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24.05.2015

15:32 Uhr

Umstrittene Atomanlagen

Iran stimmt „betreutem Zugang“ zu

Seit Jahren streiten der Iran und die internationale Gemeinschaft über das Atomprogramm des schiitsch geprägten Lands. Nun hat die Regierung einer Inspektion zugestimmt – allerdings nur unter Aufsicht.

Insgesamt sieben Atomanlagen betreibt der Iran wie dieses in Buschehr, etwa 760 Kilometer südlich der iranischen Hauptstadt Teheran. ap

Atomkraftwerke im Iran

Insgesamt sieben Atomanlagen betreibt der Iran wie dieses in Buschehr, etwa 760 Kilometer südlich der iranischen Hauptstadt Teheran.

TeheranDer Iran hat einem „betreuten Zugang“ für internationale Inspektoren zu militärischen Anlagen seines Atomprogramms zugestimmt. Das sagte der stellvertretende Außenminister Abbas Araghtschi am Sonntag im staatlichen iranischen Fernsehen. Er äußerte sich nach einer nicht öffentlichen Parlamentssitzung, an der auch Außenminister Mohammed Dschawad Sarif teilgenommen hatte. In dem Fernsehbericht wurde Araghtschi auch mit den Worten zitiert, dass die iranische Delegation bei den Verhandlungen mit den fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern und Deutschland Forderungen abgelehnt habe, seine Wissenschaftler befragen zu lassen.

Der geistliche Führer des Landes, Ajatollah Al Chamenei, hatte bisher darauf bestanden, dass iranische Militäreinrichtungen und am Atomprogramm arbeitende Forscher von internationalen Inspektionen ausgenommen bleiben. Das endgültige Abkommen zur Beilegung des seit Jahren andauernden Streits soll bis zum 30. Juni ausgehandelt werden.

Wo der Iran Uran anreichert

Natans

Seit 2007 wird in der unterirdischen Anlage südöstlich von Teheran schwach angereichertes Uran (bis fünf Prozent) produziert. Das Material wird in Atomkraftwerken zur Stromgewinnung eingesetzt. Bis August 2013 hatte der Iran 9704 Kilo angehäuft – deutlich mehr, als das Land auch später für sein einziges AKW in Buschehr bräuchte. Zudem installierte Teheran dort eine neue Generation von Zentrifugen, die deutlich schneller mehr anreichern können. Laut IAEA sind bisher rund 1000 neue Zentrifugen einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb.

Fordo

Im Jahr 2009 gab Teheran die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Die Fabrik wurde in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom gebaut. Hier wird auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran produziert.

Parchin

Bisher verweigerte der Iran Inspekteuren den erneuten Zugang zu der Militäranlage südöstlich von Teheran. Die IAEA geht davon aus, dass dort im Jahr 2000 ein Reaktorbehälter installiert wurde. In Parchin wurden möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert. Der Iran dementiert das. Seit die IAEA Anfang 2012 Zugang forderte, wurden Gebäude abgerissen, Material weggebracht und der Boden umgegraben.

Buschehr

Im August 2010 wurde in der Stadt am Persischen Golf Irans erstes AKW mit Brennstäben aus Russland eröffnet. Nach Verzögerungen ging der Leichtwasserreaktor rund ein Jahr später in Betrieb.

Isafahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung steht die Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Im Westen Irans soll seit 2006 eine Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb sein, der dazugehörige Schwerwasserreaktor ist noch im Bau. In Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das für die Waffenproduktion verwendet werden kann. Damit könnte sich der Iran einen zweiten Weg für die Produktion einer Bombe eröffnen.

Von

ap

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