt. Seit Jahresbeginn hat sie bereits ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Ausländische Produkte und Reisen ins Ausland sind entsprechend teurer geworden. Die russische Zentralbank erhöhte den Leitzins vorübergehend auf 9,5 Prozent und pumpte Dutzende von Milliarden Dollar in den Markt, ohne den Währungsverfall aufhalten zu können. Im November gab sie auf und erklärte, der Rubel sei künftig frei handelbar. Die russischen Devisenreserven schrumpften um 20 Prozent.

Kapitalflucht

Die Zentralbank schätzt, dass Anleger und Investoren allein in diesem Jahr bereits mehr als 100 Milliarden Euro aus Russland abgezogen haben. Sie legen ihr Geld nicht mehr in Rubel an, sondern lieber in Dollar oder Euro.

Ausländische Unternehmen

Noch sind es nur vereinzelte Meldungen über einen Rückzug ausländischer Firmen aus Russland. So schrieb kürzlich die Wirtschaftszeitung „Kommersant“, die Volkswagen-Tochter Seat verlasse das Land Anfang 2015. Die Verkäufe des Autobauers seien um 57 Prozent eingebrochen. Opel drosselte Mitte September die Produktion in seinem Werk in St. Petersburg, 500 Mitarbeiter wurden entlassen.

Handel

Der Austausch von Waren und Dienstleistungen mit westlichen Ländern ist wegen der wechselseitigen Sanktionen stark zurückgegangen. Die Exporte aus Deutschland nach Russland zum Beispiel brachen regelrecht ein, von Januar bis August schrumpften sie um 16,6 Prozent. Russland rutschte in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner von Platz elf auf Platz 13 ab. Betroffen von den europäischen Sanktionen gegen Russland sind zum Beispiel Rüstungsgüter und Technologie für den Energiesektor.

Öl und Gas

Seit Jahren schon sucht die EU nach Alternativen zu den Lieferungen von Erdgas und Erdöl aus Russland. Seit der Ukraine-Krise hat sie diese Bemühungen noch verstärkt. Die Rohstoffe haben Russland ausgerechnet jetzt nicht mehr so viel eingebracht wie gewohnt – die Weltmarktpreise sind wegen geringer Nachfrage und großen Angebots niedrig.

Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) fehlen der Ukraine 15 Milliarden US-Dollar (rund 12,7 Mrd Euro) mehr als ursprünglich gedacht. Die EU hat der Ukraine bislang Zahlungsbilanzhilfen in Höhe von insgesamt 1,6 Milliarden Euro versprochen. Ein Großteil des Geldes ist bereits überwiesen. Zudem gibt es unter anderem ein IWF-Programm über rund 17 Milliarden Dollar (rund 14,4 Mrd Euro).

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.01.2015, 07:44 Uhr

EU bereitet neue Finanzspritze vor


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EU bereitet neue Finanzspritze vor = Auslegungssache !

Griechenland bekam auch Waffen von der EU Finanziert.

Nach der Finanzkrise wer bezahlte dann die Schulden ???

Hoffentlich werden die aktuell gelieferte Waffen an die Ukraine

nicht als Hilfsgelder ausgegeben !!!!!








Herr reiner tiroch

08.01.2015, 15:21 Uhr

die neue Finanzspritze ist nötig geworden, weil in der Ukraine mal eben so 500 MIO Hilfsgeld verschwunden ist. na wieviel wird dann diesesmal da ankommen? hahaha

Herr Teito Klein

08.01.2015, 20:00 Uhr

Ein weiteres Fass ohne Boden wird eröffnet
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Nach Griechenland nun die Ukraine.
Griechenland und die Ukraine sind faktisch pleite.
Griechenland wurde mit 240000 Milliarden von der EUdSSR "unterstützt". Das Geld sehen wir niemals wieder.
Jetzt folgt die Ukraine.

Die bisher gewährten Milliardenhilfen reichen nicht aus. Die Ukraine steht wegen des Bürgerkriegs vor dem Bankrott. Nun hat die EU - entgegen früheren Absichten - weitere Hilfsgelder zugesagt.

Die EU-Kommission will die Ukraine mit zusätzlichen Krediten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro unterstützen. Das kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga an. Das frische EU-Geld soll aus dem Gemeinschaftshaushalt kommen. Die Mitgliedsstaaten seien aber aufgefordert, die Summe weiter aufzustocken. Den deutschen Steuerzahler wird es freuen!

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