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13.06.2011

13:48 Uhr

Umfrage

Griechen verlieren das Vertrauen in die Demokratie

Die Schuldenkrise in Griechenland eskaliert immer mehr zu einer Krise des politischen Systems. Premier Papandreou büßt laut Meinungsumfrage seine Mehrheit ein. Aber auch die konservative Opposition kann von der Krise nicht profitieren.

Der harte Sparkurs von Griechenlands Premier Papandreou schadet seiner Partei. Doch auch insgesamt verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politik. Quelle: dpa

Der harte Sparkurs von Griechenlands Premier Papandreou schadet seiner Partei. Doch auch insgesamt verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politik.

AthenAusgerechnet im Mutterland der Demokratie verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politiker, die Parteien und das Parlament. Würde nächsten Sonntag gewählt, müsste der sozialistische Ministerpräsident Giorgos Papandreou um seine Mehrheit fürchten. Ein Land in tiefer Depression, nicht nur wirtschaftlich sondern auch mental: dieses Bild zeigt das jüngste Politbarometer, eine allmonatliche Umfrage, deren Ergebnisse die Zeitung „Kathimerini“ am Sonntag vorstellte. Im Vergleich zu früheren Erhebungen verzeichneten die Demoskopen des Meinungsforschungsinstituts Public Issue, das die Umfragen durchführt, eine rapide Verschlechterung der Stimmung. Sahen noch im Januar 69 Prozent der Befragten ihr Land „auf dem falschen Weg“, so sind es nun bereits 87 Prozent. Acht von zehn Griechen sind mit ihrem Leben „unzufrieden“. Und mehr als sieben von zehn Befragten fürchten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten weiter verschlechtern wird. Fast neun von zehn Griechen sind „unzufrieden damit, wie die Demokratie funktioniert“.

Das bekommt vor allem die sozialistische Regierungspartei Pasok zu spüren. Erstmals seit ihrem Wahlsieg im Oktober 2009 verlor sie in der Juni-Umfrage bei der so genannten Sonntagsfrage die Führung: die Partei von Ministerpräsident Giorgos Papandreou, die bei der letzten Wahl 44 Prozent erreicht hatte, liegt jetzt nur noch bei 27 Prozent. Nicht nur bei der Sonntagsfrage erlebt die Regierung einen steilen Absturz. Auf die Frage, welche Partei sie unabhängig von ihrer eigenen Präferenz als nächsten Wahlsieger sehen, nannten noch im Mai 43 Prozent die Pasok. Im Juni waren es nur mehr 22 Prozent. Und während im Mai 33 Prozent in Papandreou den geeigneteren Regierungschef sahen, sind es jetzt nur noch 23 Prozent. Die konservative Nea Dimokratia führt zwar bei der Sonntagsfrage erstmals mit 31 Prozent, kann aber von der Krise nicht wirklich profitieren: 92 Prozent sind zwar mit der Regierung unzufrieden, 88 Prozent aber auch mit der konservativen Opposition. Drei Viertel der Befragten meinen, keine der beiden großen Parteien sei qualifiziert, das Land zu regieren. Zu allen Spitzenpolitikern äußern die Befragten überwiegend abfällige Meinungen. Die Ablehnung reicht von 58 Prozent negativen Beurteilungen für den konservativen Oppositionsführer Antonis Samaras bis zu 69 Prozent für Ministerpräsident Papandreou.

Kommentare (36)

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Tobi

12.06.2011, 14:38 Uhr

Deutschland wird in die bittere Armut abrutschen wenn wir Griechenland, Portugal, Irland, ... weiter helfen. Wer hat uns damals bei der DDR geholfen???

Account gelöscht!

12.06.2011, 14:39 Uhr

Dass Papandreou dies Ablehnt ist klar. Er befürchtet, dass es künftig schwerer sein wird, Kredite zu erhalten.

Die Befürchtung ist richtig und resultiert aus einem eindeutigen Vorteil der Kapitalismus. Pleite-Staaten und Pleite-Banken würden vom Kapital gemieden. Ein Lerneffekt, der die Erneuerung in 'kapitalgesteuerten' Wirtschaftssystemen, deren Wiedergesundung und damit deren Erfolg begründet.

Die westlichen Regierungen setzen aber den Kapitalismus außer Kraft, wenn die Privaten (Banken) nicht beteiligt werden.

Wir steuern seit Jahren in die Planwirtschaft. Subventionen und Begünstigünstigungen verzerren die Marktwirtschaft zugunsten politikgeliebter Banken, Branchen und Großunternehmen seit Jahren. Die Witschafts-Pläne und Geldflüsse werden aber immer unüberschaubarer und letztlich zum Desaster führen wie in einer Planwirtschaft auch.

Dass reiner Kapitalismus in einer Gesellschaft nicht ausreicht, um ein sozialverträgliches Staatswesen zu haben, davon bin ich überzeugt. Aber der soziale Anteil sollte am unteren Rand der Gesellschaft, in Kinder und in Bildung und in Gesundheit investiert werden aber keinesfalls am oberen Rand.

Der Sozialismus für Banken und Großunternehmen für den westlichen Wohlstand in die Pleite.

Wir brauchen wieder mehr realen Kapitalismus für eine reale Wirtschaft. Im übrigen bin ich überzeugt, dass es Domänen des Staates geben muß. Infrastruktur, Sicherheit und Rechtssicherheit müssen in Staatshand bleiben. Der Bürger hat sie bezahlt. Das sogenannte Private Public Partnership ist mit Vorsicht zu genießen. Aber die Erfahrunge hat man ja auch bereits gemacht. Ich hoffen immer noch, dass Politiker lernfähiger und vor allem mutiger sind, als es meist aussieht.

Dada

12.06.2011, 15:22 Uhr

„Jede Revolution war die sehnsüchtige Empörung nach einer geliebteren Faust."
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Walter Serner, 1919

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