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10.08.2014

18:25 Uhr

Umfrage

Zweifel an Zuverlässigkeit russischer Energielieferungen

ExklusivDeutschland ist von russischen Energielieferungen abhängig. Doch die Zweifel an deren Zuverlässigkeit wachsen. Den Schlüssel zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sehen Experten in der Energieeffizienz.

Die große Mehrheit der deutschen Experten rät dazu, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren. Getty Images

Die große Mehrheit der deutschen Experten rät dazu, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren.

BerlinDie Zweifel an der Zuverlässigkeit russischer Energielieferungen wachsen. 59 Prozent der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Energieexperten geben an, ihre Einschätzung der Verlässlichkeit Russlands habe sich angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen leicht oder gar stark verschlechtert. Das ist das Ergebnis des ZEW Energiemarktbarometers, das dem Handelsblatt (Montagausgabe) vorliegt. Für das Energiemarktbarometer werden halbjährlich rund 200 Energieexperten aus Wissenschaft und Praxis in Deutschland befragt.

In Frankreich ist die Skepsis noch größer: In den Augen von 76 Prozent der Experten jenseits des Rheins hat sich die Verlässlichkeit der Russen leicht oder gar stark verschlechtert. Das ergibt ein Expertenpanel der Grenoble Ecole de Management, das in enger Abstimmung mit dem ZEW durchgeführt wurde

Die große Mehrheit der deutschen Experten rät dazu, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren. Aus Sicht von 88 Prozent der befragten Experten ist die Steigerung der Energieeffizienz ein Schlüssel zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, nur 18 Prozent empfehlen dagegen die Nutzung der Kernenergie. 69 Prozent der Befragten raten dazu, den Ausbau der Infrastruktur für die Versorgung mit Flüssiggas (LNG) zu forcieren, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Gasspeicher in Deutschland

Gasspeicher in Deutschland

Nach Angaben des Branchenverbands BDEW gibt es 50 deutsche Untertage-Gasspeicher an 40 Standorten. Diese können knapp 23 Milliarden Kubikmeter Gas aufnehmen. Das entspreche mehr als einem Viertel der in Deutschland im Jahr 2012 verbrauchten Erdgasmenge. Die größten Gasspeicher im Überblick.
(Quelle: Unternehmen / Gas Infrastructure Europe)

Rehden (Niedersachsen)

Betreiber: Astora (Gazprom-Tochter)

Kapazität: 4,2 Milliarden Kubikmeter

Epe (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,5 Milliarden Kubikmeter

Bierwang Unterreit (Bayern)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,4 Milliarden Kubikmeter

Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,1 Milliarden Kubikmeter

Huntorf / Nüttermoor (Niedersachsen)

Betreiber: EWE Gasspeicher

Kapazität: 1,07 Milliarden Kubikmeter

Bernburg (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

Etzel (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

61 Prozent der Befragten raten außerdem dazu, Pipelines im EU-Ausland auszubauen. Der Hintergedanke: Ein Zusammenwachsen des EU-Gasmarktes über einen Ausbau des Pipelinesystems könnte die Abhängigkeiten einzelner Länder reduzieren. Die EU fördert entsprechende Projekte.

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Von

str

Kommentare (5)

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Herr Fred Meisenkaiser

11.08.2014, 09:00 Uhr

Seit dem 2. Weltkrieg, über all die Jahre des Kalten Krieges beliefert uns Rußland zuverlässig mit Erdgas. Selbst nach den - mittlerweile widerlegten - Anschuldigungen zum Flugzeugabschuß MH-17 und den daraus irrsinnigerweise verhängten Sanktionen übt Rußland verhängte Rußland keinerlei Druck über das Erdgas.
Nein das tun die angeblichen Verbündeten in der Ukraine, während die Verursacher USA gemeinsam mit dem russischen Staatskonzern Roßneft nach Öl in der Arktis bohren.

Ich glaube es liegt ausschließlich an den Europäern, ob sie sich an der Seite der USA lächerlich machen, oder endlich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen durchsetzen. Dann wäre die Versorgungssicherheit Europas 100% gesichert.

Herr Manfred Zimmer

11.08.2014, 10:09 Uhr

Warten wir ab bis der Winter kommt!

Wenn die Ukraine Europa das Gas abdreht, kommen die gleichen EU-Politiker, die die Sanktionen gegen Russland verhängt haben, und fordern von Russland die Sicherstellung bzw. den Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine zur Sicherung der Pipeline.

Ich will das kindische Geschwätz über die "alternativlosen" Entscheidungen der Politiker nicht mehr hören.

Frau Margrit Steer

11.08.2014, 10:36 Uhr

Was quasseln unsre Politiker für Müll?
Nicht Putin ist der Böse
Die Ukraine will die Gaslieferungen nicht durchlassen

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