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01.03.2013

18:16 Uhr

Umfrage

Mehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

ExklusivDie Schweizer stimmen am Wochenende über eine Obergrenze für Managergehälter ab. Auch die Mehrheit der Deutschen würde sich eine ähnliche Regelung wünschen, zeigt eine exklusive Umfrage.

Mitglieder der Jungen Sozialisten in der Schweiz demonstrieren gegen die Boni der Banker vor dem Sitz der größten Schweizer Bank UBS in Zürich. dpa

Mitglieder der Jungen Sozialisten in der Schweiz demonstrieren gegen die Boni der Banker vor dem Sitz der größten Schweizer Bank UBS in Zürich.

Düsseldorf/ZürichIn der Schweiz steht das Aktionärsrecht vor einer einschneidenden Änderung. Am Sonntag stimmt die Bevölkerung darüber ab, ob die Anteilseigner jedes Jahr die Gehälter der Vorstände genehmigen müssen. Die Debatte ist längst nach Deutschland geschwappt.

In einer repräsentativen Studie im Auftrag von Handelsblatt Online haben sich rund 79 Prozent der Teilnehmer dafür ausgesprochen, dass auch in Deutschland die Aktionäre Gehälter der Vorstände und Aufsichtsräte absegnen müssen. Eine fast identische Mehrheit votierte in der Umfrage des Online-Markforschungsunternehmens Mafo auch für feste Obergrenzen für Gehälter und Boni der Manager.

Vor allem Bürger über 46 Jahren plädierten mit einer deutlichen Mehrheit für schärfere Regeln und eine Deckelung der Gehälter. Jedoch halten fast 30 Prozent der jüngeren Teilnehmer (18-30 Jahre) diese neue Regelungen  für nicht notwendig.

Die Schweizer-Initiative zur Begrenzung der Manager-Gehälter geht auf den Politiker und Unternehmer Thomas Minder zurück. Mit seiner "Volksinitiative gegen die Abzockerei" will Minder Lohnexzesse von Verwaltungsräten und Managern börsennotierter Unternehmen eindämmen und die Rechte der Aktionäre stärken.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Und die Chancen stehen gut, dass die Schweizer am Sonntag "Ja" zu Minders Gesetzesvorschlägen sagen. Jüngste Umfragen ergaben eine Zustimmung von 64 Prozent. Überrissene Boni, großzügige Antrittszahlungen und hohe Abgangsentschädigungen in den Teppichetagen sorgen in der Bevölkerung seit Jahren für Unverständnis und Empörung. Wasser auf die Mühlen war zuletzt die 72 Millionen Franken schwere Abgangszahlung für Daniel Vasella. Erst nach einem öffentlichen Aufschrei verzichtete der scheidende Präsident des Pharmariesen Novartis, einer der bestbezahlten Manager des Landes, auf die Entschädigung.

Kommentare (18)

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Samweis

01.03.2013, 19:36 Uhr

Nanu?
Wieso wollen denn die >46-Jährigen eine Deckelung und einige der <30-Jährigen halten sie für unnötig?

Ach, so! Weil das "ethisch" angemessene Maximalgehalt ja immer knapp über dem liegt, was man selbst noch zu erreichen hofft.
Die Älteren haben da schon genaue Vorstellungen, die Jüngeren müssen erst noch schauen, bei welchem Gehalt sie selbst mal landen könnten...

Ekelhafte Neid-Motivation.

Wäre es nicht viel zielführender, nicht über das "Wieviel" zu reden, sondern das "Wofür" genauer zu definieren?
Fehlanreize zu beseitigen, indem man für Fehlverhalten eben keinen Bonus zahlt?

Neidgesellschaft

01.03.2013, 22:51 Uhr

Deutschland ist eine Neidgesellschaft
Es gibt kein anderes Land in der Welt,
in dem es Personen wichtiger ist andere zu begrenzen
als selbst mehr zu erreichen.
Politiker, Unternehmer, Banker, Nachbarn - aber egal ist es in der Familie, bei Sportlern oder Freunden - warum wohl...

Fido

02.03.2013, 06:34 Uhr

Nö.

Die <30-Jährigen haben keine Berufserfahrung und haben die Uni-motivierte Illusion, dass Bezahlung irgendwas mit "Kenntnissen" und "Fähigkeiten" zu tun hat.

Keiner ist so gut, dass er soviel Geld verdient. Keiner ist unersätzlich. Um das zu begreifen, benötigt man 10 Jahre Berufserfahrung.

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