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13.04.2011

16:12 Uhr

Umschuldung

Griechenland droht gigantischer Schuldenschnitt

Noch stemmt sich Griechenland energisch gegen eine Umschuldung. Doch nach Einschätzung von EU-Experten wird an einem radikalen Schuldenschnitt kein Weg vorbei führen. Gläubigern drohen gigantische Abschläge.

Die Akropolis in Athen. Quelle: ap

Die Akropolis in Athen.

Berlin/AthenGriechenland droht einem Zeitungsbericht zufolge ein Umschuldung in großem Ausmaß. In EU-Kreisen werde auf Arbeitsebene davon ausgegangen, dass 40 bis 50 Prozent der Verbindlichkeiten gestrichen werden müssten, um das Land wieder auf eine solide Grundlage zu bringen, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch vorab. Es sei allerdings noch keine Entscheidung getroffen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hält sogar einen noch stärkeren Schuldenschnitt um 50 bis 70 Prozent für nötig. Die Regierung in Athen stemmt sich gegen eine derartige Umschuldung, weil sie Stabilitätsprobleme bei den Banken fürchtet. Über Privatisierungen soll nun frisches Geld in die leeren Kassen in Athen kommen.

Griechischen Medienberichten zufolge erwägt die Regierung, sich von Anteilen am Versorger PPC zu trennen. Auch der Verkauf von Aktien des Telekomunternehmens OTE werde erwogen. Details zu dem Privatisierungsprogramm, über das die Regierung bis 2015 50 Milliarden Euro einnahmen will, sollen am Donnerstag vorgelegt werden. Bisher hatten Regierungsvertreter einen Verkauf von PPC-Aktien stets abgelehnt. Das Finanzministerium erklärte, es gebe dazu nichts Neues. Doch die öffentlichen Kassen des Landes sind trotz der zugesagten Notkredite leer. Gegenüber nationalen und ausländischen Unternehmen bestünden Zahlungsrückstände in Milliardenhöhe, berichtete das "Handelsblatt". "Wir sind dabei, diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou der Zeitung. "Aber wir befinden uns nun mal in einer sehr schwierigen Haushaltslage und müssen mit dem auskommen, was wir haben."

Allein gegenüber deutschen Firmen bestehen dem Bericht zufolge Außenstände von etwa 500 Millionen Euro. So habe der Baukonzern Hochtief offene Forderungen bei Straßenbauprojekten und im Gebäudemanagement, bei Siemens stehen noch Zahlungen zu Aufträgen aus, die teils noch vor den Olympischen Spielen 2004 vergeben wurden. Weltweit lagen die Außenstände nach Angaben des Finanzministeriums Ende 2010 bei mehr als fünf Milliarden Euro.

Bis Ende des Jahres sei Griechenland durch das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket von EU und IWF finanziert, 2012 müssten aber 25 bis 30 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Doch der Schritt zurück an den Markt gilt in EU-Kreisen laut "Zeit" als "höchst unwahrscheinlich". Auch Papakonstantinou äußerte sich zurückhaltend und verwies auf die hohen Risikoaufschläge, die am Markt immer noch für die griechischen Anleihen verlangt werden. Um einen Staatsbankrott zu vermeiden, müsse ein neues Hilfspaket geschnürt werden, berichtete die "Zeit" weiter. Eine Zustimmung des Bundestags gelte aber als unwahrscheinlich, und auch innerhalb des Internationalen Währungsfonds wachse der Widerstand gegen weitere Finanzhilfen für europäische Staaten.

Seit Wochen wird immer wieder über eine Umschuldung spekuliert. Dabei ist laut "Zeit" eine freiwillige Verlängerung der Laufzeiten im Gespräch. EU, IWF und Regierung in Athen haben solche Pläne aber bislang dementiert. "Der damit verbundene Vertrauensverlust hätte zur Folge, dass wir auf lange Zeit von den Finanzmärkten ausgeschlossen blieben", sagte Papakonstantinou.

Von

rtr

Kommentare (4)

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KurtM

13.04.2011, 16:31 Uhr

Das kommt sowieso - und nicht nur für Griechenland !
Hoffentlich bricht dieses korrupte, verlogene EU Gebilde endlich zusammen !!!!!!!!!

wolf

13.04.2011, 19:39 Uhr

Verstehe die ganze Aufregung nicht, eine kleine Währungsreform und alles ist erledigt Dann fangen wir alle, wie schon mal gehabt, wieder bei 0 an.

matt_us

13.04.2011, 20:37 Uhr

VORSICHT - VORSICHT - VORSICHT - VORSICHT

Raffgierige Hedgefonds und Spekulanten wollen sich auf unsere Kosten bereichern. Solange Credit Default Swaps nicht abgeschafft wuerden, gibt es fuer dies Parasiten Riesengewinne, die die Kosten einer Umschuldung fuer die Allgemeinheit verdoppeln wuerden.

Also Griechenland schuldet 100 Mrd um (etwa 40% der Schulden)

Galeubiger verlieren 100 Mrd
Banken die CDS geschrieben haben (wahrscheinlich Landesbanken) verlieren 100 Mrd
Der europaeische Steuerzahler und der dumme deutsche Michel der das mit sich machen laesst zahlt 200 Mrd

Und wer gewinnt? Hedgefunds, Spekulanten und andere Asoziale: 100 Mrd

Am sofortigen Verhafted dieser Panikmacher - die sich auf unsere Kosten bereichern wollen, fuehrt kein Weg dran Vorbei.

Der Staatsanwalt ist informiert1

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