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03.12.2013

07:18 Uhr

Ukraine

Notenbank in Kiew fürchtet Sturm auf die Banken

Die Wut des ukrainischen Volkes scheint Wirkung zu zeigen. Das Abkommen mit der EU ist wieder im Gespräch. Doch die Opposition will einen Regierungswechsel. Notenbanker fürchten derweil einen Bankenrun.

In Kiew gingen die Massenproteste am Montag mit voller Kraft weiter. Reuters

In Kiew gingen die Massenproteste am Montag mit voller Kraft weiter.

Kiew/BerlinDie Proteste gegen die Regierung der früheren Sowjetrepublik Ukraine reißen nicht ab. In der Hauptstadt Kiew verbrachten mehrere tausend Oppositionsanhänger trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt die Nacht zum Dienstag in Zelten auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz (Maidan). Sie kündigten eine erneute Blockade des Regierungsviertels an. Ausgenommen werden soll das Parlament, auf dessen Programm die mögliche Abwahl von Ministerpräsident Nikolai Asarow steht. Der Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko zeigten sich optimistisch, dass die Regierungsgegner genug Stimmen dafür zusammenbekommen werden.

Die inhaftierte Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko rief die Europäische Union zur Unterstützung der Opposition in der Ukraine auf. Der Westen dürfe die „autoritäre Politik“ von Präsident Viktor Janukowitsch nicht dulden, zitierte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko aus einer Botschaft. Ihrer Mutter gehe es trotz eines bereits achttägigen Hungerstreiks gut, sagte sie in einer Mitteilung von Timoschenkos Vaterlandspartei. Die Oppositionspolitikerin protestiert mit der Nahrungsverweigerung dagegen, dass die Führung um Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hat.

Euromaidan - Was steckt dahinter?

Wortkreation

Euromaidan ist eine linguistisch wie soziologisch spannende Wortkreation, die der Lage der Ukraine zwischen Ost und West - geografisch wie politisch - Rechnung trägt. Der Urheber des Begriffs ist nicht bekannt, möglicherweise ist Euromaidan eine Frucht des kollektiven Unterbewusstseins einer Nation.

Woraus setzt sich Euromaidan zusammen?

Die Bedeutung des ersten Teils des Wortes, „Euro“, liegt auf der Hand: Europa. „Maidan“ klingt für westeuropäische Ohren zunächst mysteriös. Das Wort hat persische Wurzeln und wurde vermutlich von den Osmanen ins Land gebracht. Es bedeutet „Platz“ oder „offener Ort“. Euromaidan deshalb mit „Europaplatz“ zu übersetzen, wäre zwar technisch korrekt, würde jedoch zu kurz greifen, denn es würde die emotionale Dimension außer Acht lassen, die dem Begriff seine Kraft verleiht.

Europa

Geografisch gehört die Ukraine zu Europa. Für die Demonstranten in den Straßen von Kiew ist Europa jedoch ein Konzept, eine lebhafte aber frustrierend weit entfernet Vision. Europa steht in ihren Augen für echte Demokratie, vertrauenswürdige Polizei und aufrichtigen Respekt der Menschenrechte.

Maidan

Maidan bezieht sich zunächst einmal auf den „Maidan Nesaleschnosti“ (Platz der Unabhängigkeit) im Zentrum von Kiew. Zerstört im Zweiten Weltkrieg, wurde er zur Sowjetzeit im Stil der Stalin-Architektur wieder aufgebaut - weder düster noch einschüchternd in seiner Ausstrahlung, doch mit Gebäuden hoch genug, um zu beeindrucken. Es herrscht eine angenehme Stimmung auf dem Platz und wenn sich die Kiewer dort verabreden, nennen sie ihn fast zärtlich bei seinem ersten Namensteil: „Lass uns auf dem Maidan treffen.“

