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02.05.2012

14:31 Uhr

Umfragen

TV-Duell ist Sarkozys letzte Chance

Beim Zweikampf um die Präsidentschaft zwischen Hollande und Sarkozy liegt der Herausforderer weiter vorn. Der Sozialist kann bei der Wahl am Sonntag auf eine Mehrheit hoffen. Doch so schnell gibt Sarkozy nicht auf.

Wer macht das Rennen in Frankreich?

Video: Wer macht das Rennen in Frankreich?

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ParisLetzter Höhepunkt im Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich: In einem großen TV-Duell wollten Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande am Mittwochabend die noch unentschlossenen Wähler mobilisieren. Sie sind vor allem für Sarkozy von großer Bedeutung. Denn Hollande konnte laut Umfragen bis unmittelbar vor der TV-Debatte seine Favoritenrolle mit leicht geschrumpftem Vorsprung halten.

Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des Instituts TNS wollten 53,3 Prozent der wahlberechtigten Franzosen am Sonntag für den Hollande stimmen. Sarkozy lag nur auf 46,5 Prozent. In einer anderen Umfrage des Ifop-Instituts erzielte Hollande sogar 54 Prozent, Sarkozy lag weiter abgeschlagen bei 46 Prozent. Die Meinungsforscher wiesen allerdings darauf hin, dass der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten zuletzt kleiner wurde. Bei der vorangegangenen TNS-Befragung vor rund einer Woche hatte dieser noch bei neun Prozentpunkten gelegen.

Das Netzwerk des François Hollande

André Vallini

Gehört ebenfalls zu denen, auf die Hollande sich verlässt. Heißer Anwärter auf den Posten des Justizministers.

Arnaud Montebourg

Beliebter Globalisierungsgegner mit Vorliebe für griffige Polemiken. Wäre fast über seine deutschlandfeindlichen Äußerungen gestolpert.

Jean-Marc Ayrault

Ruhig, professionell und seit 15 Jahren ein Vertrauter des Kandidaten. Der Deutschland-Kenner hat beste Chancen, nach der Wahl Premierminister zu werden.

Laurent Fabius

War Premier unter Francois Mitterrand und ist ein alter Gegner Hollandes. Spekuliert trotzdem auf das Außenministerium.

Manuel Valls

Kommunikationschef von Hollandes Kampagne. Extrem ehrgeizig, aber nicht immer mit dem richtigen Fingerspitzengefühl gesegnet.

Marisol Touraine

Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Könnte Arbeitsministerin werden.

Martine Aubry

Die Parteivorsitzende war eine scharfe Kritikerin Hollandes. Doch nach der Wahl würde sie gerne Premierministerin  werden .

Michel Sapin

Der Autor von Hollandes Wahlprogramm ist einer seiner ältesten Freunde. Er war bereits Finanzminister - und könnte es wieder werden.

Pierre Moscovici

War früher Europaminister - und würde es gerne wieder. Oder noch mehr.

Ségolène Royal

Die sozialistische Kandidatin von 2007 hat sich 2006 von Hollande getrennt. Ihre politische Feindschaft haben die beiden inzwischen begraben.

Stéphane Le Foll

Auch er zählt zu den engsten Getreuen. Der Bretone ist als Europa- oder Landwirtschaftsminister im Gespräch.

Valérie Trierweiler

Die Lebensgefährtin Hollandes war Journalistin - bis sie begonnen hat, im Wahlkampf auch öffentlich als Frau an seiner Seite in Erscheinung zu treten.

Delphine Batho

Hollande-Sprecherin, Expertin für innere Sicherheit und frühere Vertraute von Ségolène Royal. Abgeordnete der Nationalversammlung.

Henri de Castris

Axa-Chef, Hollande-Freund. Hat mit ihm zusammen die Eliteschule ENA absolviert.

Gérard Mestrallet

Leitet den Energie-Multi GDF Suez. Wichtiger Gesprächspartner von Hollande.

Jean-Pierre Jouyet

Der Sozialist leitet die Finanzaufsicht AMF. Eng mit Hollande befreundet und wichtiger Ratgeber für Fragen der Finanzmärkte.

Emmanuel Macron

Partner von Rothschild & Cie. Hat an Hollandes Wirtschaftsprogramm mitgewirkt und könnte eventuell mit in die Leitung des Präsidialamtes berufen werden.  

Mathieu Pigasse

Europa-Vizechef der Bank Lazard. Aktionär von Le Monde und Anhänger von Hollande.

Das große TV-Duell sollte das erste und einzige direkte Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten werden. Für die Debatte waren ab 21.00 Uhr zweieinhalb Stunden Sendezeit eingeplant. TV-Experten rechneten mit rund 20 Millionen Zuschauern.

Die spannende Frage ist, wie sich die Wähler verhalten, die ihre Stimme in der ersten Runde einem der dann ausgeschiedenen Kandidaten gegeben hatten. Die Chefin der rechtsextremen Front Nationale, Marine le Pen, hatte es am Dienstag abgelehnt, ihren Anhängern eine Wahlempfehlung zu geben. Sie war im ersten Wahlgang auf knapp 18 Prozent gekommen.

Porträt Hollande: Der nüchterne Herausforderer

Porträt Hollande

Der nüchterne Herausforderer

François Hollande arbeitete sich vom Provinzpolitiker zum Präsidentschaftkandidaten hoch. Im Gegensatz zu Sarkozy gilt der Sozialist als bodenständig und ausgeglichen. Doch gegenüber Europa will er keine Schwäche zeigen.

Unterdessen wies die Bundesregierung in Berlin Berichte des französischen Rundfunksenders RMC über mögliche Geheimabsprachen mit dem Team Hollandes zurück. Der Sender hatte behauptet, dass verabredet worden sei, im Falle eines Wahlsiegs des Sozialisten das Wachstum in Europa durch eine 0,01-prozentige Finanztransaktionssteuer anzukurbeln.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte in Berlin, „dass es keine solchen Verabredungen zwischen der Bundesregierung und dem sozialistischen Kandidaten gibt, weder offene noch geheime“.

Bereits am Montag hatte die EU-Kommission in Brüssel Spekulationen widersprochen, wonach ein „Marshallplan“ für mehr Wachstum mit einem Umfang von 200 Milliarden Euro in Vorbereitung sei. Entsprechende Forderungen gehören zu den Kernpunkten von Hollandes Wahlprogramm.

Von

dpa

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