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12.10.2014

18:23 Uhr

Ukraine-Krise

Putin ordnet Truppenabzug an

Neue Ankündigung aus Moskau: Nach dem Ende von Militärübungen in der Region Rostow sollen 17.600 Soldaten in die Kasernen zurückkehren. Das hat Russlands Präsident angeordnet.

Entspannung in der Krise?

Putin will Truppen aus Ukraine abziehen

Entspannung in der Krise?: Putin will Truppen aus Ukraine abziehen

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MoskauDer russische Präsident Wladimir Putin will rund 17 600 Soldaten aus der Grenzregion zur Ukraine zurückziehen. Sie sollen aus Rostow - einer im Süden an die Ukraine angrenzenden Region - in ihre Heimatstützpunkte zurückkehren, teilte Putins Sprecher Dmitri Peskow russischen Medien zufolge am Samstagabend mit. In der Ostukraine kämpfen prorussische Aufständische seit April gegen ukrainische Regierungstruppen.

Der Kreml hat erklärt, dass die in Rostow stationierten russischen Soldaten an Militärübungen teilgenommen hätten. Die Ukraine und der Westen haben Russland jedoch wiederholt vorgeworfen, die prorussischen Aufständischen mit Waffen, Wissen und Kämpfern zu versorgen. Westliche Staaten hatten auch wegen der Truppenbewegungen in der Region mehrfach Sanktionen gegen Russland verhängt.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Früheren Ankündigungen Russlands, Truppen von der Grenze abziehen zu wollen, hatte die Nato entgegen gehalten, diese seien nicht ausgeführt worden. Das Militärbündnis und die USA hatten im Frühjahr gesagt, dass Russland rund 40 000 Soldaten im Grenzgebiet stationiert habe. Putin beorderte die Truppen Ende Mai in ihre Heimatstützpunkte zurück. Dies wurde von den Amerikanern und der Nato zwar bestätigt, im August erklärten sie aber, die russische Seite verstärke erneut ihre Truppen in der Region. Zudem habe das Land Soldaten und Fahrzeuge über die Grenze gelassen, um die Separatisten zu unterstützen.

Mit dem jüngsten Truppenrückzug will Putin womöglich seinen guten Willen demonstrieren, bevor er am Donnerstag nach Mailand reist. Dort ist ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Vertretern der Europäischen Union geplant. Moskau könnte auch hoffen, mit der Geste die Chancen für ein Ende schmerzhafter westlicher Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu erhöhen.

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