Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2011

16:09 Uhr

Umsatzsteuer-Rückzahlung

Griechische Behörden lassen deutsche Firmen auflaufen

Deutschland hilft Griechenland mit Milliarden, doch besonders dankbar scheint der angeschlagene Mittelmeerstaat dafür nicht zu sein. Deutsche Firmen klagen über schlechte Behandlung durch die Finanzbehörden.

Griechische Euro-Münze. Quelle: Reuters

Griechische Euro-Münze.

BerlinWirtschaftsvertreter beklagen den Umgang griechischer Finanzämter mit deutschen Unternehmen. Immer häufiger bekämen deutsche Firmen, die in Griechenland tätig seien, von den Finanzämtern ihre Umsatzsteuer nicht erstattet: „Die Finanzämter in Griechenland haben oft einfach nicht mehr das Geld, um den Unternehmen ihre Steuern zurück zu erstatten. Dazu gehören auch Firmen aus Deutschland, die in Griechenland tätig sind“, sagte der Geschäftsführer der Außenhandelskammer, Martin Knapp, der „Bild“-Zeitung .

Die Praxis der griechischen Behörden beklagt auch der Außenhandelsverband: „Deutsche Unternehmen, die in Griechenland tätig sind, haben große Probleme, die ihnen zustehende Umsatzsteuer zurück erstattet zu bekommen“, sagte Verbandspräsident Anton Börner der Zeitung. „Wir halten es als Verband für problematisch, wenn Deutschland durch Milliardenzahlungen Griechenland hilft, aber griechische Finanzämter jetzt die Auszahlungen an deutsche Firmen verweigern“, fügte er hinzu.

Griechische Sparer bringen derweil offenbar ihr Geld außer Landes. „In Griechenland gibt es so gut wie kein privates Millionen-Vermögen mehr, das nicht zumindest zum Großteil längst ins Ausland verbracht worden wäre. Was jetzt in Deutschland, Österreich, Australien und anderswo ankommt, ist das Geld der Mittelschicht“, sagte der renommierte Vermögensverwalter und Griechenland-Kenner Bert Flossbach der “Wirtschaftswoche“.

Weitere Recherchen des Magazins bestätigen den Trend. So besteht laut Peter Heinrich, Vorstandschef der zum Volksbankenverbund zählenden Münchner Bank, „seit Ende Mai eine erhöhte Nachfrage unserer griechischstämmigen Kunden nach Geldanlagen in unserem Kreditinstitut“. Makler in London berichteten dem Magazin, dass das Interesse von reichen Griechen an Luxusimmobilien zugenommen habe.“Während sich bisher rund 20 Käufer im Quartal bei uns meldeten, sind es jetzt 40“, sagte Liam Bailey von der Maklerfirma Knight Frank. Begehrt seien Häuser in den Edelvierteln Chelsea, Kensington und Knightsbridge zu drei Millionen Pfund und mehr. „Gezahlt wird meist in bar – die Griechen nehmen keine Hypothek in Anspruch“, so Bailey.

Nach Schätzungen von Bankenkreisen betrug das Volumen der Kapitalflucht im Mai rund vier Milliarden Euro, doppelt so viel wie noch im April. Laut griechischer Notenbank gingen die privaten Geldeinlagen bei griechischen Banken von Januar 2010 bis April 2011 um gut 31 Milliarden Euro auf 165,5 Milliarden Euro zurück.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

alexfiftyfour

26.06.2011, 16:31 Uhr

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

Tausend

26.06.2011, 16:43 Uhr

Der Autor übernimmt Positionen anderer ohne selbst zu recherchieren. Das ist meines Wissens entfernt vom allgemeingültigen Verständnis von Journalismus.
Mein Vorschlag für einen ersten Anfang ist, erst einmal mit den Unternehmen in Griechenland zu sprechen. Die werden bestätigen, dass bereits Jahrzehnte vor der Krise das griechische Finanzministerium die Rückerstattung der Umsatzsteuer mit einer Verzögerung von mehr als 18 Monaten vollzogen hat. Das ist in der Tat ein echtes Problem für kleine und mittelständische Unternehmen.

Weiteres Zeichen für guten Journalismus: immer schön bei den Fakten bleiben!

Account gelöscht!

26.06.2011, 18:27 Uhr

Mit 165 Mrd Euro haben die Griechen immer noch große Sparanlagen in Griechenland selbst. Der wirkliche Exidus kommt jetzt gerade langsam aber mit aller Mächtigkeit. Sollten die Griechen auch nur weitere 30 Prozent der verbliebenen Spareinlagen aus dem Land abziehen, kollabieren die heimischen Institute in den nächsten Wochen. Dies übrigen unabhängig von der Abstimmung über sinnlose Sparpakete.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×