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18.04.2011

21:45 Uhr

Umschuldung

Griechenland und das bedrohliche U-Wort

Kommt Griechenland ohne Umschuldung über den Sommer? Die Stimmen mehren sich, dass ein solcher Schritt unvermeidlich sei. EU und griechische Notenbank dementieren.

Proteste gegen den Sparkurs der griechischen Regierung auf der Akropolis in Athen. Quelle: dpa

Proteste gegen den Sparkurs der griechischen Regierung auf der Akropolis in Athen.

AthenGriechenland kommt nach Einschätzung von Teilen der Bundesregierung nicht um eine Umschuldung herum.

Mehrere Regierungsvertreter gingen davon aus, dass ein solcher Schritt unvermeidlich sei, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Koalitionskreisen. Das bedeute aber nicht, dass Deutschland dies anstrebe.

Die Zeitung "Die Welt" zitierte einen ungenannten griechischen Minister mit den Worten: "Jetzt ist die Frage nicht mehr, ob wir umschulden, sondern nur noch wann." Schon Anfang 2010 habe seine Regierung gesagt, es wäre besser, Hilfskredite sofort mit einer Umschuldung zu verknüpfen. Das hätten die Euro-Partner aber abgelehnt und gefordert, vor Gesprächen über eine Umschuldung müsse die Regierung erst beweisen, dass sie sparen und reformieren könne. Das sei nun geschehen.

Die griechische Zeitung "Eleftherotypia" berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen IWF-Vertreter, die Regierung in Athen habe bereits mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen derartigen Schritt beraten. Gespräche dazu dürften demnach im Juni beginnen.

Die EU-Kommission wies die Berichte zurück. "Es gibt keine Diskussionen auf keinem Niveau zu diesem Thema", sagte eine Sprecherin. Auch die griechische Regierung schloss eine Umstrukturierung offiziell erneut aus.

Allerdings hat am Finanzmarkt der Druck auf Griechenland deutlich zugenommen, seine Schulden neu zu strukturieren. Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Debatte. Sie wurden zudem durch den Wahlsieg von Euro-Skeptikern in Finnland verunsichert, der zur Blockade der zugesagten Portugal-Hilfen führen könnte. Der Dax sowie die übrigen europäischen Indizes notierten schwächer. Anleihen aus den schuldengeplagten europäischen Staaten wurden mit spitzen Fingern angefasst. Der Euro verlor mehr als einen Cent auf 1,4235 Dollar.

Im Juni steht die nächste EU- und IWF-Prüfung darüber an, ob die Schuldenlast für Griechenland noch tragfähig ist. Zuletzt hatten bereits erste deutsche Regierungsvertreter signalisiert, dass eine Umschuldung in dem Euro-Land keine Katastrophe wäre.

Die griechische Notenbank warnte indes erneut vor verheerenden Folgen: Der Zugang zum Finanzmarkt würde abgeschnitten, die Banken und Pensionsfonds des Landes würden stark betroffen. "Die Bank von Griechenland hat seit Oktober deutlich gemacht, dass eine Umstrukturierung weder notwendig noch wünschenswert ist", betonte Notenbankchef Giorgos Provopoulos. Auch EZB-Ratsmitglied Nout Wellink sagte Reuters, eine Umschuldung sei weder im Interesse der Euro-Zone noch Griechenlands noch anderer Staaten.

Kommentare (6)

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Thomas-Melber-Stuttgart

18.04.2011, 22:27 Uhr

Umschulung? Gut, denn es ist höchste Zeit, daß man aus der Krise noch etwas lernt.

BundesbuergerIn

18.04.2011, 22:39 Uhr

"Angesichts der Spekulationen um eine Umschuldung Griechenlands warb auch der irische Ministerpräsident Enda Kenny um Vertrauen. Er habe nicht vor, mit einer Umschuldung zu drohen, um günstigere Kredite zu erhalten, sagte er."

Oh je, bald auch noch Irland. Was wird Mutti dazu sagen?

Lemming

18.04.2011, 22:46 Uhr

Satire pur, ihre Umfrage, werte Handelsblatt-Redaktion...

"Deutschlands Super-Aufschwung lässt die Steuereinnahmen sprudeln. Was soll Finanzminister Schäuble mit dem zusätzlichen Geld machen?

- Steuern senken
- Den schnelleren Atomausstieg und die Energiewende bezahlen
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...haben wir für den April-Scherz des Jahres 2011 nominiert

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