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23.06.2015

14:45 Uhr

Ukrainischer Ex-Präsident dankt Putin

Janukowitsch taucht aus der Versenkung auf

Der ehemalige ukrainische Präsident Janukowitsch hat sich überraschend zu Wort gemeldet und eine Mitverantwortung für das Blutvergießen auf dem Maidan in Kiew eingeräumt. Wladimir Putin nannte er einen Lebensretter.

Im Oktober 2013 arbeiteten sie noch als Staatschefs zusammen: Viktor Janukowitsch (l.) und Wladimit Putin. dpa

Viktor Janukowitsch trifft Wladimir Putin

Im Oktober 2013 arbeiteten sie noch als Staatschefs zusammen: Viktor Janukowitsch (l.) und Wladimit Putin.

Moskau/LondonMehr als ein Jahr nach seinem Sturz hat der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch eine Mitverantwortung für das Blutvergießen auf dem Platz der Unabhängigkeit, dem Maidan, in Kiew eingeräumt. „Ich leugne meine Verantwortung nicht“, sagte Janukowitsch in einem am Dienstag von der britischen BBC veröffentlichten Interview. „Wahrscheinlich habe ich nicht genug getan“, um die Krise zu verhindern.

Bei den Protesten im Winter 2013/2014 waren rund 100 Menschen getötet worden. Vorwürfe, einen Schießbefehl gegen die Demonstranten gegeben zu haben, wies er zurück. „Ich war kategorisch dagegen“, betonte er.

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat Janukowitsch für dessen Einsatz als sein Lebensretter gedankt. Mit Hilfe russischer Soldaten war er am 23. Februar 2014 außer Landes geflüchtet. Er sei Putin dankbar, den Befehl zu dieser Aktion gegeben und „mein Leben gerettet zu haben“, sagte der Ex-Präsident.

So flüchtete Viktor Janukowitsch

Freitag, 21.2., abends

Janukowitsch und enge Vertraute, darunter Präsidialamtschef Andrej Kljujew, fliegen mit Hubschraubern in die ostukrainische Millionenstadt Charkow. Dort wollen sie am Samstag an einem Kongress von regierungstreuen Gouverneuren, Bürgermeistern und Abgeordneten aus dem prorussischen Osten und Süden teilnehmen.

Samstag, 22.02., tagsüber

Janukowitsch hält sich in einer Staatsresidenz in Charkow auf. Eine Teilnahme am Kongress lehnt er nun ab. Der abgesetzte Präsident gibt ein Interview und betont, er werde weder zurücktreten noch das Land verlassen. Später fliegt er per Hubschrauber in die Stadt Donezk.

Samstag, 22.02., abends

Gemeinsam mit bewaffneten Leibwächtern will Janukowitsch am Flughafen Donezk in zwei VIP-Maschinen vom Typ „Falcon“ umsteigen. Der Grenzschutz verweigert die Abfertigung – wegen angeblich fehlender Dokumente. Janukowitsch wird in einer gepanzerten Limousine in eine Residenz gefahren. Nach mehreren Stunden bricht er in Richtung der Halbinsel Krim auf.

Sonntag, 23.02., tagsüber

Janukowitsch trifft auf der Krim ein, er sucht Zuflucht in einem privaten Erholungsheim. Staatliche Gebäude meidet er. Als er erfährt, dass die kommissarischen Chefs von Innenministerium und Geheimdienst auf dem Weg zur Krim sind, fährt Janukowitsch in Richtung des internationalen Flughafens Sewastopol – doch dort landen bereits die neuen Machthaber.

Sonntag, 23.02., abends

Der gestürzte Präsident bricht die Fahrt ab und lässt sich zu einer Privatresidenz bei Balaklawa bringen. Er bietet seinen Leibwächtern an, zurückzubleiben und verzichtet schriftlich auf staatlichen Schutz. Ein Teil der Sicherheitskräfte zieht daraufhin ab. Die übrigen Wachen und Präsidialamtschef Kljujew besteigen gemeinsam mit Janukowitsch insgesamt drei Fahrzeuge und fahren in unbekannte Richtung davon.

Montag, 24.02., vormittags

Das Innenministerium teilt mit, dass Janukowitsch wegen „Massenmordes“ zur Fahndung ausgeschrieben sei. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet.

„Die Tatsache, dass Wladimir Putin auf Drängen seiner eigenen Spezialkräfte diese Entscheidung traf, war richtig und seine Aufgabe.“ Seinen politischen Gegnern in Kiew warf der Ex-Präsident vor, damals einen „Militärputsch“ durchgezogen zu haben. „Sie haben das Land zerbrochen, sie haben die ganze Welt in diesen Konflikt gezogen.“

Den Verlust der Halbinsel Krim und den blutigen Krieg zwischen Regierungstruppen und moskautreuen Separatisten in der Ostukraine bezeichnete er als „Tragödie“. In Paris war für Dienstagabend ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine zum Konflikt im Donbass geplant. Die diplomatischen Bemühungen werden von neuer Gewalt überschattet. Bei den Gefechten wurden nach Angaben der Konfliktparteien mindestens ein Soldat und zwei Zivilisten getötet.

Janukowitsch, der im russischen Exil lebt, sagte der BBC, er wolle eines Tages in die Ukraine zurückkehren. Nach seiner Vertreibung sorgte bei seinen Landsleuten für Empörung, dass er in einem palastähnlichen Anwesen lebte, während das Land schon damals in akuter Finanznot steckte. In dem Interview wies Janukowitsch den Vorwurf der Verschwendung zurück. So seien die Strauße in dem zum Anwesen gehörenden Zoo „einfach da gewesen“.

Kommentare (3)

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Herr Kurt Küttel

23.06.2015, 15:00 Uhr

Cool, Strauße in der Ukraine!

Herr rolf piper

23.06.2015, 15:05 Uhr

Ja, und dann hat er noch gesagt, dass 90% der Krimbevölkerung für die Rückkehr zu Russland gestimmt haben, Tja und wer Russisch kann, findet das auch noch im Interview mit der BBC, im englischen Text wurde es weggeschnitten. Freie Presse!!

Herr Josef Schmidt

23.06.2015, 15:10 Uhr

Freie Presse heist die Freiheit zu haben herauszuschneiden was sie wollen.

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