Euromaidan

Wenn nun Europa und Maidan zu einem Wort verschmelzen, wird daraus vor allem eine Idee, losgelöst vom Platz. Und es ist nicht das erste Mal, dass der Kiewer Maidan Schauplatz von Protesten für westliche Werte wird. Während der Orangenen Revolution 2004 war der Platz das Zentrum der täglichen Demonstrationen, die zur Aufhebung der Präsidentenwahlen führte. Schon damals war Maidan eine zweisilbige Versinnbildlichung friedlichen Widerstands und entschlossener Handlung. Die Ausstrahlung von Euromaidan ist kräftig genug, dass ukrainische Medien die Wortschöpfung übernehmen und inzwischen sämtliche Protestaktionen im Land damit umschreiben.

Ambivalenz des Begriffs

Die Welle des zivilen Widerstands 2004 war ergreifend und mitreißend, doch die Hoffnungen, die mit der Orangenen Revolution verbunden waren, blieben weitgehend unerfüllt. Auf den Umschwung folgten Jahre geprägt von Streit und Ernüchterung. 2010 wählten die Ukrainer Viktor Janukowitsch zu ihrem Präsidenten, denselben Mann, der die 2004 rückgängig gemachte Wahl nominell gewonnen hatte. Die Heldin der Revolution, Julia Timoschenko, landete wegen Machtmissbrauchs als Regierungschefin im Gefängnis.
Daher ist auch die endgültige Bedeutung von Euromaidan zunächst noch undefinierbar. Es muss sich noch herausstellen, ob der Begriff für Erfolg oder Scheitern steht.

Hunderttausende Menschen hatten auch am Montag in Kiew den Rücktritt von Asarow und Janukowitsch sowie einen Westkurs ihres Landes gefordert. Die Wut der pro-europäischen Ukrainer hatte sich aufgestaut, seit Janukowitsch vor gut zehn Tagen auf Druck aus Russland ein lange geplantes Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt hatte. Seitdem gibt es Massenproteste gegen Janukowitsch und für die Fortsetzung der Annäherung an die EU. Am Sonntag hatten sich trotz eines Demonstrationsverbots für die Innenstadt mehr als 100.000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz versammelt.

Mit Blick auf die politischen Turbulenzen sucht die Notenbank der Ukraine einen Ansturm auf die Geldhäuser zu verhindern. Die Bürger sollten auf das Bankensystem vertrauen und ihre Konten nicht räumen, mahnte die Zentralbank am Montag.

Kommentare (4)

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neunundneunzigprozent

03.12.2013, 08:53 Uhr

Hier haben nur Bankster Angst mit ihrem Schuldgeldsystem das weltweit existiert und ein grosses Schneeballsystem ist.
Nichts weiter!!!
Wen einer anfängt...aber es knirscht an allen Ecken.
Warum liebe Mainstream berichtet ihr so gut wie garnicht darüber, was in Europa im Zimmer Frankreich auch gerade los ist mit den Rot-Mützen!!!
Deutscher Michel wach auf!!!
Ein Ruck durch Deutschland.
http://www.youtube.com/watch?v=iLzoNQJ6_jw

Karsten

03.12.2013, 09:35 Uhr

Die inhaftierte Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko rief die Europäische Union zur Unterstützung der Opposition in der Ukraine auf. Der Westen dürfe die „autoritäre Politik“ von Präsident Viktor Janukowitsch nicht dulden, zitierte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko aus einer Botschaft.

Ich sehe es so, wäre es wirklich ein autoritäres Regime, wären keine Demonstranten mehr auf der Strasse, sie würde man wohl eher auf dem Friedhof oder im Gefängnis finden!

RumpelstilzchenA

03.12.2013, 10:53 Uhr

Westliche Demagogen mit der Box-Birne, Klitschko, als Schaufelbagger gegen den gewählten Staat, müssen doch die Ukraine mit ihrem Terrorismus endlich zu Fall bringen.
USA benötigt neue Raketenstandorte gegen den Iran, meinen aber Russland.
Ein Aufgabengebiet für die neue SED-Führung unter Erika.

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