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03.02.2015

12:12 Uhr

Ukraine

Schlicht und einfach Krieg. Mitten in Europa.

VonHelmut Steuer

Russlandtreue Separatisten wollen 100.000 Kämpfer mobilisieren. Junge Ukrainer dürfen das Land nicht mehr verlassen, weil sie eingezogen werden. Der Osten der Ukraine brennt und Europa ist ratlos. Eine Analyse.

Amnesty International kritisiert

Sollten die USA Waffen an die Ukraine liefern?

Amnesty International kritisiert: Sollten die USA Waffen an die Ukraine liefern?

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StockholmUS-Raketen für die Ukraine? Tatsächlich erwägen die USA, der Ukraine Waffen zur Verteidigung gegen die von Russland unterstützten Separatisten im Osten des Landes zur Verfügung zu stellen. Zwar kam heute die Botschaft aus dem Weißen Haus: „In der nahen Zukunft“ würde Amerika noch keine Waffen liefern. Doch einen Bericht der „New York Times“, nach dem die USA konkret über Lieferungen nachdenken, wies der Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, nicht direkt zurück.

US-Präsident Barack Obama habe seine Berater angewiesen, laufend „alle Optionen“ zu prüfen, heißt es. Sollte es tatsächlich zu einer solchen Entscheidung kommen, wäre damit eine weitere, noch gefährlichere Eskalationsstufe in diesem seit fast einem Jahr herrschenden Krieg erreicht.

Es ist wahr: Die diplomatischen Bemühungen haben trotz unermüdlicher Versuche bislang zu überhaupt keinem Erfolg geführt. Auch die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen die Eskalationspolitik des Kremls fruchten bislang nicht. Im Gegenteil: Die Kämpfe in der Ostukraine sind in den vergangenen Tagen erneut eskaliert.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.


Die Gefechte um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewo haben eine Gewaltstufe erreicht, die den Begriff Konflikt als zynisch erscheinen lässt. Es herrscht schlicht und einfach Krieg. Mitten in Europa. Allein seit dem Wochenende kamen in der Region rund 50 Menschen ums Leben, darunter wieder viele Zivilisten. Und die ukrainische Armee ist auf dem Rückzug, die Übermacht russischer Kämpfer und Waffen ist einfach zu groß.

Die von Russland mit modernem Kriegsgerät unterstützten Separatisten haben zudem angekündigt, schon in der kommenden Woche bis zu 100.000 Kämpfer mobilisieren zu wollen. Die Zahl ist sicherlich übertrieben, doch die Ansage zeigt auch, wie kompromisslos sich die Rebellen geben. Und sie können sich diese Übertreibungen leisten, denn für Nachschub ist stets gesorgt.

Kommentare (120)

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03.02.2015, 12:27 Uhr

Leider hat Putin (zumindest in dieser Sache) doch Recht. Die neuen Kiewer Machthaber werden doch schon seit geraumer Zeit mit Waffen beliefert! Und die EU? Ausser hochbezahlten Selbstbedienern nichts zu sehen. Der Spruch "F... the EU" ist zwar von der Wortwahl nicht fein, aber in der Sache eine drastische Bezeichnung des realen Zustandes dieses Molochs in Brüssel., er schadet allen ausser seinen Protagonisten selbst, die bedienen sich nach Herzenslust während Europa in allen Belangen den Bach runtergeht. Und der deutsche Steuerzahler, Sparer und Rentner zahlt das alles ohne jemals gefragt zu werden: das kann nicht gut ausgehen!

Herr Holger Thom

03.02.2015, 12:40 Uhr

Soviel zum Friedensprozess. Weder die USA (die Rüstungsindustrie lässt grüßen) noch unsere deutschen Politiker, die ja wieder schweigen, wollen einen echten Frieden. Um Frieden zu schaffen, muss man auch mal Kompromisse eingehen. Statt also immer weiter Öl ins Feuer zu gießen, sollte man mal über die Möglichkeit einer autonomen Republik dort nachdenken. Putin hin oder her, hier geht es um die Ukraine. Im ehemaligen Jugoslawien hat es auch keinen gestört, als dies in lauter Kleinstaaten aufgespalten wurde. Dafür ist dort jetzt Frieden, was Frau Merkel und Co. wohl nicht registriert haben. Nicht immer Herrn Obama hinterher rennen. Die USA hatte schon immer Kriege weit weg von zu Hause geführt, und eigentlich noch nie wirklich gewonnen. Die Suppe müsste auch wieder Europa auslöffeln, nicht die USA. Ich erwarte ein eindeutiges „Nein“ unserer Politiker zu Waffenlieferungen der USA. Übrigens bin ich kein Putin-Fan. Aber echte Beweise für russische Truppen auf dem Boden der Ukraine gibt es bis heute nicht, obwohl dort allesmögliche gefilmt wird und Satelliten heutzutage Streichholzschachteln auf der Straße sehen. Das Wichtigste ist aber ein Frieden zu erreichen, bevor sich ein Krieg weiter ausbreitet.

Herr Otto Berger

03.02.2015, 12:47 Uhr

Krieg in Europa ? Das ist eine Realität und zwar zwischen den Stellvertretern der USA (Ukrainisches Regime) und Russland (Separatisten). Das Kiewer Regime will lt. Poroschenko die ganze Ukraine, die Separatisten nur den Osten der Ukraine. Bei exakter Bewertung der Sachlage sind die Separatisten wegen der kürzeren Versorgungswege stark im Vorteil und das könnte immerhin dazu führen, dass die Separatisten in der Zukunft das Eroberungsziel auf die gesamte Ukraine, ohne Krim, ausdehnen. Sollte die NATO das durch direktes Eingreifen zu v erhindern versuchen, gibt es Krieg mit Russland. (WKIII)

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