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26.01.2011

23:19 Uhr

Umschuldungspläne

EU will Athen entschulden– aber wie?

VonRuth Berschens, Sven Afhüppe, Thomas Sigmund

Die bisherigen Pläne zur Umschuldung Griechenlands reichen nicht aus. In der EU sucht man deshalb nach weiteren Instrumenten, um die Schuldenlast zu senken. Auch eine Laufzeitenverlängerung der Staatsanleihen ist im Gespräch.

Kanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Barroso: Bei dem gemeinsamen Gespräch ging es hart zur Sache. Quelle: dapd

Kanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Barroso: Bei dem gemeinsamen Gespräch ging es hart zur Sache.

BRÜSSEL/BERLIN. Der wachsende Schuldenberg Griechenlands stellt die Euro-Zone vor ungeahnte Herausforderungen. Bei der Suche nach einem nachhaltigen Umschuldungsprogramm für das Land haben die Experten der EU-Kommission jetzt festgestellt, dass ein freiwilliger Schuldenschnitt von Gläubigern allein nicht reicht. „Das genügt nicht“, hieß es gestern auf Nachfrage des Handelsblatts in Kommissionskreisen. Die Möglichkeit, Griechenland über einen Rückkauf eigener Staatsanleihen zu entlasten, sei begrenzt.

Dabei klang die Idee durchaus verlockend: Griechenland sollte mit Hilfe eines zinsgünstigen Kredits vom Euro-Rettungsfonds EFSF einen Teil seiner Staatsanleihen am Finanzmarkt zurückkaufen. Dort notieren die griechischen Bonds aktuell erheblich unter dem Nennwert. Die Anleger würden also mit Verlust verkaufen. Das würden sie aber akzeptieren, um ihr Risiko zu minimieren und so wenigstens einen Teil des Geldes zu retten.

Investoren würden Verluste hinnehmen

Die EU-Kommission geht allerdings davon aus, dass nur 20 Prozent der griechischen Staatsanleihen aktuell am Sekundärmarkt gehandelt werden. Der Rest lagere bei den Geschäftsbanken und bei der Europäischen Zentralbank. Eine umfassende Entschuldung Griechenlands sei so nicht realisierbar, argumentieren die Experten der Kommission. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gewinn einer solchen Aktion für Griechenland keineswegs garantiert ist. Die Gerüchte über eine mögliche staatliche Rückkaufaktion ließen die Kurse griechischer Anleihen steigen. Die Folge: Die Differenz zwischen Markt- und Nennwert schrumpft – und damit auch der Vorteil für die griechische Staatskasse.

In der EU-Kommission wird deshalb darüber nachgedacht, die Gläubiger zu einem Entlastungsbeitrag für Griechenland zu zwingen. Unter anderem ist eine Verlängerung der Laufzeiten griechischer Staatsanleihen im Gespräch, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Kommission.

Dass eine Restrukturierung der griechischen Staatsschuld unausweichlich ist, hat auch die Bundesregierung eingesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat intern Griechenlands Fähigkeit infrage gestellt, seine Schulden selbst zu tragen. In einer Sitzung der Unions–Bundestagsfraktion habe Merkel ihre Bereitschaft für ein griechisches Umschuldungsprogramm erkennen lassen, erfuhr das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen. Merkel habe allerdings betont, dass Griechenland selbst einem Umschuldungsprogramm zustimmen müsse.

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