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16.05.2014

13:11 Uhr

Ukraine-Krise

Russland verhandelt mit China über Gasabkommen

Im Konflikt mit Russland droht der Westen immer lauter mit Wirtschaftssanktionen. Dabei versucht er auch, China mit ins Boot zu holen. Doch die Volksrepublik hat ein anderes Problem – und braucht Russland als Partner.

Eine Gas-Pipeline im russischen Sudzha: Über den Deal wird bereits seit mehr als zehn Jahren verhandelt. dpa

Eine Gas-Pipeline im russischen Sudzha: Über den Deal wird bereits seit mehr als zehn Jahren verhandelt.

Peking Ungeachtet der westlichen Sanktionen gegen Moskau steht China vor dem Abschluss eines milliardenschweren Gasgeschäfts mit Russland. Beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin kommende Woche soll es besiegelt werden, wie das Pekinger Außenministerium bekräftigt. China wird zwar unter anderem von den USA bedrängt, derzeit keine Geschäfte mit Russland zu machen. Doch benötigt die Volksrepublik dringend neue Energiezufuhr.

Über den Deal wird bereits seit mehr als zehn Jahren verhandelt. Zuletzt stritten die Partner über den Preis. „Wir beraten immer noch mit Moskau“, sagte der stellvertretende Außenminister Cheng Guoping am Donnerstag. Doch stehe jetzt der Großteil des Abkommens zwischen den beteiligten Firmen, und man versuche alles, um einen Abschluss während Putins Besuch zu erreichen. Experten vermuten, dass Moskau wegen seiner politischen Isolation in der Ukraine-Krise im Preisgeschacher nachgibt, um das Energiebündnis unter Dach und Fach zu bekommen und sich neue Märkte im Osten zu sichern.

Nach einer vorläufigen Vereinbarung vom März 2013 soll der russische Energieriese Gazprom ab 2018 pro Jahr 38 Milliarden Kubikmeter Gas liefern. China hat die Option, auf 60 Milliarden Kubikmeter jährlich zu erhöhen. Das Gas aus Westsibirien soll über eine neu zu bauende Pipeline nach Nordostchina fließen. Der Deal ist auf 30 Jahre angelegt.

China leidet seit langem unter einem Mangel an Erdgas. Die kommunistische Führung hat großes Interesse, mit der relativ sauberen Energiequelle die schmutzige Kohle zu ersetzen und so die grassierende Luftverschmutzung zu bekämpfen. Und obwohl zuletzt US-Finanzminister Jacob Lew seinen Unmut über eine mögliche Aushöhlung der Russland-Sanktionen in Peking vortrug, dürften die Argumente für das vor langem eingefädelte Geschäft in China überwiegen.

„Das ist nichts, was man einfach ausknipsen kann, nur weil die USA wegen der jüngsten Ereignisse verärgert sind“, sagt die Analystin Rachel Calvert von der Beratungsfirma IHS. Andere Experten sehen eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gasvertrag tatsächlich in den nächsten Tagen zustande kommt.

China hat ohnehin deutlich gemacht, dass es die von den USA und Europa verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland nicht mitträgt. Diese würden von den USA überschätzt, sagte der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao nach Lews Gesprächen in Peking.

Putins China-Besuch wirft ein Schlaglicht darauf, wie sehr sich die Rolle der beiden Staaten auseinanderentwickelt. China schickt sich an, im nächsten Jahrzehnt die USA als größte Wirtschaftsmacht der Welt zu überholen. Politisch tritt das Land gegenüber seinen Nachbarn immer machtvoller auf.

Dagegen leidet die russische Wirtschaft inzwischen deutlich unter den Folgen des Konflikts mit der Ukraine und mit dem Westen. Die Europäische Zentralbank schätzt, dass seit Ausbruch der Krise 160 Milliarden Euro aus Russland abgeflossen sind. Und hinter diesem Konflikt - so sehen es jedenfalls im Westen viele - steht ja die russische Furcht, in seiner Region an Einfluss zu verlieren.

Mit dem Gasgeschäft könnte Russland seine Beziehungen zu China erheblich festigen. Am Dienstag soll Putin auf einer zweitägigen Sicherheitskonferenz in Shanghai mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammentreffen.

Von

ap

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