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16.10.2014

18:41 Uhr

Ukraine-Krise

Putin droht mit Drosselung von Gaslieferungen

Wladimir Putin droht das Volumen der Gaslieferungen nach Europa zu senken, falls die Ukraine Pipelines anzapfen sollte. Energiekommissar Oettinger erklärte, die EU könne einen sechsmonatigen Lieferstopp überbrücken.

Asem-Gipfel in Mailand

Gespräch zwischen Putin und Poroschenko

Asem-Gipfel in Mailand: Gespräch zwischen Putin und Poroschenko

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BelgradRussland droht mit einer Verringerung der Gaslieferungen nach Europa, falls die derzeit von der Versorgung abgeschnittene Ukraine die Transit-Pipeline anzapfen sollte. Präsident Wladimir Putin sagte am Donnerstag bei einem Besuch in Belgrad, er hoffe aber, dass es nicht soweit komme. „Wenn wir wie schon 2008 feststellen sollten, dass unsere ukrainischen Partner ohne Erlaubnis aus dem Pipeline-Exportsystem Gas entnehmen, werden wir genau wie damals das Volumen um die gestohlene Menge reduzieren.“ Ein Stresstest der EU kam jedoch zu dem Ergebnis, dass selbst im Falle eines sechsmonatigen russischen Lieferstopps kein EU-Haushalt im kommenden Winter ohne Heizung auskommen muss.

„Ich kann Ihnen versichern, dass es keine Krise geben wird, die man russischen Teilnehmern der Energie-Kooperation anlasten kann“, erklärte Putin. Er schränkte jedoch ein: „Es gibt große Transit-Risiken.“ Russland und die Ukraine streiten sich seit Monaten über die Begleichung von Milliardenschulden durch die Ukraine und über den Preis für Erdgaslieferungen. Der Staatskonzern Gazprom beliefert die ehemalige Sowjetrepublik deswegen seit Juni nicht mehr.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Die Auseinandersetzung könnte sich im Winter auf andere Länder auswirken, weil die EU ein Drittel ihres Gases in Russland kauft. Die Hälfte davon fließt durch die Ukraine, die im Winter ebenfalls viel Gas benötigen dürfte.

Die EU kann nach Angaben von Energiekommissar Günther Oettinger flexibel auf einen Lieferstopp reagieren. Dies hätten umfangreiche Tests in den 28 Mitgliedsländern sowie zehn Nachbarländern ergeben. „Wenn wir zusammenarbeiten, Solidarität zeigen und die Empfehlungen dieses Berichtes umsetzen, muss kein Haushalt in der EU der Kälte überlassen werden“, erklärte Oettinger. Falls Angebot und Nachfrage nicht von allein einen Engpass überbrücken, so könnten notfalls die Behörden eingreifen und beispielsweise strategische Reserven freigeben, einen Wechsel des Brennstoffs anordnen oder die Nachfrage beschränken.

Von

rtr

Kommentare (13)

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Herr Thomas Albers

16.10.2014, 19:05 Uhr

"Die Auseinandersetzung könnte sich im Winter auf andere Länder auswirken, weil die EU ein Drittel ihres Gases in Russland kauft."

Bei den Ölpreisen könnte man doch beim Heizen wieder auf schwarzes Gold aus Arabien zurückgreifen... Wenn's Öl zum Ausverkaufspreis gibt, warum sich einschüchtern lassen LOL

Drittes Auge

16.10.2014, 19:28 Uhr

"Die EU kann nach Angaben von Energiekommissar Günther Oettinger flexibel auf einen Lieferstopp reagieren."

Ist Oettinger begriffstutzig, dumm oder hat er Angst vor seinen amerikanischen Auftraggebern, die sich leider nicht wie beim Erdgasröhrengeschäft im letzten Kalten Krieg diesmal auf willfährige Regierungsmarionetten aus Deutschland verlassen können.

Das Risiko ist nicht ein russischer Lieferstopp sondern die ihre Rechnung nicht bezahlende US-gestützte Regierug in Kiew, die europäisches Gas aus den Transitleitungen klaut. Russland hat bei der derzeitigen Devisenknappheit wegen der Sanktionen und lieber Bürgerkrieg führenden, statt offene Rechnungen zu begleichenden Kunden ganz sicher wenig Interesse hat, auch noch die europäischen Einnahmen zu verlieren. Ohne Filter aus dem "Minsiterium für Wahrheit" müsste die Meldung daher lauten: "Die EU kann nach Angaben von Energiekommissar Günther Oettinger flexibel auf einen Gasdiebstahl reagieren."

Herr C. Falk

16.10.2014, 19:32 Uhr

Zu kurz gedacht. Wenn Russland den Teil der Gaslieferungen nach Europa einstellt, der über die Ukraine läuft, über Nord-steam allerdings weiter liefert, ensteht auch so ein Enpass für Italien, Bulgarien, Griechenland u.s.w. der nicht ohne weiters ausgeglichen werden kann, da die Leitungskapazitäten aus Drittländern nicht ausreichen. also steigt der Gaspreis wieder, wovon dann auch Russland profitiert.

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