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17.05.2015

08:12 Uhr

Ukraine-Krise

Neue Nationalhelden im Dauerregen

VonNina Jeglinski

In der Ukraine wird gekämpft und gewonnen – auf dem Spielfeld: Das zerrüttete Land feiert den Einzug von Dnipro Dnipropetrowsk ins Europa-League-Finale als nationalen Sieg. Doch der Krieg spielt auch im Fußball mit.

Ein Dnipro-Anhänger kniet in Kiew, um den Sieg seines Teams zu feiern. ap

Jubel auf den Rasen

Ein Dnipro-Anhänger kniet in Kiew, um den Sieg seines Teams zu feiern.

Kiew„Der Außenseiter Dnipro Dnipropetrowsk gewinnt die Regenschlacht von Kiew“, jubelte der Moderator des ukrainischen Sportsenders 2+2 kurz nach Mitternacht. Neben dem total überdrehten Fernsehmann stand Trainer Miron Markewitch, der aber nicht so recht mitmachen wollte beim Feiern und lieber gleich schon wieder nach vorn schaute: „Der schwerste Weg steht uns noch bevor.“

Denn jetzt will Dnipro Dnipropetrowsk auch das nächste Spiel gewinnen: Das Finale der Europa League am 27. Mai in Warschau gegen den FC Sevilla. Es wäre ein historischer Erfolg für den ukrainischen Klub, der lange im Schatten der dominierenden Mannschaften Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk stand. Nun hat Dnipro die Chance, mit Schachtjor gleichzuziehen und den ersten europäischen Titel nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 zu gewinnen.

Die sportliche Geschichte des Halbfinales gegen den SSC Neapel ist schnell erzählt. In dem kampfbetonten Spiel hatten die Ukrainer nicht nur ein ausverkauftes Haus auf ihrer Seite, sondern neben dem schlechten Wetter – Dauerregen und Temperaturen unter zehn Grad – auch noch Glück. Denn Neapel vergab die Torchancen fast im Dutzend.

Die OSZE-Beschlüsse zur Ostukraine

1. Beschluss

Die unverzügliche beiderseitige Unterbrechung der Anwendung von Waffengewalt zu gewährleisten.

2. Beschluss

Das Monitoring und die Überprüfung der Waffenruhe durch die OSZE zu gewährleisten.

3. Beschluss

Die Dezentralisierung der Macht in der Ukraine zu verwirklichen, darunter durch die Annahme des Gesetzes „Über die vorübergehende Ordnung der lokalen Selbstverwaltung in den gesonderten Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete“ (Gesetz über den Sonderstatus).

4. Beschluss

Das ständige Monitoring an der russisch-ukrainischen Staatsgrenze und die Überprüfung seitens der OSZE zu gewährleisten, mit der Bildung einer Sicherheitszone in den Grenzkreisen der Ukraine und der Russischen Föderation.

5. Beschluss

Sofort alle Geiseln und ungesetzlich festgehaltenen Personen zu befreien.

6. Beschluss

Das Gesetz über die Nichtzulassung der Verfolgung und der Bestrafung von Personen in Zusammenhang mit den Ereignissen zu übernehmen, die in einzelnen Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete der Ukraine geschehen sind.

7. Beschluss

Den inklusiven nationalen Dialog fortsetzen.

8. Beschluss

Maßnahmen zur Verbesserung der humanitären Situation im Donbass zu ergreifen.

9. Beschluss

Die Durchführung vorgezogener Kommunalwahlen zu gewährleisten, entsprechend dem ukrainischen Gesetz „Über die vorübergehende Ordnung der lokalen Selbstverwaltung in den gesonderten Kreisen der Donezker und Lugansker Gebiete“ (Gesetz über den Sonderstatus).

10. Beschluss

Die ungesetzlichen bewaffneten Formationen, die Militärtechnik sowie die Freischärler und Söldner aus der Ukraine herauszuführen.

11. Beschluss

Ein Programm des wirtschaftlichen Wiederaufbaus des Donbass und der Wiederherstellung der Lebensfunktionen der Region zu beschließen.

12. Beschluss

Die Garantie der persönlichen Sicherheit der Teilnehmer der Konsultationen zu gewähren.

Das Spiel wurde im Kiewer Olympiastadion ausgetragen, eine Anordnung der Uefa, weil die Sicherheitslage in der Ostukraine weiterhin als gefährlich gilt. Doch die Kiewer Arena, in der sonst Rivale Dynamo Kiew seine Partien austrägt, verwandelte sich in eine Kopie des Heimstadion Dnipros. Vereinschef Igor Kolomoiskji, Oligarch und Milliardär, hatte die Tickets zum Spottpreis von 30 Griwna, umgerechnet 1,26 Euro, an die Fans verteilen lassen.

Aus allen Landesteilen waren Belegschaften und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes angereist. Fahnen mit Städtenamen wie Vinnizya oder Schitomir zierten das Olympiastadion, das auch sonst eher einem blau-gelben Meer glich, als dass die weiß-blauen Vereinsfarben von Dnipro dominierten. Die Ultras von Dnipro hatten starke Unterstützung durch ihre Kollegen von Dynamo Kiew erhalten. Nicht nur als der Matchwinner Jewgenij Seleznew in der 58. Minute zum 1:0 traf, erhob sich der Schlachtruf „Slawa Ukrainij“, was auf Deutsch so viel wie „Ruhm der Ukraine“ bedeutet. Das gab der Begegnung einen Anstrich, als ob die Nationalmannschaft auf dem Rasen stünde.

Dnipro Dnipropetrowsk hatte zuletzt viele neue Fans aus anderen Teilen des Landes gewonnen. Wohl auch, weil Trainer Myron Markewitsch nicht – wie das in Donezk der Fall ist – überwiegend auf südamerikanische Legionäre setzt, sondern viele Landsleute in die Startelf stellt, die einen körperbetonten, unbequemen Stil pflegen.

Das kommt an. Genauso, wenn sich der Dnipro-Boss Kolomoiskij öffentlich mit dem russischen Präsidenten anlegt: Unter anderem unterstellte er Wladimir Putin Minderwertigkeitskomplexe aufgrund seiner geringen Körpergröße.

Kommentare (1)

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Herr Trifon Ivanov

18.05.2015, 11:42 Uhr

Kleiner Korrekturvorschlag: Dnipros Trainer Myron Markevych stammt aus der Nähe von Lviv (Lemberg), deshalb ist er ukrainischer Muttersprachler und musste die Sprache nicht erst "auf seine alten Tage" lernen.

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