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20.11.2013

02:05 Uhr

Umstrittenes Atomprogramm

Teheran macht wichtige Zugeständnisse

Der Iran pochte jahrelang auf sein Recht auf Urananreicherung. Die internationale Gemeinschaft sah das anders. Unter Präsident Rohani lockert sich die starre Haltung in Teheran. Eine überraschende Kehrtwende.

Zuversicht trotz verhärteter Fronten

Atom-Abkommen mit Iran noch in dieser Woche?

Zuversicht trotz verhärteter Fronten: Atom-Abkommen mit Iran noch in dieser Woche?

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WienSeit Beginn der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm hat Teheran vehement auf seinem Recht zur Anreicherung von Uran bestanden. Mit der gleichen Vehemenz wiesen die USA die Forderung zurück. Auch nach mehr als zehn Jahren wollte keine Seite nachgeben. Bis jetzt.

Der Iran machte wenige Tage vor Beginn neuer Atomgespräche in Genf ein wichtiges Zugeständnis. Zwar betont die Regierung weiterhin, dass sie ein Recht auf eine Urananreicherung habe, erklärte allerdings, die Verhandlungspartner müssten dieses Recht nicht öffentlich einräumen.

Mit diesem Entgegenkommen eröffnet sich den Verhandlungspartnern ein Weg, den Streitpunkt zu umgehen und sich anderen Fragen zuzuwenden. Zwar ist unwahrscheinlich, dass Teheran die Urananreicherung vollständig einstellt.

Indem das Land aber eine Forderung fallenlässt, die praktisch sowieso keinen Unterschied macht, kann es sich auf seine dringendste Sorge konzentrieren: die Lockerung der internationalen Sanktionen, die die iranische Wirtschaft schwer belasten.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Noch vor weniger als zwei Monaten machte der iranische Präsident Hassan Rohani ein Abkommen mit der sogenannten 5+1-Gruppe, bestehend aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland, von einer Anerkennung des iranischen Rechts auf Urananreicherung abhängig.

Angesichts der am Mittwoch beginnenden neuen Verhandlungsrunde entschärfte der Iran jedoch am Sonntag seine Haltung.
Das Recht auf Urananreicherung sei nicht verhandelbar, erklärte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif der halbamtlichen Nachrichtenagentur INSA zufolge.

Kommentare (6)

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Wenwunderts

20.11.2013, 07:56 Uhr

Nordkorea hat Narrenfreiheit und kann die ganze Welt mit Krieg bedrohen. Niemanden will das wirklich interessieren. Der Diktator wird in den Medien sogar noch verniedlicht in dem er stets nur mit seinem Vornamen geduzt wird.

Den Wunsch nach einer ähnlich komfortable Lage kann man dem Iran nicht verdenken..

brian

20.11.2013, 08:09 Uhr

amerikanische atombomben auf deutschem boden, machen mir weitaus mehr angst:(

tja

20.11.2013, 08:34 Uhr

..."Gary Samore war bis zu diesem Jahr Teil der amerikanischen Verhandlungsdelegation. Er erklärt, die Urananreicherung habe zehn Jahre lang im Zentrum des Streits mit dem Iran gestanden. In einem Artikel für die Zeitschrift „Foreign Affairs“ schreibt Samore, es sei unmöglich, diese Frage juristisch zu klären. "
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Und da "es unmöglich sei, diese Frage juristisch zu klären" soll sie politisch geklärt werden?

Pointiert formuliert:

na, dann sehen wir uns mal die politischen Klärungsversuche einmal genauer an:

Der Nahe Osten im Krieg versunken mit stets neu nachwachsenden Kombattanten.

Eine Arabellion die auch Nordafrika in die Steinzeit zurückzuführen scheint.

Ein Afghanistankrieg in einem Land, an dem sich schon die Russen die Zähne ausgebissen haben.

Dazu eine UNO, die wenig mehr als Appellcharakter haben soll und zur Not Armeen von Mitgliedsländern zwischen die Fronten schickt.

Der Verzicht auf jedwede Klärungen auch völkerrechtlich hochproblematischer Vorgehensweisen:

das kann man als Zwischenergebnis sogenannter politischer Lösungen, je nach Standpunkt, natürlich auch nur noch als "glänzendes Ergebnis der Arbeit "politischer Leistungsträger" bezeichnen müssen.

Herzlichen Glückwunsch!

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