Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2014

03:54 Uhr

Ukraine-Krise

USA und EU belegen Russland mit weiteren Sanktionen

Die EU hat sich auf neue Sanktionen gegen Russland geeinigt. Am Freitag treten sie in Kraft. Die Strafmaßnahmen sollen die russischen Energiekonzerne treffen. Am Abend haben sich auch die USA der EU-Linie angeschlossen.

Sanktionen drücken auf die Börse

EU-Sanktionen gegen Moskau - Dax fällt

Sanktionen drücken auf die Börse: EU-Sanktionen gegen Moskau - Dax fällt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BrüsselZeitgleich mit der EU verhängen die USA wegen der Ukrainekrise weitere Sanktionen gegen Russland. Details der neuen Strafmaßnahmen gegen die Finanz-, Energie- und Verteidigungsbereiche der russischen Wirtschaft sollten am Freitag verkündet werden, teilte Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington mit.

Russland werde in dem Konflikt dadurch politisch noch stärker isoliert, die Kosten für die Wirtschaft des Landes würden erhöht. Die US-Regierung wird in erster Linie die Sberbank, das größte Finanzinstitut Russlands, mit Sanktionen belegen, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Donnerstag. Bei fünf anderen russischen Geldhäusern, dazu zählten die VTB Bank, Gazprombank, Bank of Mosow, VEB und Russian Agriculture Bank, sollen die bereits bestehenden Strafmaßnahmen verschärft werden.

Sberbank ist mehrheitlich in Besitz der russischen Zentralbank, rund 44 Prozent der Anteile halten ausländische Fonds. Das Geldhaus hält fast ein Drittel des Vermögens des russischen Bankensektors, es ist einer der größten Kreditgeber der russischen Wirtschaft und hält den höchsten Anteil an Spareinlagen in Russland.

„Wir setzen diese neuen Maßnahmen angesichts der russischen Schritte in Kraft, die Ukraine im vergangenen Monat weiter zu destabilisieren, mitunter durch die Präsenz schwer bewaffneter russischer Truppen im Osten der Ukraine“, hieß es in der Mitteilung aus dem Weißen Haus. Seit der in Minsk vereinbarten Waffenruhe beobachte man die Entwicklungen in dem Konflikt genau. Schlüssige Beweise einer echten Entspannung der Lage sei Moskau aber nach wie vor schuldig geblieben.

US-Präsident Barack Obama will am Freitag Details zu weiteren Sanktionen gegen Russland nennen. Zuvor hatte die Europäische Union (EU) die Daumenschrauben angezogen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigte am Donnerstag an, die bereits beschlossenen verschärften Strafmaßnahmen gegen Moskau würden am Freitag in Kraft treten.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Auch die Europäische Union verhängt in der Ukraine-Krise am Freitag neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Darauf einigten sich die Botschafter der 28 EU-Staaten am Donnerstag in Brüssel. Die Sanktionen werden aber von einer Erklärung des EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy begleitet, sagten EU-Diplomaten.

Die neuen Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen Russland treten am Freitag in Kraft. Darauf einigten sich die EU-Botschafter am Donnerstag in Brüssel, wie EU-Diplomaten der Nachrichtenagentur AFP sagten. Nachdem die EU bereits mehrheitlich staatlichen russischen Banken die Kreditaufnahme in Europa erschwert hat, nimmt das neue Sanktionspaket Diplomaten zufolge etwa auch die Ölkonzerne Rosneft und Transneft sowie die Ölsparte des Energieriesen Gazprom ins Visier.

Die EU-Sanktionen sollen vor allem den Zugang russischer Banken zum EU-Kapitalmarkt erschweren, Hochtechnologieexporte für die Ölförderung in der Arktis verbieten und die russische Rüstungsindustrie treffen. Auch die Verbotsliste der EU wurde um 24 Namen auf 119 erweitert. Diese Personen dürfen nicht mehr in die EU reisen. Außerdem wurde ihr in der EU befindliches Vermögen eingefroren.

Kommentare (56)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr C. Falk

11.09.2014, 13:05 Uhr

Merkel war nach em Natogipfel wie ausgetauscht. Nachdem sie vor dem Gipfel eher eine moderate Linie gefahren hat, was die Sanktionpolitik gegen Russland angeht, ist sie ins Lager der Hardliner übergewechselt, deutsche Wirtschaftsinteressen und die Energiesicherheit spielen plötzlich keine Rolle mehr.

Offensichtlich ist kalter Krieg mit allen Konsequenzen angesagt, bis hin zu Mauer-bau und Stacheldraht, was die bevorzugte Politik eines Herrn Jazenjuk und dessen Berater zu sein scheint.

Wer mit Gas heizt, sollte sich einen Schwedenofen besorgen, und beim nächsten Waldbesitzter ein paar Ster Tannen-oder Buchenholz.

Herr Jürgen Realo

11.09.2014, 13:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Günther Schemutat

11.09.2014, 13:31 Uhr

Sollte sich Bayern eines Tages für selbständig erklären,was passiert dann? Gibt es Sanktionen keine Oktoberfeste mehr in Deutschland und Weisswürste werden engefroren?

Mit anderen Worten die Ukraine ist nicht Neu Russland sondern ein Teil von Russland. Russland wurde in der Ukraine geboren. Also weg mut den Sanktionen und

Vielleicht mal über den 11 September 2001 berichten und an die Schuld von ROT/GRÜN erinnern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×