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22.02.2014

22:05 Uhr

Umsturz in der Ukraine

„Kämpft bis zum Ende!“

Die Oppositionspolitikerin Timoschenko – eben noch im Gefängnis – strebt das Präsidentenamt an. Auf dem Maidan wurde sie wie eine Volksheldin empfangen. Janukowitsch wird vom Parlament abgesetzt, will aber nicht gehen.

Julia Timoschenko ruft im Rollstuhl sitzend auf einer Bühne auf dem Maidan den Regierungsgegnern zu: „Die Diktatur ist gestürzt!“

Julia Timoschenko ruft im Rollstuhl sitzend auf einer Bühne auf dem Maidan den Regierungsgegnern zu: „Die Diktatur ist gestürzt!“

KiewWas für ein Tag für die Menschen in der Ukraine: Waren sie am Freitag noch zutiefst erschrocken angesichts der vielen Toten, die bei Zusammenstößen von Regierungsgegnern mit der Polizei in Kiew ums Leben gekommen waren, überschlugen an diesem Samstag die Ereignisse ebenfalls – dieses Mal auf höchster politischer Ebene.

Jede einzelne dieser Entwicklungen an sich kann als dramatisch bezeichnet werden. Gebündelt entfalten sie eine Dynamik, die das Land nun weitertreiben wird. Die wichtigsten Ereignisse des Tages im Überblick.

Die ukrainische Führung befindet sich in Auflösung. Zwar verweigerte Präsident Viktor Janukowitsch seinen Rücktritt – das Parlament in Kiew erklärte ihn aber mit großer Mehrheit für abgesetzt und kündigte für den 25. Mai Neuwahlen an. Dann will auch Oppositionsführerin Julia Timoschenko kandidieren. Die frühere Regierungschefin wurde am frühen Samstagabend nach mehr als zweieinhalb Jahren Haft freigelassen.

Die wohl beliebteste Politikerin des Landes machte sich umgehend auf den Weg nach Kiew, wo die Regierungsgegner die Kontrolle bereits übernommen haben. Im Februar 2010 hatte sie die Präsidentenwahl gegen Janukowitsch verloren. „Die Diktatur ist gestürzt“, verkündete Timoschenko voller Pathos.

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Aus dem Gefängnis ins Zentrum der Macht

In der Ukraine überschlagen sich die Ereignisse. Das Parlament erklärt Präsident Janukowitsch für abgesetzt. Den Job strebt jetzt die freigelassene Oppositionsführerin Julia Timoschenko an. Die Entwicklungen des Tages.

Auf dem Unabhängigkeitsplatz wurde sie am Samstag wie eine Volksheldin empfangen. Sie sprach unter starkem Jubel mit zitternder Stimme zu Zehntausenden Menschen während sie im Rollstuhl saß und forderte die Regierungsgegner zum Weiterkämpfen auf. Erst wenige Stunden zuvor wurde sie aus ihrem Haftkrankenhaus in Charkow entlassen.

Die emotionale Rede rührte viele Menschen auf dem Platz zu Tränen. Auch Timoschenko selbst rang mit der Fassung. „Helden sterben nie, sie sind immer mit uns“, sagte die frühere Regierungschefin im Andenken an die vielen Toten unter den Demonstranten. „Als Scharfschützen mit Kugeln in die Herzen unserer Jungen feuerten, trafen sie auch unsere Herzen, und dort werden diese Wunden immer bleiben“, sagte sie.

„Wir haben es nicht auf friedliche Weise erreicht, aber diese Jungen haben das Ende der Diktatur erreicht“, so Timoschenko weiter. Die Täter müssten bestraft werden. Immer wieder warnte sie davor, den Maidan jetzt zu räumen. „Wenn irgendjemand Euch sagt, Ihr sollt nach Hause gehen, traut ihm nicht, geht bis zum letzten Schritt!“, sagte die Politikerin. „Ihr müsst bleiben bis zum Ende, bis Politiker gewählt sind, die das Vertrauen verdienen. Wir müssen es vollenden. Ihr habt ein neues Land verdient. Erlaubt ihnen nicht, ein Land aufzubauen, das ihr nicht wollt!“, betonte Timoschenko.

Sogenannte Selbstverteidigungskräfte schützten das Parlament, den Regierungssitz und die Präsidialkanzlei in Kiew vor Übergriffen. Die Sicherheitsorgane des Innenministeriums liefen zur Opposition über. Auch die Armee erklärte, sie werde sich nicht in den Machtkampf in der früheren Sowjetrepublik einmischen.

Janukowitsch sei nicht mehr in der Lage, die Amtsgeschäfte verfassungsgemäß auszuüben, hieß es im Beschluss des Parlaments. Nach dem Votum brach in der Abgeordnetenversammlung Jubel aus. Die Parlamentarier erhoben sich von ihren Sitzen und sangen die Nationalhymne.

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