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28.08.2014

13:38 Uhr

Ukraine-Krise

Rebellen nehmen ukrainische Armee in die Zange

VonTobias Döring, Jörg Hackhausen

Die prorussischen Rebellen gehen zum Gegenangriff über. Im Südosten des Landes eröffnen sie eine neue Front. Ein Durchbruch bis zur Halbinsel Krim scheint möglich. Angeblich kämpfen russische Soldaten an ihrer Seite.

Russische Truppen in Ukraine

Poroschenko sagt Treffen in Türkei ab

Russische Truppen in Ukraine: Poroschenko sagt Treffen in Türkei ab

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DüsseldorfNoch vor kurzem trat Oberst Andrej Lysenko selbstbewusst vor die Presse. Jeden Tag verbreitete der Sprecher der ukrainischen Armee neue Erfolgsmeldungen. Wer ihm zuhörte, musste glauben, der Sieg im Kampf gegen die prorussischen Separatisten stehe kurz bevor. Doch das war wohl etwas voreilig. Tatsächlich geraten die ukrainischen Soldaten offenbar in die Defensive. Sie drohen im Südosten des Landes in die Zange genommen zu werden.

Bei Donezk und Lugansk haben die prorussischen Rebellen in den vergangenen Tagen mit einer Gegenoffensive begonnen. Sie nahmen eine wichtige Anhöhe östlich der umkämpften Stadt Donezk ein. Gleichzeitig rücken Aufständische auch im Südosten des Landes nahe der ukrainisch-russischen Grenze vor. Damit eröffnen sie eine zweite Front – möglicherweise dank direkter Unterstützung aus Russland.

Ukraine: Poroschenkos 15-Punkte-Friedensplan

Sicherheitsgarantie

- Sicherheitsgarantien für alle Teilnehmer an Verhandlungen.

- Befreiung von strafrechtlicher Verfolgung derjenigen, die die Waffen niederlegen und keine schweren Verbrechen begangen haben.


Pufferzone

- Freilassung von Gefangenen.

- Schaffung einer Pufferzone von zehn Kilometern an der russisch-ukrainischen Grenze. Abzug illegal bewaffneter Formierungen.

Rückzug

- Garantierter Korridor für den Abzug russischer und ukrainischer Söldner.

- Entwaffnung.

Absicherung

- Schaffung von Einheiten innerhalb der Struktur des Innenministeriums für die Absicherung gemeinsamer Patrouillen.

Machtorgane

- Freigabe illegal besetzter administrativer Gebäude in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Wiederherstellung der Tätigkeit der örtlichen Machtorgane.


Dezentralisierung

- Wiederaufnahme der zentralen Fernseh- und Radioübertragung in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Dezentralisierung der Macht (durch die Wahl von Komitees, Schutz der russischen Sprache, Projekt einer Verfassungsänderung).


Wahlen

- Absprache der Gouverneure mit den Vertretern des Donbass vor Wahlen (Einigung auf eine Kandidatur, bei Uneinigkeit trifft der Präsident die Entscheidung).

- Vorgezogene Kommunal- und Parlamentswahlen.

Industrie und Infrastruktur

- Programm für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region.

- Wiederaufbau von Industrieobjekten und sozialer Infrastruktur.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach am Donnerstag davon, es seien „russische Truppen in die Ukraine geschickt“ worden. Die Lage habe sich „extrem verschärft“. Einen Staatsbesuch in der Türkei sagte Poroschenko ab. Die Regierung in Kiew sieht es als erwiesen an, dass Russland hinter dem Erstarken der Rebellen steckt, die einen Anschluss an das Nachbarland fordern.

Die Aufständischen erklärten, sie seien mit Panzern in die Stadt Nowoasowsk eingedrungen, als Nächstes wolle man Mariupol einnehmen. „Die Befreiung der Stadt ist eine Sache von Tagen“, kündigte ein Sprecher der Separatisten an. Von ukrainischer Seite wurde der Vormarsch der prorussischen Rebellen bestätigt. Die ukrainische Armee konzentriere sich nun auf die Verteidigung von Mariupol. Der Stadt mit 500.000 Einwohnern ist strategisch von großer Bedeutung. Sie verfügt über einen Seehafen und ist ein bedeutendes Zentrum der Metallindustrie. Wer sie kontrolliert, kontrolliert auch den Weg zur Halbinsel Krim, die Russland im März annektiert hatte.

Kommentare (13)

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Herr Wladimir Jablonowski

28.08.2014, 13:52 Uhr

@Redaktion: "Sie drohen im Südwesten des Landes in die Zange genommen zu werden." gemeint war bestimmt "... im Süd-Osten ...", oder?

Herr Illu Minator

28.08.2014, 14:03 Uhr

Es ist doch interessant, wie lange eine solche Meldung in einer von ganz oben (NY und Fleetstreet, London) gesteuerten und gleichgeschalteten deutschen Presse dauert. Diese Offensive wurde andernorts - insbesondere in englischsprachigen Quellen (u.a. auch "Separatisten"-Blogs, die natürlich völlig unglaubwürdig sind, im Gegensatz zu Reuters und Konsorten) - schon seit ca. 1 Woche (teils schon länger) beschrieben mit Frontverlaufskarten.

http://globaleconomicanalysis.blogspot.de/2014/08/janes-defense-caught-with-pants-down.html
(das ist eigentlich ein Wirtschaftblog, der sich nur am Rande mit Politik beschäftigt! Wen es interessiert, bitte mittels den Verweisen im Text zu den ersten Meldungen von Mish über Separatisten-Offensive durchhangeln).

Die Verbreitung der Lügen des Kiewer Putschregimes hingegen klappt in der Westblock-Presse "zeitnah".

http://www.zerohedge.com/news/2014-08-28/ukraine-accuses-russia-launching-invasion-then-promptly-retracts

Es ist ganz offensichtlich, das US-Regime verliert immer mehr die Kontrolle an allen Fronten, nicht nur in der Ukraine, sondern auch bei den Verbündeten, die langsam einsichtig werden:

http://www.zerohedge.com/news/2014-08-27/merkel-slams-us-hegemony-america-cant-solve-all-worlds-problems-anymore

Auch an der finanziellen Front bröckelt das Imperium zunehmens:

http://www.zerohedge.com/news/2014-08-27/gazprom-begins-accepting-payment-oil-ruble-yuan

Vermutlich dürfen wir uns bald auf ein neues 9-11-"Event" einstellen, wie immer wenn die (Anglo-)Amerikaner nicht mehr weiterwissen. Hoffen wir nur, daß dieses keinen Weltkrieg startet.


Herr Eckhard Ritter

28.08.2014, 14:07 Uhr

Den Krieg hat Kiew begonnen. Nun droht Kiew den Krieg zu verlieren, da die Separatisten seit 4 Tagen erhebliche Erfolge aufzuweisen haben. Spätestens zum russischen Winter ist definitiv Schluss. Kiews einzige Chance ist es, dass der Westen interveniert, und das ist schon seit Monaten klar. Nur, der Westen hat in der Ukraine nichts zu suchen, genauso wenig wie Russland in Mexiko zu suchen hat. Die EU- und Nato-Osterweiterung haben das Potential uns in einen großen Krieg hineinzuführen. Dumme Idee.
Auch seit Monaten kennen wir die Karte von Neurussland. Die Grenze verläuft von Karkiv im Nordosten bis nach Odessa im Südwesten. In diesen Gebieten leben die ethnischen Russen und die Separatisten werden ein leichtes Spiel haben. Ein Heimspiel gewissermaßen.

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