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30.10.2014

19:19 Uhr

Ukraine und Russland

„Wenn es Geld gibt, gibt es Gas“

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland geht weiter: Für den Abend sind neue Verhandlungen angesetzt. Der ukrainische Präsident hat indes Hoffnung auf eine Lösung des Gasstreits geäußert.

Gaspipeline in der Ukraine: Kiew soll im Gasstreit erst einmal Geld vorschießen. dpa

Gaspipeline in der Ukraine: Kiew soll im Gasstreit erst einmal Geld vorschießen.

BrüsselPoker in Brüssel: Nach stundenlangen Verhandlungen im Gasstreit haben sich die Ukraine und Russland auf den Donnerstagabend vertagt. Kiew habe bislang keine schriftlichen Garantien für eine von Moskau geforderte Vorauszahlung für Gaslieferungen vorgelegt, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak russischen Agenturen zufolge am Donnerstagmorgen.

Der Chef des Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, nahm die vermittelnde Europäische Union in die Verantwortung: Die EU-Kommission und die Ukraine müssten sich in bilateralen Gesprächen über Garantien aus Brüssel einigen.

„Uns wurde erklärt, dass die Ukraine Mittel zur Vorauszahlung eines Gasvolumens von vier Milliarden Kubikmetern sucht“, sagte Nowak. „Wenn es Geld gibt, gibt es Gas“, erklärte der Minister. Gazprom-Chef Miller machte deutlich, es werde kein weiteres Treffen und keine Unterschrift geben, wenn sich die EU-Kommission und die Ukraine nicht über eine Garantie einig würden.

Moskau und Kiew im Streit ums Gas

1. April 2014

Im Kampf um die Macht im Osten der Ukraine erhöht Moskau mit deutlich höheren Gaspreisen den wirtschaftlichen Druck auf das vor dem Bankrott stehende Land.

6. April

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk wirft dem Nachbarland „wirtschaftliche Aggression“ vor. Kiew werde die massiv erhöhten Preise nicht zahlen.

11. April

Moskau sichert seinen europäischen Gaskunden Vertragstreue zu. Kremlchef Wladimir Putin verlangt aber, die Milliardenschulden der prowestlichen Regierung in Kiew umgehend zu tilgen.

16. Juni

Wegen ukrainischer Schulden in Milliardenhöhe hat Russland seine Gaslieferungen an die frühere Sowjetrepublik eingestellt. Der Staatskonzern Gazprom will nur noch gegen Vorkasse liefern.

8. August

Kiew droht Moskau erstmals mit einem völligen Stopp des Transits von Gas und Öl nach Westeuropa.

2. September

Die Ukraine kann künftig Gas aus der Slowakei beziehen, um weniger abhängig von Russland zu sein. Die dafür benötigte Leitung wird nach zweiwöchiger Testphase offiziell eröffnet.

26. September

Die Chancen auf eine Lösung im Gasstreit sind nach Angaben der EU-Kommission erheblich gestiegen. Es seien Eckpunkte erarbeitet worden, um die Versorgung Europas und der Ukraine bis Ende März 2015 zu sichern, sagt der vermittelnde EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

19. Oktober

Moskau und Kiew haben dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zufolge eine vorläufige Einigung für den Winter erzielt.

21. Oktober

Verhandlungen in Brüssel werden auf den 29. Oktober vertagt. Es seien bereits „wichtige Fortschritte“ erzielt worden, sagt Oettinger.

Strittig war zuletzt, wie die Ukraine die Summe von rund 1,6 Milliarden Dollar aufbringen soll, die Russland bis zum Jahresende für Lieferungen verlangt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der im Streit vermittelt, hatte sich zu Beginn der Gespräche am Mittwoch optimistisch gezeigt und von einem „hoffentlich letzten Dreiergespräch“ gesprochen. Der Druck auf Oettinger nimmt damit zu.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel unterdessen Hoffnung auf eine Lösung des Gasstreits mit Russland geäußert. Beide Politiker hätten die Wichtigkeit einer verlässlichen Gaslieferung in die Ukraine während des Winters betont, teilte das Präsidialamt in Kiew am Donnerstag mit. Vertreter der Ukraine und Russlands wollten noch am Abend unter Vermittlung der EU in Brüssel weiter im Gaskonflikt verhandeln. Moskau will das Nachbarland wieder mit Energie beliefern, wenn Kiew einen Teil der Milliardenschulden für russisches Gas bezahlt.

Merkel und Poroschenko hätten zudem die für diesen Sonntag (2. November) geplanten „Pseudowahlen“ in den von prorussischen Separatisten kontrollierten ostukrainischen Gebieten verurteilt. Die Abstimmung verstoße gegen das am 5. September im weißrussischen Minsk unterzeichnete Waffenstillstandsprotokoll, hieß es.

Von

dpa

Kommentare (8)

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aza azaziel

30.10.2014, 08:02 Uhr

Die Russen werden taeglich gedemuetigt und mit Sanktionen drangsaliert. Erwartet jemand ernsthaft, die Russeen wuerden ihr Gas auf Kredit an die Ukraine geben?
Da gibt es eigentlich gar nichts zu verhandeln.

Herr reiner tiroch

30.10.2014, 08:27 Uhr

genau! es soll halt pausenlos der Menschheit vermittelt werden wie böse doch der Putin ist.

Herr Walter Smirnoff

30.10.2014, 09:24 Uhr

Weshalb soll die EU bezahlen?
Die USA alleine steckt doch hinter der Sache, wie immer überall wenn es um Kriege geht!
Sanktionen nicht gegen Russland sonder gegen die Amis!

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