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13.05.2014

13:48 Uhr

Ukraine-Krise

Großes Rätselraten über Putins Kurs

Putins Appell an die Separatisten in der Ost-Ukraine, das geplante Unabhängigkeits-Referendum zu verschieben – ein kluger Schachzug oder ein Zeichen von Schwäche? Beobachter vermuten, dass es vorher eine Absprache gab.

Russlands Präsident Vladimir Putin (2.v.l.) und Ministerpräsident Dmitri Medwedew (2.v.r.) bei der Militärparade in Moskau. Reuters

Russlands Präsident Vladimir Putin (2.v.l.) und Ministerpräsident Dmitri Medwedew (2.v.r.) bei der Militärparade in Moskau.

MoskauEiner der glühendsten Anhänger von Wladimir Putin bemüht sich von Kräften, den verwirrten Russen den unerwarteten Kurswechsel ihres Präsidenten zu erklären. „Es war ein kluger und starker Zug im Schachspiel um die Ukraine“, begründet der bekannte russische Radiomoderator Wladimir Solowjow den Appell Putins an die Separatisten in der Ost-Ukraine, ihr für Sonntag geplantes Unabhängigkeits-Referendum zu verschieben. „Putin ist Friedensstifter Nummer eins!“ Die prorussischen Kräfte zeigten Putin aber die kalte Schulter und ließen Kommentatoren ratlos zurück. Was treibt den Staatschef, über den Vertraute sagen, seine innere Stimme sei der engste Berater?

Solowjow ist sich sicher: Putins Vorstoß sei keinesfalls ein Zeichen von Schwäche, erläutert er einem besorgten Anrufer. Mit dem Aufruf zu Verhandlungen habe Putin die ukrainische Führung zu einem Dialog gezwungen und damit gleichzeitig seinen Rückhalt in Europa deutlich gefestigt.

Die Frage ist nun: Wusste der Kreml-Chef, dass die ukrainischen Separatisten ungeachtet seines Appells an dem Referendum festhalten? Und war dies möglicherweise genau so abgesprochen? Wenn nicht, hätte Putin ein Problem – da sind sich Experten sicher. Denn er hätte bei den prorussischen Kräften wohl an Vertrauen und Einfluss verloren. Damit wäre sein Ziel gefährdet, in dem schärfsten Konflikt zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges die Oberhand zu haben.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

Einige politische Beobachter gehen daher davon aus, dass Putin sich vorher mit den Separatisten abgestimmt hat. „Es ist unwahrscheinlich, dass Putin nicht wusste, wie sie auf seinen Appell reagieren werden“, sagte Maria Lipman vom Carnegie Center in Moskau. Putin habe dem Westen möglicherweise vor Augen führen wollen, dass „die Menschen in der Ost-Ukraine keine Russen sind, keine Befehle von Russland erhalten und dass Russland keine Kontrolle über sie hat“. Putins Botschaft sei: Die Separatisten tun, was sie tun wollen und nicht, was Russland will.

Kommentare (7)

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09.05.2014, 15:06 Uhr

Es ist schon eigenartig, wie auf bestimmte Aussagen reagiert wird.Im Nachgang werden alle Aussagen von Putin als Schachzug und böses Spiel bewertet. Gleichzeitig sehen sich die gleichen Kommentatoren außer Lage die Sachlage im Vorfeld einschätzen zu können.
Aber solange es Reporter gibt, die meinen das die Krim sich wenige Kilometer vom Donezk befindet ist mir um eine reale Einschätzung zur politischen Lage nicht bange...
Sich aber am 9. Mai auch noch aufzuspielen und die Parade in Moskau als "Muskelspiele" zu bezeichnen... Ich glaube da brauchen doch noch einige Geschichtsunterricht.
Soeben wurde auf einem unserer Nachrichtensender behaupet, das Putin im Rahmen der Militärparade einen ATOMTEST ausgeführt hat ??? Wie weit wollen unsere Reporter noch gehen???
Oder werden wir ab morgen den Franzosen und Engländern auch noch ihre Paraden als Muskelspiele vorhalten???
Ich bin drauf und dran zukünftig Nachrichten aus D zu meiden.

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09.05.2014, 15:11 Uhr

„Es ist unwahrscheinlich, dass Putin nicht wusste, wie sie auf seinen Appell reagieren werden“

Welch dämlicher Hetzartikel. Jedem, dessen Hirn grösser als eine Erbese ist, dürfte klar gewesen sein, dass das Referendum durchgezogen wird. Dafür musste sich Putin mit denen nicht verabreden...

Account gelöscht!

09.05.2014, 15:45 Uhr

Will Washington Russlands Niedergang?

Washington hat nicht die Absicht, zuzulassen, dass sich die Krise in der Ukraine abschwächt oder gar gelöst würde. Nachdem es mit seinem Plan gescheitert ist, das Land unter seine Kontrolle zu bringen und Russland aus seinem Schwarzmeer-Marinestützpunkt in Sewastopol auf der Krim zu verdrängen, rechnet sich Washington aufgrund der Krise nun neue Chancen aus.

Die erste Chance aus Washingtoner Sicht wäre ein Neubeginn des Kalten Krieges, indem man die russische Regierung dazu bringt, die russischsprachigen Regionen der heutigen Ukraine zu besetzen, in denen sich viele Demonstranten der antirussischen Handlangerregierung, die durch den amerikanischen Putsch in Kiew an die Macht gebracht wurde, widersetzen.

Diese Regionen der Ukraine gehörten noch vor wenigen Jahrzehnten zu Russland.
Sie wurden der Ukraine nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetführung zugeschlagen, als sowohl die Ukraine als auch Russland Teil des gleichen Landes, nämlich der Sowjetunion, waren.

In der Zwischenzeit haben die Demonstranten unabhängige örtliche Regierungen in den Städten gebildet. Die Polizei- und Militäreinheiten, die von Kiew mit dem Auftrag in die Ostukraine entsendet worden waren, die Demonstranten, die man nach amerikanischem Vorbild in den westlichen Propagandamedien als "Terroristen" bezeichnet, zu bekämpfen, haben sich größtenteils den Demonstranten angeschlossen.

Da das inkompetente Weiße Haus unter Marionette Obama die Übernahme der Ukraine durch Washington verpfuscht haben, versuchen Washington und die Medien nun mit allen Mitteln, Russland die Schuld für die Krise zu geben.

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