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10.08.2014

12:05 Uhr

Umfrage

Keine Mehrheit für Schottlands Abspaltung

Das TV-Duell könnte den Ausschlag geben: Nach einer Umfrage lehnt eine deutliche Mehrheit der Schotten die Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Bis zur Abstimmung ist der Vorsprung kaum noch einzuholen.

Bei allem Nationalbewusstsein: Die meisten Schotten lehnen eine Abspaltung von Großbritannien ab. ap

Bei allem Nationalbewusstsein: Die meisten Schotten lehnen eine Abspaltung von Großbritannien ab.

LondonRund sechs Wochen vor der Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien deutet sich einer Umfrage zufolge eine klare Niederlage der schottischen Initiative ab. Nach einer am Samstag von der „Scottish Daily Mail“ veröffentlichten Erhebung des Instituts Survation gab ein Fernsehduell den Abspaltungsgegnern einen deutlichen Schub.

Die Zahl derjenigen, die für einen Verbleib bei Großbritannien stimmen wollen, stieg demnach auf 50 Prozent von 46 Prozent vor einer Woche. 13 Prozent der Befragten erklärten, sie wüssten noch nicht, ob sie am 18. September für oder gegen die Unabhängigkeit Schottlands stimmen würden. Rechne man die Unentschlossenen heraus, ergebe sich eine Mehrheit von 57 gegen 43 Prozent für den Verbleib bei Großbritannien. Dieser Vorsprung sei kaum noch umzukehren, sagte Survation-Chef Damian Lowe der Nachrichtenagentur Reuters.

Schottland will unabhängig werden - warum?

Wirtschaft

Vor den Küsten Schottlands lagert der weitaus überwiegende Teil des britischen Nordseeöls. Aus Förderung und Verarbeitung entstehen Milliarden an Steuereinnahmen, die jetzt nach London fließen. Nur ein Teil davon fließt wieder nach Schottland zurück. Schon in den 1970er Jahren hatte es eine Kampagne gegeben unter dem Motto: „It's Scotlands Oil“.

Soziales

Die Schotten gewähren ihren Bürgern weitaus mehr soziale Leistungen als die Engländer. So sind Zuzahlungen im Gesundheitssystem geringer und Studiengebühren gibt es nicht für Einheimische. Innerhalb Großbritanniens stehen sie dafür als „Subventions-Junkies“ in der Kritik.

Verteidigung

Die Schotten fühlen sich von den Engländern in Sachen Verteidigung unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für viele Schotten ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch die britische Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Nationalstolz

Viele der fünf Millionen Schotten fühlen sich nicht als Briten. Sie haben eigene Nationalmannschaften, etwa im Fußball oder im Rugby. Sie haben eine eigene Flagge und spielen „Scotland the Brave“ oder „Flower of Scotland“ wie ihre Nationalhymne.

Internationale Politik

Der schottischen Regierungspartei SNP schmeckt die Haltung Großbritanniens innerhalb der EU nicht. „Wir wären ein konstruktiver Partner in Europa“, hatte Ministerpräsident Alex Salmond schon gesagt, als die Regierung in Westminster auf Konfrontationskurs zu Europa gegangen war.

Aus dem Fernsehduell am Dienstag war der frühere Finanzminister Alistair Darling, der die Kampagne für den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich anführt, als Sieger hervorgegangen. Der eigentlich als eloquent bekannte Vorsitzende der Scottish National Party, Alex Salmond, konnte Umfragen zufolge nicht ausreichend darlegen, warum sich Schottland nach 307 Jahren von Großbritannien lossagen sollte. Als eine Schlüsselfrage gilt, welche Währung ein unabhängiges Schottland haben sollte. Die Regierung in London hat eine Währungsunion im diesem Fall ausgeschlossen.

Von

rtr

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