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16.04.2015

14:24 Uhr

Ukraine-Krise

Pro-Russischer Publizist in Kiew getötet

Oles Busina, Publizist und Gegner der proeuropäischen Proteste, wurde vor seinem Haus in Kiew getötet. Es gebe bisher keinen Hinweis auf die Täter, teilten die Behörden mit. Russlands Präsident Putin verurteilt die Tat.

Der prominente Publizist und russlandfreundliche Journalist wurde am Donnerstag in Kiew erschossen. Wikimedia / Creative Commons

Oles Busina

Der prominente Publizist und russlandfreundliche Journalist wurde am Donnerstag in Kiew erschossen.

KiewIn der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist der prominente russlandfreundliche Publizist und Regierungsgegner Oles Busina vor seinem Haus erschossen worden. Es gebe bisher keinen Hinweis auf die Täter, teilten die Behörden in Kiew am Donnerstag mit. Der 45-Jährige polarisierte seit Jahren mit seinen auflagenstarken Büchern zu Geschichtsthemen und als Kolumnist der Tageszeitung „Segodnja“. Er war ein Gegner der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan im vergangenen Jahr.

Busina hatte zuletzt „Zensur“ durch die neuen prowestlichen Machthaber sowie ein Auftrittsverbot im Fernsehen kritisiert. Er legte unlängst seinen Posten als Chefredakteur der Zeitung „Segodnja“ nieder. Am Vorabend war der frühere Parlamentsabgeordnete Oleg Kalaschnikow von der prorussischen Partei der Regionen des 2014 gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch in Kiew erschossen worden.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Beobachter beklagen nach dem Tod mehrerer Oppositionspolitiker in der Ukraine eine ganze Serie ungeklärter Mordfälle. In Moskau äußerte sich Kremlchef Wladimir Putin bei seiner Fernsehsprechstunde „Direkter Draht“ besorgt über die Vielzahl von politischen Verbrechen in der Ukraine. Der Präsident kritisierte, dass der Westen über diese Fälle hinwegsehe.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Alexander Knoll

16.04.2015, 16:15 Uhr

.."Beobachter beklagen nach dem Tod mehrerer Oppositionspolitiker in der Ukraine eine ganze Serie ungeklärter Mordfälle. In Moskau äußerte sich Kremlchef Wladimir Putin bei seiner Fernsehsprechstunde „Direkter Draht“ besorgt über die Vielzahl von politischen Verbrechen in der Ukraine. Der Präsident kritisierte, dass der Westen über diese Fälle hinwegsehe...."

In der Tat ist hier unsere Berichtserstattung gelinde gesagt etwas einseitig. Gerne werden politische Morde oder solche an Prominenten in Russland in unseren Medien regelrecht "gefeiert" und auch auch gleich die Drahtzieher im Kreml vermutet. Selten, sehr selten hört man was von ähnlichen Vorgängen in der Ukraine. Kann es sein, dass wir geflissentlich über Missstände in unserem Partnerland, für dessen Freiheit wir alle so engagiert kämpfen hinwegsehen, weil wir dann in eine gewisse Erklärungsnot geraten?

Herr Thomas Podgacki

16.04.2015, 20:24 Uhr

Wenn man über die Ermordung eines russlandfreundlichen Journalisten hinwegsehen würde, könnte man hier keinen Kommentar schreiben.
Warum ich in Erklärungsnot geraten soll, verstehe ich gar nicht. ich weis nicht warum , durch wen und meine Verwandten und Freunde wären es nicht und ich war es nicht. warum sollte ich in Erklärungsnot geraten.
Sie versuchen hier eine Schuld einzureden, die jegliche Logik vermissen läßt.

Wenn in Kiew ein Journalist und in Moskau ein Politiker ermordet werden, bedeutet das für mich, daß man in anderen Ländern seine Probleme eben anders löst.


Schönen Abend noch.

Herr Teito Klein

17.04.2015, 07:15 Uhr

Putin-Jünger neutralisiert
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Oles Busina, Publizist und Gegner der proeuropäischen Proteste, wurde vor seinem Haus in Kiew getötet.

Das passiert aber nicht nur in Kiew. Auch Oppositionelle worden vor dem Kreml regelrecht hingerichtet oder bei Flügen radioaktiv verseucht.
Soll ich jetzt vor Mitleid vergehen?

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