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12.07.2012

17:10 Uhr

Umfrage

Jugendliche geben Euro keine Chance

VonJohannes C. Bockenheimer, Dietmar Neuerer

Laut einer Studie des Bankenverbands sind junge Erwachsene mit den komplexen Zusammenhängen der Finanzkrise überfordert. Die Folge: Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung sinkt. Der Lehrerverband fordert Konsequenzen.

Große Sorgen um den Euro: Die Mehrheit der deutschen Jugendlichen zweifelt am langfristigen Erfolg der Gemeinschaftswährung. dpa

Große Sorgen um den Euro: Die Mehrheit der deutschen Jugendlichen zweifelt am langfristigen Erfolg der Gemeinschaftswährung.

BerlinWer heute volljährig wird, hat bereits zwei Weltwirtschaftskrisen erlebt, eine Währungsreform hinter sich und wird von Eltern und Großeltern mit Anekdoten aus den vermeintlich stabileren D-Mark-Zeiten gefüttert. Da verwundert es nicht sonderlich, dass die Skepsis gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung groß ist. Wie aus einer Studie des Bankenverbands hervorgeht, glauben rund 56 Prozent, also über die Hälfte der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, dass der Euro langfristig nicht erfolgreich sein wird. Jeder Zweite kann sich mittlerweile auch eine Zukunft ohne den Euro vorstellen. Nur die Hälfte der 14– bis 24-Jährigen (51 Prozent) glaubt, dass sich der Euro bisher bewährt habe, heißt es in der repräsentativen Umfrage.

Dem Lobby-Verband bereiten die eigenen Untersuchungsergebnisse Sorgen. Michael Kemmer, Geschäftsführer des Verbandes, sagte am Donnerstag, es bestehe die Gefahr, dass eine Generation von Euro-Skeptiker heranwachse. Zugleich „Wir müssen es uns gemeinsam zur Aufgabe machen, die Vorteile des Euro noch besser zu erklären“, sagte Kemmer.

Gleichzeitig schlagen die komplexen und nur schwer verständlichen Krisenthemen offenbar auf das Wirtschaftsinteresse der jungen Generation durch. Hatte 2009 noch ein Drittel der Befragten (sehr) starkes Interesse an Wirtschaft, ist es aktuell nur noch rund ein Fünftel.

Mit Erschrecken reagierte der Deutsche Lehrerverband auf die Ergebnisse der Studie. „Die Ergebnisse dieser Studie machen mir nicht zuletzt als Staatsbürger Sorge – zumal in einer Zeit welt- und europaweit angespannter Wirtschaftslagen“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. Ziel von Erziehung zu Hause sowie von Bildung in Schule, Berufsbildung und Hochschule müsse eben auch der „aufgeklärte, mündige Wirtschaftsbürger“ sein. Ebenso habe aber auch die Politik einen Bildungsauftrag: Sie müsse, da habe Bundespräsident Joachim Gauck durchaus Recht, ihr wirtschafts-, finanz- und währungspolitisches Handeln besser erklären. „Dieses Ziel wird ganz offenbar verfehlt, wie die Studie beweist.“

Die Beschlüsse des Euro-Gipfels im Überblick

Direkte Bankenhilfe

Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Geldhäuser direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden, heißt es in der Gipfelerklärung. Durch die Notkredite wird sich dann die öffentliche Verschuldung nicht mehr erhöhen - und die Zinsen könnten sinken. Mit dem Beschluss wird eine Kernforderung Spaniens erfüllt. Aber auch Irland wird in Aussicht gestellt, davon Gebrauch machen zu können, um die Schuldentragfähigkeit zu erhöhen. Die Hilfe soll an „angemessene Bedingungen" geknüpft werden.

Bankenaufsicht

Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe ist eine effiziente Aufsicht auf der Euro-Ebene. Die Kommission wurde beauftragt, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank beteiligt sein soll. Die Mitgliedsstaaten werden aufgerufen, den Gesetzesvorschlag vordringlich bis Ende des Jahres zu prüfen.

Rettung für spanische Banken

Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bislang vorgesehen, sollen die Kredite der Europartner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft.

Spar- und Reformverpflichtungen

Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachgehen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie sich keinem zusätzlichen Anpassungsprogramm unterwerfen. Sie müssen lediglich eine Vereinbarung unterzeichnen, dass sie die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und die Hausaufgaben der Kommission fristgerecht erfüllen. Das ist ein großes Entgegenkommen an Italien, das bislang aus Sorge vor den strengen Konditionen vor dem Griff zum Eurotropf zurückgeschreckt war.

Zeitplan

Die Eurogruppe soll die Beschlüsse bis zum 9. Juli umsetzen.

Europäische Integration

Die Vertiefung der Eurozone wird vorangetrieben. Die Euro-Chefs einigten sich auf die Baustellen: Den Aufbau einer Banken-Union, einer Fiskal-Union und einer politischen Union. Im Arbeitspapier der Vierergruppe um EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy findet sich weiterhin der Unterpunkt einer schrittweisen Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen. Die Bundesregierung wies die Mutmaßung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti zurück, damit sei die Tür zu Euro-Bonds geöffnet. Über die Inhalte soll erst auf dem nächsten Gipfel im Oktober gesprochen werden.

Als Konsequenz aus der Studie forderte Kraus von den Schulen deutlich mehr Einsatz für Wirtschaftsthemen. „Die allgemeinbildenden Schulen müssen  ihren Schülern bis zu deren Schulabschluss wenigstens 200 Unterrichtsstunden wirtschaftliche Grundbildung zukommen lassen“, sagte auch. Leider zeige sich derzeit auch in Fächern wie Geschichte, Politik und Geographie eher „die Tendenz, konkretes Wissen immer mehr zugunsten vager Kompetenzdefinitionen zu kappen“. Das sei aber der „Gang in die Unmündigkeit“. Denn wirtschaftspolitisches Urteilsvermögen setze erst einmal konkretes Wissen um Fakten und Gesetzmäßigkeiten voraus.

Kommentare (41)

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Ben-Wa

12.07.2012, 14:57 Uhr

„Wir müssen es uns gemeinsam zur Aufgabe machen, die Vorteile des Euro noch besser zu erklären“
hahahaha... will also meinen, noch erfolgreicher zu indoktrinieren und gehirnzuwaschen.
Diejenigen, die noch selbst denken können, geben dem Euro keine Chance. Denn noch niemand hat die Argumente von Prof. Hankel entkräften können!

Account gelöscht!

12.07.2012, 15:09 Uhr

„Wir müssen es uns gemeinsam zur Aufgabe machen, die Vorteile des Euro noch besser zu erklären“

Na, da hat er ja nicht viel zu tun:
Die lästige Wechselei an der Grenze und das Umrechnen beim Einkaufen im Ausland entfällt. Das war es auch schon. Also aus Sicht eines Deutschen.
Der PIIGS+F-Bankenverband könnte da natürlich eine Liste aufstellen, die wäre deeeeeeutlich länger...

Account gelöscht!

12.07.2012, 16:00 Uhr

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